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Österreich : Der umgedrehte Trump-Effekt

Österreichs neuer Präsident Alexander van der Bellen Bild: dpa

Österreich ist gespalten: Stadt gegen Land, Akademiker gegen Hauptschulabschluss, Mann gegen Frau. Am meisten verdankt Alexander van der Bellen seinen Sieg aber seinem Gegenkandidaten.

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          Es hat sich etwas verändert in Österreich. Im Mai, als die Bürger zum ersten Mal in einer Stichwahl über das Amt des Bundespräsidenten entschieden, trennten Alexander van der Bellen (parteilos) und Norbert Hofer (FPÖ) nur 30.000 Stimmen. Das Verfassungsgericht ordnete eine Neuwahl an. An diesem Sonntag ist das Ergebnis eindeutiger. Zwischen den beiden Politikern lagen fast sieben Prozent. Das entspricht rund 300.000 Wählerstimmen. Was ist passiert?

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Einen wohl entscheidenden Einfluss auf die Wahlentscheidung haben die Frauen. Wie aus der Befragung des Instituts Sora im Auftrag des ORF hervorgeht, waren 62 Prozent der Wähler von Alexander van der Bellen weiblich. Besonders hoch war der Anteil bei Frauen unter 30 (69 Prozent). Norbert Hofer wählten mehrheitlich Männer (56 Prozent). Besonders stark ist dessen Vorsprung bei Männern zwischen 30 und 59 Jahren, also in der Mitte des Lebens. Dass Männer grundsätzlich empfänglicher sind für rechtspopulistische Parteien und Positionen, gilt in der Wahlforschung als bewiesen. Zuletzt zeigte sich das auch bei den Landtagswahlen in Deutschland.

          Frauen wählen van der Bellen

          Mit den beiden Kandidaten standen sich zwei grundverschiedene Entwürfe gegenüber. Van der Bellen ist ehemaliger Wirtschaftsprofessor und war einige Jahre Sprecher der Grünen. Norbert Hofer ist seit zehn Jahren Funktionär bei der FPÖ, sein Vater war schon für die Partei aktiv. Er betont seine Verbundenheit zum Landleben und tritt gerne im Trachtenjanker auf. Van der Bellen setzte zwar zeitweise auch auf Volkstümlichkeit, gilt vielen aber als intellektueller Großstädter.

          Hofer liegt in ländlichen Bezirken vorn

          So stehen die Hofer-Wähler für das eine Österreich. Es ist eher ländlich geprägt, Hofer liegt in ländlichen Bezirken teilweise mit über 70 Prozent vorn. Regionen wie Kärnten, die mit hohen Schulden kämpfen und über eine durchwachsene wirtschaftliche Entwicklung klagen, tragen mit ihrem Ergebnis zum Erfolg Hofers bei. Der FPÖ-Kandidat bekommt vor allem bei Menschen mit geringerer Bildung hohen Zuspruch. Unter all jenen, die einen sogenannten Pflichtschulabschluss haben, erzielt er 53 Prozent, unter Personen, die eine Lehre gemacht haben, sind es 64 Prozent. Die Wähler Norbert Hofers sind Arbeiter (85 Prozent).

          Alexander van der Bellen dagegen gewann besonders stark in Großstädten wie Linz, Salzburg oder Wien. 74 Prozent der Wähler mit Abitur (Matura) haben ihn gewählt, 83 Prozent der Wähler mit einem akademischen Abschluss. Die Anhänger van der Bellens sind Angestellte (60 Prozent) oder öffentliche Bedienstete (66 Prozent). Der entscheidende Unterschied zwischen diesen zwei Entwürfen Österreichs liegt aber vor allem in der Frage nach der Zukunft des Landes. Die Anhänger van der Bellens sind eher optimistisch. Sie glauben, dass sich die Zukunft junger Generationen verbessert und dass die Lebensqualität in Österreich eher steigt. Die Hofer-Wähler sind das Negativ dessen: Sie zweifeln daran, dass sie Teil einer positiven Entwicklung sind.

          Hohe Wahlbeteiligung bei jungen Wählern

          Van der Bellen liegt bei den Jungen etwas weiter vorn, Hofer dagegen bei den Mittelalten. Es zeichnet sich aber keine klare Entscheidung von Alt gegen Jung ab. Das mag auch daran liegen, dass offenbar besonders die Jungen diesmal an die Wahlurne gegangen sind. Sie haben vielleicht aus dem Debakel der Brexit-Entscheidung gelernt und dem Lamento darüber, die Alten würden die Zukunft verbauen.

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