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Verteidigung : Deutscher Nato-General fordert massive Aufrüstung Osteuropas

  • Aktualisiert am

Panzer-Übung in Polen Bild: dpa

Statt eigene schwere Waffen im Osten zu stationieren, sollte man die Partner lieber aufrüsten, sagt der Nato-Oberbefehlshaber für Mittel- und Osteuropa. Die Länder müssten Panzer, Hubschrauber und Haubitzen zu „fairen Preisen“ bekommen.

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          Nach Ansicht eines führenden Nato-Militärs sollten angesichts der Bedrohung durch Russland die Mitglieder des Verteidigungsbündnisses im Baltikum und in Osteuropa deutlich aufgerüstet werden. Der Nato-Oberbefehlshaber für Mittel- und Nordosteuropa, Hans-Lothar Domröse, sagte im Interview mit der „Welt“: „Die Nato sollte, bevor man in Osteuropa schwere Waffen stationiert, konsequent eine Ausrüstungsoffensive für die baltischen Staaten und die Ostalliierten starten. Wir sollten unsere Verbündeten mit modernen und schlagkräftigen Waffen ausstatten, wie Hubschraubern, Haubitzen, Schützenpanzern, Flugabwehrraketensystemen und schwerem Pioniergerät und sie anschließend daran ausbilden.“ Dann könnten diese Staaten auf eine Bedrohung aus Russland schnell reagieren und sich selbst verteidigen.

          „Moderne Waffen zum fairen Preis“

          In der Nato wird derzeit darüber nachgedacht, weitere schwere Waffen in Osteuropa zu stationieren.  Kommende Woche soll darüber beraten werden. Am Montag wird der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter in Deutschland erwartet, am Mittwoch und Donnerstag treffen sich die Nato-Verteidigungsminister in Brüssel.

          Statt weitere Waffen dort zu stationieren, sollten die Staaten jedoch eher aufgerüstet werden, sagt Domröse. “Die Nato steht natürlich immer bereit. Es ist aber für jedes Land oberste Priorität, sich erst einmal selbst schützen zu können.“ Konkret forderte der deutsche Vier-Sterne-General, der das Nato-Hauptquartier im niederländischen Brunssum leitet: „Die größeren Nato-Länder sollten den Verbündeten im Baltikum und Osteuropa moderne Waffen zu einem fairen Preis abgeben.“

          Mit einer Besetzung der gesamten Ukraine durch Russland rechnet Domröse nicht: „Aber selbst, wenn Russland die gesamte Ukraine einnehmen würde, könnte Moskau das nicht durchhalten. Der Preis wäre fürchterlich hoch“. Russlands Präsident Putin könnte in diesem Fall nicht ausschließen, dass die Nato reagieren wird. Domröse weiter: „Außerdem brauchen Sie eine enorme militärische Stärke, um die große Ukraine zu besetzen. Und man muss die Truppen in einem besetzten Land in ständiger Bereitschaft halten - und das auch noch alles finanzieren können. Das ist unrealistisch“.

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