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Vatikanbank-Skandal : Ein Papst räumt auf

  • -Aktualisiert am

Viel zu tun: Papst Franziskus Bild: dpa

Papst Franziskus selbst sorgte für die Rücktritte an der Spitze der Vatikanbank IOR. Das kann nur ein Anfang sein.

          4 Min.

          Nur Tage nachdem Papst Franziskus im März gewählt worden war, rief er den Generaldirektor des „Instituts für Religiöse Werke“ (IOR), Paolo Cipriani, an, um sich bei ihm dafür zu bedanken, dass der Geldtransfer zwischen Rom und seiner argentinischen Heimat stets gut funktioniert habe. Darauf reagierten manche in der Vatikanbank mit der bissigen Bemerkung, der neue Papst kenne offenbar nicht das Wirken Ciprianis. Das hat sich jetzt geändert: Cipriani und sein Stellvertreter Massimo Tulli boten am späten Montag ihren Rücktritt an - und jeder weiß, dass der Papst ihren Rücktritt gefordert hatte. Die ersten Aussagen des wegen Korruptionsvorwürfen verhafteten Prälaten Nunzio Scarano, bis vor kurzem Rechnungsprüfer bei der vatikanischen Güterverwaltung (Apsa), waren dafür nur der letzte Anstoß. Denn mittlerweile hat Franziskus auch den Bericht der drei Kurienkardinäle über die Verwicklungen des Klerus und der Kurie in die Affäre um die gestohlenen Dokumente von Papst Benedikt XVI. („Vatileaks“) gelesen; darin steht viel über die Korruption in der Kurie, über das IOR hinaus.

          Für eine Übergangszeit wird der Präsident des IOR und des Aufsichtsrates, der Deutsche Ernst von Freyberg, Ciprianis Aufgaben übernehmen. Er ließ mitteilen, das IOR habe seit 2010 bei der Einführung der Standards gegen Geldwäsche viel erreicht, aber das müsse nun „mit Hilfe einer neuen Leitung beschleunigt“ werden. Cipriani und Tulli waren also ein Hindernis bei der Anpassung an EU-Kriterien für transparente Banken. Ihr Abschied ist der bisher jüngste von vielen Modernisierungsschritten, die etliche italienische Geistliche in der Kurie bekümmern. Noch vor zwanzig Jahren war der Vatikan eine abgeschlossene Institution. Fast ausschließlich Italiener bekleideten die mittleren Positionen, und Erzbischof Paul Casimir Marcinkus konnte von 1971 bis 1989 als IOR-Chef sein Institut nutzen, um für meist christdemokratische Politiker oder für die Mafia Geld zu waschen. Zeitweilig konnte Marcinkus den Vatikan nicht verlassen, weil in Italien ein Haftbefehl gegen ihn vorlag.

          Die einzige halbwegs transparente Institution der Kurie

          Als es 2009 neuerlich Ermittlungen wegen Geldwäsche beim IOR gab, ersetzte Papst Benedikt XVI. Präsident Angelo Caloia durch Ettore Gotti Tedeschi. Ende 2010 erließ der Papst ein Dekret, wonach die Bank den EU-Richtlinien der Transparenz zu folgen habe. Im Herbst 2012 holte er den Schweizer René Brülhart als Finanzaufseher gegen Geldwäsche ins IOR. Schließlich musste Gotti Tedeschi, von dem gesagt wird, er habe den Schreibtisch in der Bank nur genutzt, um darauf Einkaufstaschen teurer Geschäfte abzustellen, wieder gehen. Noch der alte Papst setzte ein externes Auswahlverfahren für Gotti Tedeschis Nachfolger durch und berief im Februar 2013 den deutschen Baron. Zum Ärger vieler Italiener wird das Institut mittlerweile von Ausländern beherrscht; neben Freyberg sitzen im Aufsichtsrat auch der Deutsche Ronaldo Schmitz und der Amerikaner Carl A. Anderson, die Gotti Tedeschi wegen „Verletzung der Amtspflichten“ zu Fall gebracht hatten.

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