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Vatikanbank-Skandal : Ein Papst räumt auf

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Darüber wird freilich das IOR die einzige halbwegs transparente Institution der Kurie. Schon im Juli 2012 stellte Moneyval, das Prüfinstitut des Europarats, fest, das Institut erfülle neun von 16 zentralen Transparenzkriterien vollends und nur sieben teilweise oder gar nicht. Manche EU-Staaten stünden schlechter da, kommentierte damals Finanzaufseher Brülhart. Dem Vernehmen nach ist es auch dem IOR zu danken, dass Scarano festgenommen werden konnte. Er muss sich gegen den Vorwurf verteidigen, er habe 20 Millionen Euro für eine befreundete Reederfamilie in der gemeinsamen Heimatstadt Salerno in einem Privatflugzeug aus der Schweiz am Fiskus vorbei nach Italien bringen wollen. Das ganze scheiterte offenbar auch daran, dass Scaranos frühere Aktivitäten auf den Konten des IOR aufgefallen und der Staatsanwaltschaft gemeldet worden waren. Die griff darum schon vor dem Transfer ein. Beim Skandal um Scarano geht es mithin weniger um das IOR als um die Güterverwaltung des Vatikans.

Franziskus unter Zugzwang

Franziskus aber beschränkt sich fürs Erste darauf, das Gebaren der Bank weiter unter die Lupe zu nehmen. Er sei nun einmal Jesuit und hege Misstrauen gegen Geld und Finanzen, heißt es in seinem Orden. Darum suche der Papst auch nicht direkt den Kontakt zu IOR-Chef Freyberg oder Kontrolleur Brülhart, obwohl beide wie er im Gästehaus Sancta Martha wohnen und beim Frühstück im selben Saal sitzen. Stattdessen lasse der Papst vermeintlich gut unterrichtete Ratgeber neben sich Platz nehmen wie den Anwalt Jeffrey Lena aus Kalifornien, der die Kurie im Missbrauchsskandal berät - und der ein alter Freund Gotti Tedeschis ist, der noch immer den Ausländern um Carl Anderson und Ronaldo Schmitz nachtrage, seinen Posten verloren zu haben. So werde wohl schlechte Stimmung gegen Freyberg produziert, hieß es jüngst aus dem Gästehaus. Der „Corriere della Sera“ berichtete sogar über Spannungen zwischen dem Papst und Freyberg. Es sei auch typisch für die „Martha-Kungelei“, dass Franziskus den Leiter des Gästehauses, Battista Ricca, zum Prälaten des IOR ernannte, hieß es auch.

Aber diese Einschätzung änderte sich vorige Woche, als Franziskus neben dem Aufsichtsrat unter Freyberg und der darüber angeordneten Kardinalskommission unter Staatssekretär Tarcisio Bertone ein Komitee unter Kardinal Raffael Farina einsetzte, das das IOR „mit dem universalen Auftrag“ der Kirche und seiner Anpassung an die Erfordernisse „besser harmonisieren“ soll. Die Kommission werde Informationen über das IOR sammeln und dem Papst berichten. Bei der Bank hieß es daraufhin, offenbar sehe Franziskus, dass Bertone überfordert sei und das Institut einen besseren Ansprechpartner im hohen Klerus brauche. Andere in der Kurie kritisieren, Franziskus hätte Bertone, der schon lange die Altersgrenze überschritten hat, lieber ziehen lassen sollen.

Der Prozess gegen Scarano setzt Franziskus in jedem Fall unter Zugzwang. Die Affäre „Vatileaks“ war intern geregelt worden. Obwohl Journalisten außerhalb der Kurie gestohlene Dokumente veröffentlicht hatten, baten die Staatsanwälte der Kurie Italien nicht um Hilfe bei der Aufklärung des Skandals. Jetzt ermitteln Staatsanwälte aus Salerno gegen Scarano. Die Kurie hat gelobt zu helfen. Damit könnte der Inhalt des Kardinalsberichtes für Papst Benedikt über die menschlichen Abgründe in der Kurie und die Korruption bekanntwerden. Unter dem Druck des Scarano-Prozesses muss Franziskus die Kurienreform vorantreiben. Die Machenschaften der Apsa, die Kapitalanlagen und Immobilienreichtum verwaltet, müssen „im universellen Auftrag“ der Kirche offengelegt werden, genauso wie das Budget von Staatssekretär Bertone und anderer Dikasterien. Die Mauern des Vatikans werden weiter schrumpfen - so wie es Franziskus alltäglich zeigt, wenn er sich selbst den Gläubigen öffnet.

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