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Vatikanbank : Drei Personen wegen Korruptionsverdachts festgenommen

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Es handelt sich dabei offenbar um einen Geistlichen, ein Mitglied des italienischen Geheimdienstes und um einen Finanzmakler. Bild: reuters

Im Zuge der Ermittlungen um dubiose Geldtransfers der Vatikanbank hat die italienische Polizei drei Personen festgenommen. Gegen den Prälaten Nunzio Scarano wird wegen Betrugs ermittelt.

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          Im Zuge von Ermittlungen zur Vatikanbank  haben die italienischen Finanzbehörden Medienberichten zufolge drei  Verdächtige unter Betrugs- und Korruptionsverdacht festgenommen. Es  handle sich um den Prälaten Nunzio Scarano aus dem süditalienischen  Salerno, einen früheren Mitarbeiter des italienischen Geheimdiensts  sowie einen Finanzdienstleister, berichteten der „Corriere della  Sera“ und der Fernsehsender Sky TG-24 am Freitag. Der Vatikan  bestätigte die Festnahme des Geistlichen indirekt.

          Den Medienberichten zufolge wird den Festgenommenen vorgeworfen, 20  Millionen Euro illegal aus der Schweiz nach Italien gebracht zu  haben. Demnach flogen sie das Geld aus dem Besitz von Freunden  Scaranos bar in einem Privatjet des ehemaligen Geheimagenten  Giovanni Maria Zito ein, der dafür 400.000 Euro bekommen haben soll.

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          Gegen Scarano ermittle auch die Staatsanwaltschaft in Salerno wegen  Geldwäsche, berichtete der „Corriere della Sera“. „Sie nennen ihn  Monsignore 500, wegen der großen Zahl von 500-Euro-Scheinen, über  die er verfügte“, schrieb die Zeitung. Die Banknoten nutzte Scarano  demnach, um Geld von Freunden aus dem Süden Italiens zu waschen.

          Der vatikanische Medienberater Greg Burke bestätigte Scaranos  Festnahme indirekt, indem er richtigstellte, dass es sich bei dem  Geistlichen nicht um den Bischof von Salerno handle, wie zunächst  berichtet worden war. Laut Vatikansprecher Federico Lombardi wurde  Scarano im Mai mit Bekanntwerden von Ermittlungen gegen ihn von  seiner Arbeit bei der Vermögensverwaltung des Vatikans entbunden.

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          Die Vatikanbank steht wegen des Verdachts der Geldwäsche bereits  seit Jahren im Fokus der italienischen Justiz. Im September 2010  wurden Ermittlungen gegen den damaligen Präsidenten Ettore Gotti  Tedeschi und den damaligen Generaldirektor Paolo Cipriani wegen  Verstoßes gegen das Geldwäschegesetz eingeleitet.

          Die Ermittlungen führten zur Entlassung der Führung des  Geldinstituts und zur Sperre von Millionen von Euro. Doch schon zuvor hatten zahlreiche Skandale das Ansehen der Bank beschädigt, die Ermittlungen zufolge wiederholt der italienischen Mafia bei der  Geldwäsche half.

          Im Juli 2012 forderte der Europarat das Geldhaus, das unter anderem  die Spenden der katholischen Kirche verwaltet, zu mehr Einsatz im  Kampf gegen Geldwäsche auf. In einem Bericht hieß es, vor allem die  Kontrolle durch die vatikanische Finanzaufsicht sei unzureichend.  Diese versprach im Mai mehr Einsatz gegen Geldwäsche.

          Auch der neue Chef der Vatikanbank, der deutsche Finanzexperte  Ernst von Freyberg, versprach, das Geldinstitut endlich aus den  Negativschlagzeilen zu bringen. Erst am Mittwoch setzte Papst  Franziskus eine fünfköpfige Kommission ein, die sich mit der  weiteren Reform der Bank befassen soll.

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