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Unglück des A400M : Tödlicher Absturz wirft Airbus zurück

Ein Airbus A400M ist in Spanien bei einem Testflug abgestürzt. Bild: dpa

Erst konnte Airbus den A400M gar nicht ausliefern, dann nur verspätet und mit technischen Mängeln. Der Absturz einer Maschine in Spanien mit vier Toten ist ein weiterer Rückschlag für das ohnehin umstrittene Militärflieger-Programm.

          Bei einem Absturz des Militärtransporters vom Typ Airbus A400M in Spanien sind am Samstag vier der sechs spanischen Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Das teilte Airbus am Samstagabend mit. Es handelte sich um den Testflug einer Maschine, die im Juni an die Türkei ausgeliefert werden sollte.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das Flugzeug war am Samstag um 12.45 Uhr am Airbus-Werk in Sevilla für einen Testflug gestartet. Etwa eine Viertelstunde später zerschellte es aus bisher ungeklärten Ursachen auf dem Boden. Zwei der sechs Besatzungsmitglieder wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Einer der Verletzten musste künstlich beatmet werden, berichtete die Nachrichtenagentur Efe. Der andere Verletzte habe Knochenbrüche und Verbrennungen erlitten.

          Die Familienmitglieder wurden umgehend verständigt und erhielten Unterstützung, berichtete Airbus. Führungskräfte von Airbus Defense & Space begaben sich unmittelbar nach Bekanntwerden des Unfalls an den Absturzort. Die Maschine sei in einem unbewohnten Gebiet nördlich des Flughafens von Sevilla“ abgestürzt, sagte ein Sprecher der Rettungskräfte. Der Flughafen wurde unmittelbar nach dem Unfall gesperrt.

          Der Pilot soll kurz vor dem Unglück noch einen Notruf abgesetzt haben, hieß es nach unbestätigten Meldungen. Die Behörden wollen jetzt die Flugschreiber auswerten, die ähnlich wie bei zivilen Maschinen Daten und andere Informationen sammeln. Der A400M ist wie üblich im spanischen Airbus-Werk von Sevilla montiert worden.

          A400M kommt nicht aus den Schlagzeilen

          Es handelt sich um den ersten Absturz eines Transporters dieses neuen Typs. Die Maschine vom Typ MSN023 sollte der dritte A400M sein, den die türkischen Militärs erhalten. Die Bundeswehr hatte die erste und bislang einzige A400M im vergangenen Dezember bekommen. Insgesamt hat Deutschland 53 Maschinen bestellt. Ein Sprecher der Luftwaffe sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir werden uns die Ursache für diesen Absturz ganz genau anschauen und kein Risiko für unser Personal eingehen.“

          Der erste A400M sei momentan noch in der Einsatzprüfung durch die Luftwaffe. Für diese Woche waren Flüge mit der Maschine geplant. Ein Termin für die geplante Lieferung weiterer Flugzeuge stehe bislang noch nicht fest. Bis zur Klärung der Unfallursache sind jetzt erst einmal weitere Erprobungsflüge ausgesetzt, hieß es am Samstag.

          Vier der sechs Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben. Bilderstrecke

          Der tödliche Absturz ist ein schwerer Rückschlag für das A400M-Programm. Seit Jahren sorgt die Maschine wegen Verspätungen, Budgetüberschreitungen und technischen Mängeln für negative Schlagzeilen. Schon vor dem Erstflug im Jahr 2009 drohte Airbus mit Einstellung des Programms, weil das Unternehmen sich zu den vereinbarten Preisen nicht zur Lieferung in der Lage sah. Die sieben beteiligten Nato-Nationen, welche die Maschine in Auftrag gegeben hatten, schossen nach langen Verhandlungen mehrere Milliarden Euro nach.

          Doch auch damit konnte Airbus nicht alle Vereinbarungen einhalten. Der an die Bundeswehr ausgelieferten Maschine fehlen etliche Fähigkeiten wie der Abwurf von Lasten oder von Fallschirmjägern sowie das Landen und Starten in gefährlichen Gebieten. Anfang des Jahres tauschte Airbus die Programm-Führung aus und ernannte den bisherigen Leiter der Airbus-Testflugabteilung, den Spanier Fernando Alonso, zum neuen Chef des Programms.

          Verträge mit China und Südafrika kamen nicht zustande

          Von den 174 bestellten Maschinen sind bisher 12 ausgeliefert worden. Bei den Kunden-Nationen muss sich jetzt vor allem das französische Militär Fragen stellen, das die meisten A400M im Einsatz hat, auch in schwierigen Gebieten wie Mali und Zentralafrika. Der A400M ersetzt in Europa vor allem die veraltete Maschine des Typs „Transall“. 2003 hatten die Nationen Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Spanien, die Türkei und Großbritannien das gemeinsame Programm gestartet, um die Luftfahrtindustrie Europas zu unterstützen und die Abhängigkeit von amerikanischen Lieferungen zu verringern.

          Viele Probleme entstanden jedoch daraus, dass die Produktion in Europa über viele Länder und Firmen verteilt wurde. Malaysia ist bisher der einzige Exportkunde außerhalb der Gründernationen. Die erhofften Verträge mit Südafrika und Chile kamen nicht zustande.

          Das propellergetriebene Flugzeug hat eine Gesamtlänge von 45 und eine Spannweite von 42,40 Metern. Bei einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 780 Stundenkilometern kommt die Maschine bei 20 Tonnen Nutzlast auf eine Reichweite von maximal 6390 Kilometern.

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