https://www.faz.net/-gq5-874oe

Serbisch-ungarische Grenze : Ungarische Polizei setzt Tränengas in Flüchtlingslager ein

  • Aktualisiert am

Syrische Flüchtlinge klettern bei Röszke unter dem Grenzzaun zu Ungarn durch. Bild: Reuters

Die Zahl der Flüchtlinge, die die serbisch-ungarische Grenze überqueren, ist stark angestiegen. Ungarn will deshalb die Grenzkontrollen weiter verschärfen. In einem Aufnahmelager kam es zu einem Zwischenfall.

          2 Min.

          Die ungarische Polizei hat in einem Aufnahmelager für Flüchtlinge am Mittwoch Tränengas eingesetzt. Über die Hintergründe des Zwischenfalls im südungarischen Röszke gibt es unterschiedliche Berichte. Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, rund 200 Flüchtlinge hätten versucht, sich dem Registrierungsverfahren zu entziehen. Demnach weigerten sie sich, ihre Fingerabdrücke abzugeben.

          Die Polizei versuche, „die Lage zu beruhigen“, sagte Polizeisprecher Szabolcs Szenti und berichtete von „schreienden“ Flüchtlingen. Das Zentrum in Röszke ist das derzeit wichtigste Aufnahmelager des Landes für die ankommenden Flüchtlinge.

          Die Nachrichtenagentur dpa berichtete, Ursache für den Zwischenfall seien Beschwerden der Flüchtlinge über die Enge in dem Lager in Röszke gewesen. Die Polizei habe darauf eine Tränengasgranate in die Luft abgefeuert. Auslöser der Klagen war demnach, dass Kinder bei Regen im Freien spielen mussten. Die Lage habe sich schnell wieder beruhigt, als ein Sprecher der Flüchtlinge auf arabisch mit den Migranten sprach. In dem Lager halten sich nach Schätzungen zwischen 1000 und 2000 Menschen auf, die teils in Zelten untergebracht sind.

          Vergangene Woche waren an der mazedonisch-griechischen Grenze infolge des Flüchtlingsstroms Unruhen ausgebrochen. Inzwischen lässt die mazedonische Regierung die Flüchtlinge an die Grenze zu Serbien transportieren, von wo aus sie nach Ungarn weiterziehen. Die ungarische Regierung setzt bereits Tausende zusätzliche Polizisten ein und errichtet einen Grenzzaun, um den Zustrom von Flüchtlingen aus den Balkanländern zu stoppen.

          Am Mittwoch kündigten die ungarischen Behörden an, eine 2100 Mann starke Truppe aus den Reihen der Polizei zu bilden. Sie solle Mitte September einsatzbereit sein, teilte der ungarische Landespolizeikommandant Karoly Papp in Budapest mit. Die „Grenzjäger“ würden auf der Grundlage des Polizeibefugnisgesetzes agieren, sagte Papp. Dies bedeute, dass es keinen Schießbefehl im Umgang mit den Flüchtlingen gebe.

          Die Zahl der täglich nach Ungarn kommenden Flüchtlinge hatte zuletzt immer neue Rekordwerte erreicht. Allein am Dienstag seien mehr als 2500 Menschen über die südliche Grenze zu Serbien ins Land gekommen, teilte die ungarische Polizei am Mittwoch mit. Dies sei der bislang höchste Wert an einem Tag. Am Montag waren es den Angaben zufolge 2000 Neuankömmlinge. Der Polizei zufolge stammen die meisten der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan.

          Die Migranten gehören zu rund 7000 Flüchtlingen, die in der vergangenen Woche an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien festsaßen. Mazedonien hatte angesichts des großen Andrangs den Notstand ausgerufen und die Grenze drei Tage lang geschlossen.

          In Ungarn kamen in diesem Jahr bereits 100.000 Flüchtlinge an - mehr als doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Die Zahl der Neuankömmlinge pro Tag stieg von durchschnittlich 150 in der ersten Jahreshälfte auf mehr als 2000 im August. Angesichts des fast fertiggestellten Grenzzauns wollen viele Menschen die Grenze noch überqueren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Reimund Neugebauer ist Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

          Fraunhofer-Chef im Interview : „Es geht um die Unversehrtheit unseres Landes“

          Atemberaubender Technik-Fortschritt und ein feindseligeres Umfeld: Was kommt auf Deutschland zu? Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer über bedrohte Souveränität, dringende Disruption, was seine Forschungs-Gesellschaft bringt – und Vorwürfe gegen ihn selbst.
          Im Zentrum der Debatte: Gesundheitsminister Lauterbach

          Omikron : Corona-Politik ohne Scheuklappen

          Wenn sich die Gefährdungslage ändert, müssen sich auch die Maßnahmen ändern. Leider überfordert diese profane Erkenntnis viele in der aufgepeitschten Debatte.