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Ungarn : Keine Kerzen im Tunnel

Beim Audi schaffe: Ungarns Ministerpräsident Orbán bei der Werkseröffnung Bild: REUTERS

Ungarns Regierung sieht das Land auf wirtschaftlichem Erfolgskurs. Und tatsächlich hat Ungarn in letzter Zeit einige Erfolge erzielt. Doch blicken Investoren mit gemischten Gefühlen auf den einstigen Musterschüler.

          6 Min.

          János Martonyi durfte sich, auch wenn er das Jackett anbehielt, wie in einer vertrauten und wohlgesonnenen Umgebung fühlen. Der Deutsche Wirtschaftsclub Budapest hatte den ungarischen Außenminister vor der Sommerpause eingeladen, über seine Sicht der Dinge in Sachen Europa und Ungarn zu referieren. Und so sprach Martonyi über verbesserte Kennzahlen und Wirtschaftsdaten, freute sich über den Rückgang der Schuldenquote und lobte Investitionen. Er verschwieg auch nicht die Sorgen über die Jugendarbeitslosigkeit und das trotz allem schwache Wirtschaftswachstum. Man sehe „Licht am Ende des Tunnels“; nun müsse man nur noch herausfinden, ob nicht jemand einfach nur eine Kerze hineingestellt habe, scherzte er.

          Stephan Löwenstein
          (löw.), Politik
          Michaela Seiser
          (ela.), Wirtschaft

          Tatsächlich hat Ungarn in letzter Zeit einige Erfolge erzielt. Konjunkturell hat es im ersten Quartal sowohl den Euroraum als auch den Schnitt der EU-Länder geschlagen. Während dort das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal leicht schrumpfte, stieg es in dem kleinen mitteleuropäischen Land (rund 10 Millionen Einwohner) um 0,7 Prozent. Wichtig ist der Regierung in Budapest, dass die wirtschaftliche Stabilisierung auch in der Europäischen Union anerkannt wird. Dazu gehört die Entscheidung der EU-Finanzminister, das Defizitverfahren nach neun Jahren aufzuheben. Freilich betraf das nicht nur Ungarn. Die Entscheidung fand im Rahmen einer weitgehenden Lockerung statt: Auch Italien, Lettland, Litauen und Rumänien wurden aus dem Verfahren entlassen, Frankreich, Spanien, Polen, Slowenien, die Niederlande und Portugal erhielten Aufschub.

          Die EBRD rechnet weiter mit einer Rezession

          Mit einem Defizit von weniger als drei Prozent der Wirtschaftsleistung schneidet Ungarn jedenfalls besser ab als viele andere Länder in der Union. Im vergangenen Jahr betrug das Defizit 1,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, für dieses Jahr rechnet die Regierung mit 2,7 Prozent. Allerdings hat ein Sondereffekt zu diesen günstigen Zahlen erheblich beigetragen: eine De-facto-Verstaatlichung des Vermögens der privaten Rentenkassen. Ohne diesen Effekt wäre das Defizit nach einer Studie, die die regierungskritische Friedrich-Ebert-Stiftung in Budapest in Auftrag gegeben hat, 2012 und 2013 um rund 1,5 Prozentpunkte höher und läge mithin deutlich über der Drei-Prozent-Marke. Zudem gestaltet sich der Abbau der Staatsverschuldung, die mit 79,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Vergleich mit den etablierten Märkten der Region hoch ist, recht zäh.

          „Es gibt Anzeichen, dass es nicht mehr nach unten geht“, sagt Gabor Hunya, Ökonom im Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Das sei schon positiv für ungarische Verhältnisse. Doch verbreite die nationalkonservative Regierung in Budapest viel mehr Optimismus, als gerechtfertigt sei. Denn eine steile Aufwärtsentwicklung sei nicht erkennbar. Im Vergleich zu den etablierten Märkten der Region sehen die Aussichten Ungarns nach wie vor ungünstig aus. Während wichtige Konkurrenten wie die Tschechische Republik und die Slowakei sowie Polen in diesem Jahr zumindest um bis zu ein Prozent wachsen dürften, wird Ungarn aus Sicht der Europäischen Kommission bestenfalls stagnieren. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD rechnet sogar weiter mit einer Rezession. Hingegen geht die Regierung von einem Zuwachs von 0,7 Prozent aus, was sogar einer konservativen Schätzung entspreche, heißt es.

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