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Autopsie von Flüchtlingen : Polizei: Opfer sind wahrscheinlich erstickt

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Der Lastwagen, in dem 71 tote Flüchtlinge gefunden wurden, wird derzeit genauestens untersucht. Bild: dpa

Die 71 tot in einem Lastwagen gefundenen Flüchtlinge sind wahrscheinlich erstickt. Das hätten die Autopsien der ersten Leichen ergeben, teilte die Polizei mit. In Ungarn wurde derweil ein fünfter Verdächtiger festgenommen.

          Nach der Autopsie von 16 der 71 tot in einem Lastwagen in Österreich gefundenen Flüchtlinge, könne man gehen die Forensiker davon aus, dass sie erstickt sind. Das sagte die österreichische Polizei am Sonntag mit. Die Identität der Toten ist allerdings immer noch nicht klar. Es wird angenommen, dass sie aus Syrien oder Afghanistan stammen.

          „Wir warten noch auf den abschließenden Bericht, aber es sieht so aus, als wäre sie erstickt“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Geral Pangl, den Sprecher der Polizei in Burgenland, dem Land in dem der Lastwagen an der Autobahn gefunden wurde.

          Die ungarische Polizei hat unterdessen einen fünften Verdächtigen gefasst. Der Mann sei am Samstagabend festgenommen worden, teilte die Polizei am Sonntag mit. Gegen den Mann, einen Bulgaren, werde wegen Menschenschmuggels ermittelt.

          Am Freitag waren in Ungarn bereits vier mutmaßliche Schlepper festgenommen worden, drei Bulgaren und ein Afghane. Am Samstag ordnete ein Gericht an, sie bis Ende September in Untersuchungshaft zu nehmen. Die vier Männer, darunter der Besitzer des Lastwagens und die zwei Fahrer, sind nach Einschätzung der Polizei Handlanger eines bulgarisch-ungarischen Schlepperrings.

          Der Kühllastwagen mit ungarischem Kennzeichen und dem Logo eines slowakischen Geflügelhändlers war am Donnerstag in einer Pannenbucht an der Autobahn 4 im Burgenland entdeckt worden. In dem Fahrzeug wurden 71 Leichen gefunden.

          Für die weiteren Ermittlungen ist vor allem der Todeszeitpunkt der 71 Menschen von Bedeutung. Bislang ist die österreichische Staatsanwaltschaft am Zuge. Sie ermittelt wegen Schlepperei, versuchter Gemeingefährdung mit Todesfolge und Mordverdachts.

          Zuständigkeit hängt von Autopsieergebnis ab

          Die Toten werden derzeit von der Gerichtsmedizin Wien untersucht. Dies dürfte bis mindestens Mitte der Woche dauern. Sollte sich bei der Obduktion herausstellen, dass die getöteten Flüchtlinge mit Sicherheit nicht mehr am Leben waren, als der Lastwagen nach Österreich einreiste, wären in erster Linie die ungarischen Strafverfolgungsbehörden zuständig.

          Die ungarische Justiz kann die bislang festgenommenen Verdächtigen selbst vor Gericht stellen oder an Österreich überstellen. Das hängt auch vom Obduktionsergebnis ab. Die österreichische Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass die Männer überstellt werden, und beruft sich dabei darauf, dass sie für den europäischen Haftbefehl verantwortlich war.

          Auch die Untersuchung des Lastwagens geht derweil weiter. Das Fahrzeug werde nun „Millimeter für Millimeter“ durchsucht, zitierte der ORF am Sonntag einen Polizeisprecher. Es gehe dabei auch darum, die Identität der 59 Männer, 8 Frauen und 4 Kinder festzustellen, um deren Hinterbliebene informieren zu können. Bislang sei lediglich ein syrischer Pass aufgetaucht. Die Ermittler konzentrierten sich daher auf die Mobiltelefone der Toten.

          Die österreichische Polizei sei jedoch auch auf Hinweise von Angehörigen angewiesen, hieß es. Sie richtete daher eine rund um die Uhr auch mit Dolmetschern besetzte Hotline ein.

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