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Unabhängig von Madrid?: Katalonien beschließt Abspaltung von Spanien

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Egal ob Nord oder Süd, in ganz Europa finden sich autonome Regionen. Mit eigenen Regionalparlamenten versuchen sie, den Einfluss von außerhalb einzudämmen und zumindest stückweit ihre Unabhängigkeit zu wahren. In einigen Regionen wurde dazu Gewalt angewandt, in anderen dauert der Kampf mit demokratischen Mitteln bis heute an.
Katalonien
Andalusien
Südtirol
Korsika
Schottland
Friaul
Baskenland
Flandern
Katalonien (Spanien)
Viele der 7,5 Millionen Einwohner im Nordwesten der iberischen Halbinsel fühlen sich wegen ihrer Sprache, ihrer Kultur und ihrer Geschichte als eigene Nation. Schon lange fordern separatistische Politiker deshalb die Unabhängigkeit Kataloniens. Nach der Parlamentswahl Ende September, bei der die Verfechter der Unabhängigkeit die absolute Mehrheit errangen, hat das katalanische Parlament Anfang November einen Beschluss verabschiedet, der die Löslösung von der Zentralregierung in Madrid und die Schaffung einer eigenen Republik bis spätestens 2017 zum Ziel hat. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy will den Beschluss vor dem Verfassungsgericht in Madrid zwar anfechten – ob er damit Erfolg hat, ist aber ungewiss.
Andalusien (Spanien)
Die autonome Region im Süden Spaniens stand am längsten unter der Herrschaft der muslimischen Eroberer. Bis heute sind die Spuren der Fremdherrschaft kulturell verankert. Auch deswegen setzten sich gleich mehrere Parteien für mehr Selbstbestimmung in Andalusien ein. 2007 stimmte eine große Mehrheit der Andalusier für mehr Befugnisse im Bereich Steuern und eine Stärkung der nationalen Identität Andalusiens.
Südtirol (Italien)
Wie Friaul im Norden Italiens gelegen, zeichnet sich Südtirol durch eine hohe ethnische Diversität aus. Die Mehrheit der Bewohner spricht Deutsch, gefolgt von Italienisch und Ladinisch, einer rätoromanischen Sprache. Anfangs des 20 Jahrhunderts als Kriegsbeute an Italien gegangen, erstritten sich die Südtiroler einer immer weiter greifende Autonomie. Noch heute fordert die Südtiroler Volkspartei eine vollständige Autonomie, wobei die Zugehörigkeit zu Italien nicht ganz aufgegeben werden soll. Das Streben nach Unabhängigkeit blieb dabei nicht immer friedlich. Der „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) begann 1956 mit einer Serie von Anschlägen. Zunächst richteten die sich gegen die Infrastruktur, dann auch gegen italienische Sicherheitskräfte. Mehrere Menschen starben bei den Anschlägen.
Korsika (Frankreich)
Seit den sechziger Jahren waren auf der französischen Mittel-meerinsel immer radikalere Unabhängig-keitsbewegungen zu beobachten. Die berüchtigtste Gruppe ist FLNC, die sowohl auf Korsika als auch auf dem französischen Festland Bombenschläge verübt hat. Die französische Regierung hatte versucht, die nationalistischen Strömungen mit Zugeständnissen bei der Selbstverwaltung abzuschwächen. 2003 erhielten die Korsen erstmals die Möglichkeit, in einem Referendum über eine Ausweitung der korsischen Autonomie abzustimmen. Eine knappe Mehrheit entschied sich damals dagegen. Auch deswegen setzten Gruppen wie die FLNC ihre Aktivitäten fort. Im Juni 2014 entschied sich die Gruppe schließlich, den bewaffneten Kampf aufzugeben. Von nun an liege es an der Politik, die korsische Unabhängigkeit weiter voran zu treiben.
Schottland (Großbritannien)
2014 bekamen die Schotten nach langem politischen Kampf die Möglichkeit, über ihre Unabhängigkeit vom britischen Königreich abzustimmen. Das Referendum scheiterte nur knapp. Bei der britischen Unterhauswahl im Mai 2015 gelang es der schottischen Nationalpartei (SNP), den Großteil der schottischen Sitze im Unterhaus zu besetzen. Die SNP hat das Ziel der schottischen Unabhängigkeit noch nicht aufgegeben, will sich zunächst aber nur für eine noch stärkere Autonomie Schottlands einsetzen.
Friaul (Italien)
In der Region Friaul-Julisch Venetien sorgt das Wohlstandsgefälle zwischen Nord- und Süditalien seit Jahren für Unmut. Trotz weitreichender Selbstverwaltung, die der Region seit 1948 gewährt wird, ist die Unzufriedenheit groß. Bei rund 71 Milliarden Euro, die 2013 an den italienischen Staat gingen, fließen nur rund 21 Milliarden in Form von Sozialleistungen in die Region zurück – für einige Friauler ist das klar zu wenig. Ein politischer Arm dieser Bestrebungen ist die Lega Nord. Die fordert eine Abspaltung des Nordens von Italien, sowie den Austritt aus NATO und EU. Bei den Regionalwahlen 2008 kam die zusehends rechtsextremere Lega Nord in der Gegend um Udine auf 12,9 Prozent.
Baskenland (Spanien+Frankreich)
Die Terrororganisation ETA aus dem spanischen Norden sorgte jahrzehntelang für Angst und Schrecken. Nach 50 Jahren Kampf für die baskische Unabhängigkeit und mehreren blutigen Bombenanschlägen gab ETA 2011 ihren bewaffneten Kampf auf. Seitdem tritt die Nationalistenpartei PNV für baskische Belange ein. Bei der Regionalwahl 2012 wurde die PNV stärkste Partei im Baskenland.
Flandern (Belgien)
Im nördlichen Teil Belgiens finden sich verstärkt Befürworter für einen unabhängigen flämischen Staat. Mit rund 6.5 Millionen Flamen würde das das Ende der belgischen Nation bedeuten. Grund für den aufkeimenden flämischen Nationalismus sind unter anderem hohe Transferleistungen, die der reiche Norden an den verarmten Süden zahlt. Bis zum Niedergang des Tagebaus waren die Verhältnisse in Belgien noch umgekehrt. Damals profitierte der flämisch sprachige Norden noch vom Wohlstand des frankophonen Süden.
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