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Schiffsunglück : UN befürchten bis zu 700 tote Flüchtlinge im Mittelmeer

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Jeden Tag kommen Dutzende, wenn nicht Hunderte Flüchtlinge aus Afrika an der italienischen Küste an. Das Foto stammt vom 18. April 2015 und zeigt ankommende Hilfesuchende im Hafen von Messina. Bild: AFP

Ein Flüchtlingsboot mit mehr als 700 Menschen an Bord ist nach Angaben der Vereinten Nationen gekentert. Wahrscheinlich konnte nur ein Bruchteil von ihnen gerettet werden. Sollte sich das bestätigen, wäre es die schlimmste Flüchtlingstragödie auf dem Mittelmeer.

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          Bei einem Schiffsunglück im Mittelmeer sind offenbar wieder Hunderte Flüchtlinge ums Leben gekommen. Etwa 700 Menschen würden vermisst, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Sonntag dem italienischen Fernsehsender „RAInews24“. Der überfüllte Fischkutter kenterte demnach in der Nacht zum Sonntag rund 110 Kilometer vor der libyschen Küste im Kanal von Sizilien.

          Ersten Informationen zufolge ging am Samstagabend gegen 23.30 Uhr ein Notruf bei der italienischen Küstenwache ein. Sie dirigierte daraufhin einen portugiesischen Frachter zu der Unglücksstelle. Beim Anblick des Schiffs hätten sich vermutlich die Passagiere auf dem Fischkutter auf eine Seite gedrängt und das Boot so zum Kentern gebracht, sagte eine UNHCR-Sprecherin. Nur 28 Menschen konnten bislang von dem Handelsschiff gerettet werden. Überdies wurden bereits 21 Leichen geborgen. Über die Herkunft der Menschen an Bord war zunächst nichts bekannt.

          Papst fordert Politik zum Handeln auf

          An der Such- und Rettungsaktion beteiligen sich laut dem italienischen Fernsehen zur Stunde Schiffe und Flugzeuge der italienischen Marine und Küstenwache sowie weitere zivile Handelsschiffe. Wegen der niedrigen Wassertemperaturen sehen Fachleute die Überlebenschance der Gekenterten allerdings als gering an. Sollte sich die befürchtete Opferzahl bestätigen, handelte es sich wohl um die größte Flüchtlingstragödie auf dem Mittelmeer.

          Papst Franziskus rief am Sonntag die Staatengemeinschaft zu raschem Handeln auf, um solche Unglücke zu vermeiden. In seinem Angelus-Gebet sprach er von einer Tragödie und rief die Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz auf, für die Opfer zu beten. „Das sind Männer und Frauen wie wir, unsere Brüder auf der Suche nach einem besseren Leben, weil sie hungern, verfolgt, verwundet und ausgenutzt wurden und Kriegsopfer sind“, sagte der Papst. „Ich appelliere von ganzem Herzen an die internationale Gemeinschaft, entschlossen und rasch zu handeln, damit sich solche Tragödien nicht wiederholen.“

          Bild: DPA

          Die italienische Küstenwache brachte am Wochenende immer wieder andere Migranten in Sicherheit, zahlreiche Boote mit Flüchtlingen erreichten die italienische Küste. Allein in der vergangenen Woche sollen es etwa 11.000 Menschen gewesen sein. Seit Anfang des Jahres sind laut UNHCR mehr als 900 Menschen bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer umgekommen.

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