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Ukraine : Viele Tote bei Kämpfen um Mariupol

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Bei Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol sind nach Angaben der ukrainischen Regierung mindestens 21 Menschen getötet worden.

          In der südostukrainischen Großstadt Mariupol ist es am Freitag zu schweren Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und prorussischen Kräften gekommen. Nach Angaben der ukrainischen Regierung wurden mindestens 21 Menschen getötet. Unter den Todesopfern seien 20 Milizionäre und ein Polizist, erklärte das Innenministerium in Kiew. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax versuchten ukrainische Militäreinheiten, ein von Separatisten besetztes Verwaltungsgebäude einzunehmen. Im April hatten Separatisten das Rathaus von Mariupol gestürmt und wochenlang besetzt.

          Innenminister Arsen Awakow schrieb am Freitag bei Facebook, eine Gruppe von 60 „Terroristen“ habe eine Polizeistation im Zentrum der Hafenstadt angegriffen. Die Behörden im Gebiet Donezk sprachen von drei Toten und 25 Verletzten bei den Zusammenstößen. Mariupol liegt nahe der russischen Grenze. Am Freitagnachmittag war die Lage in der Innenstadt wieder ruhig. Rauch lag über der Stadt, geschossen wurde nicht mehr. Das Gebäude der Stadtverwaltung sowie ein Verwaltungsgebäude der Kiewer Zentralregierung waren ausgebrannt und wiesen große Einschusslöcher auf.

          Ein Führungsmitglied der moskautreuen „Selbstverteidigungskräfte“ äußerte, zu den Auseinandersetzungen sei es nach den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Hitler-Deutschland gekommen. Eine Menschenmenge sei zu einer von Separatisten besetzten und von Sicherheitseinheiten belagerten Polizeistation gezogen. Daraufhin hätten die Einsatzkräfte das Feuer eröffnet. Eine unabhängige Bestätigung lag zunächst nicht vor. Die ukrainische Führung hatte vor Provokationen anlässlich des Feiertags gewarnt.

          Vor den Schüssen: Ukrainische Streitkräfte bewachen ein Verwaltungsgebäude in Mariupol.

          Unterdessen wurde bekannt, dass mehr als 70 Prozent der Ukrainer laut Umfragen den Erhalt der Einheit des Landes unterstützen. Nach Angaben des amerikanischen Pew Research Center sprechen sich 77 Prozent der befragten Ukrainer für eine Einheit des Landes aus. Im Westen der Ukraine unterstützen den Angaben zufolge 93 Prozent der Befragten die Einheit, im Osten waren es 70 Prozent. Die Umfrage wurde Ende April durchgeführt - nach der Annexion der Krim durch Russland, aber noch vor den jüngsten Ausschreitungen in Odessa und anderen Städten im Osten des Landes.

          Die meisten Ukrainer stehen der Übergangsregierung in Kiew der Umfrage zufolge kritisch gegenüber. Lediglich 41 Prozent der Ukrainer (die Krim ausgenommen) meinten, dass die Zentralregierung eine positive Wirkung auf die Entwicklung des Landes habe. Eine zeitnah angesetzte Umfrage in Russland ergab, dass die Mehrheit der befragten Russen die Annexion der Krim und das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Ukraine-Krise befürworten. 83 Prozent der Befragten zeigten sich von Putins Fähigkeiten als Außenpolitiker überzeugt, während 92 Prozent ihr Land positiv einschätzten. 84 Prozent der Befragten hielten das umstrittene Krim-Referendum von Mitte März für fair.

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