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F.A.Z. exklusiv : Beitrag Steinmeiers erscheint in Russland ohne Ukraine-Bezug

Auf Augenhöhe? Wladimir Putin und Frank-Walter Steinmeier Bild: dpa

Zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion schreibt Bundesaußenminister Steinmeier einen Gastbeitrag, in dem er auch die Ukraine-Politik Putins kritisiert. In der russischen Variante des Textes fehlt der Passus auf einmal.

          Ein Gastbeitrag, den Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) für die Mittwochausgabe dreier Tageszeitungen in Russland, der Ukraine und in Weißrussland zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion verfasst hatte, ist in der russischen Zeitung „Kommersant“ ohne einen Satz erschienen, in dem die russische Politik gegenüber der Ukraine kritisiert wird.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          In der vom Auswärtigen Amt verbreiteten deutschsprachigen Version des Artikels heißt es unter Anspielung auf die Annexion der Krim durch Russland: „Die völkerrechtswidrige einseitige Veränderung von Grenzen und die Nichtachtung der territorialen Integrität von Nachbarstaaten – all das führt uns in überwunden geglaubte Zeiten zurück, die sich niemand wünschen kann.“

          Auch in den auf Russisch veröffentlichten Versionen des Beitrags in der ukrainischen Zeitung „Serkalo Nedeli“ und der weißrussischen Zeitung „Sowjetskaja Belorussija“ ist der Satz enthalten.

          Nicht autorisierte Fassung übermittelt

          Die russische Zeitung „Kommersant“  hat nach Informationen der F.A.Z. von der deutschen Botschaft in Moskau jedoch eine Übersetzung erhalten, in der dieser Passus fehlte. Im Auswärtigen Amt hieß es dazu auf Anfrage der F.A.Z.: Bedauerlicherweise sei an der Deutschen Botschaft in Moskau der russischen Zeitung eine nicht autorisierte Fassung übermittelt worden.

          Steinmeier erinnert in dem Beitrag daran, dass Hitler den Krieg gegen die Sowjetunion begonnen habe, um „dem deutschen ‚Herrenmenschentum‘ nun endlich die verdiente und vom Schicksal zugedachte Herrschaft über ganz Eurasien zu verschaffen und die Menschen in der Sowjetunion zu unterjochen und zu vernichten.“ Weiter schreibt er:

          „Auch bei allen aktuellen Debatten um die europäische Friedensordnung dürfen wir nie vergessen, dass die Aggression, der Vernichtungskrieg, die Untermenschenideologie aus Europa, aus dem Westen, von Hitler-Deutschland über die Völker der Sowjetunion hereingebrochen ist.“ Deutschland sei „unendlich dankbar dafür, dass uns die Menschen in Russland, der Ukraine, in Weißrussland und anderswo in der ehemaligen Sowjetunion angesichts der im deutschen Namen begangenen Untaten und Verbrechen die Hand zur Versöhnung gereicht haben“.

          Putin zeiht Paralellen zu Vorgehen der Nato

          Steinmeier steht derzeit in der Kritik, weil er am Wochenende gegenüber der „Bild am Sonntag“ die jüngsten Nato-Manöver in Polen und dem Baltikum scharf kritisiert hatte: "Was wir jetzt nicht tun sollten, ist, durch lautes Säbelrasseln und Kriegsgeheul die Lage weiter anzuheizen. Wer glaubt, mit symbolischen Panzerparaden an der Ostgrenze des Bündnisses mehr Sicherheit zu schaffen, der irrt. Wir sind gut beraten, keine Vorwände für eine neue, alte Konfrontation frei Haus zu liefern."

          Der russische Präsident Wladimir Putin zog am Mittwoch in einer Rede vor der Duma eine Parallele zwischen der Lage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs und der heutigen Konfrontation zwischen Russland und dem Westen: Millionen Menschenleben seien nicht gerettet worden, weil der Westen nicht auf Vorschläge der Sowjetunion zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Nationalsozialisten eingegangen sei:

          „Die Führung einiger westlicher Staaten zog eine Politik der Eindämmung gegen die Sowjetunion vor.“ Ähnlich verhalte es sich heute mit russischen Vorschlägen für einen gemeinsamen Kampf gegen den Terror: „Wie am Vorabend des Zweiten Weltkriegs sehen wir keine positive Reaktion. Im Gegenteil: Die Nato verstärkt ihre aggressive Rhetorik und ihre aggressiven Aktionen in der Nähe unserer Grenzen.“

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