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Ukraine : Separatisten bestreiten Aufrüstung durch Russland

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Prorussischer Kämpfer Anfang November in Donezk: Ohne Unterstützung durch Russland? Bild: AP

Abermals haben prorussische Separatisten in der Ostukraine abgestritten, von Russland militärisch unterstützt zu werden. Sie haben eine andere Erklärung für die russischen Waffen und Kämpfer.

          Die militanten Separatisten in der Ostukraine haben Berichte über massive militärische Unterstützung aus Russland abermals zurückgewiesen. Bei den Lastwagenkonvois mit Waffen und Kämpfern im Krisengebiet, die unter anderem von Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) gesehen wurden, handele es sich um Kolonnen der Aufständischen und nicht um russische Truppen, sagte einer der Separatistenführer, Boris Litwinow, am Mittwoch in Donezk.

          „Es ist zwar sowjetische Technik, wie sie auch die russische Armee noch benutzt, aber wir haben sie im Kampf gegen ukrainische Einheiten erbeutet“, sagte Litwinow am Mittwoch. „Das sind unsere Trophäen.“ Die proeuropäische Führung in Kiew und der Westen werfen Russland  vor, die Separatisten aufzurüsten. Die Aufständischen selbst hatten zwar Unterstützung aus Moskau eingestanden, allerdings behauptet, die Kämpfer aus Russland seien „Freiwillige“.

          Thema des G 20-Treffens

          In Donezk sprachen örtliche Rundfunksender am Mittwoch von den heftigsten Kämpfen seit Tagen. Bei fortwährenden Gefechten zwischen der Armee und den Aufständischen gab es mehrere Tote und Verletzte. Insbesondere am geschlossenen Flughafen der Großstadt sei Artilleriebeschuss zu hören, hieß es. Die Aufständischen bezifferten die Schäden seit Beginn der Gefechte im April auf rund 65 Millionen Euro allein in Donezk.

          Schutzlose Zivilisten:Aufnahme am Flughafen Donezk von Anfang Oktober

          Unterdessen machte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) seinerseits Russland für wieder zunehmende Spannungen in der Ostukraine verantwortlich. Moskau versorge die Separatisten weiterhin mit Kämpfern und Waffen, sagte Poroschenko. Die Aufständischen ignorierten die im September von den Konfliktparteien beschlossenen Friedensschritte. Auch Russland fehle der Wille zu einem mäßigenden Einwirken, hieß es in der am Dienstagabend in Kiew veröffentlichten Mitteilung. Merkel habe angekündigt, dass die Ukraine-Krise auf dem G20-Treffen an diesem Wochenende besprochen werde.

          Explosion auf Frachtschiff

          Die Europäische Union will Russland dennoch zunächst nicht mit neuen Sanktionen belegen. Zwar könnte die Liste von Einzelpersonen erweitert werden, gegen die Einreiseverbote und Kontosperren gelten, sagte Merkel. „Darüber hinaus sind weitere Wirtschaftssanktionen derzeit nicht geplant“, betonte sie. Ziel sei es, die seit September geltende, brüchige Waffenruhe zwischen dem ukrainischen Militär und den Separatisten zu wahren. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini riefen Armee und Aufständische auf, sich an die Waffenruhe zu halten. Steinmeier warnte, die Lage an der ukrainisch-russischen Grenze deute auf Vorbereitungen beider Seiten für neue Militäraktionen hin. „Das muss verhindert werden“, forderte er.

          Der Sicherheitsrat in Kiew berichtete von mindestens fünf getöteten Soldaten bei Gefechten in der Ostukraine. In der Nähe der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer wurde örtlichen Medien nach ein Frachtschiff von einer heftigen Explosion erschüttert. Das Schiff konnte aber weiterfahren; Angaben über Verletzte gab es nicht.

          Auch der russische Botschafter bei OSZE, Andrej Kelin, warnte angesichts immer intensiverer Kämpfe im Bürgerkriegsgebiet vor einer Zuspitzung der Lage. „Das Ausmaß der Gewalt und das Risiko einer weiteren Eskalation bleiben hoch und steigen“, sagte ein OSZE-Sprecher in Kiew. Die Organisation berichtete zudem von einem neuen Konvoi mit 43 nicht gekennzeichneten Fahrzeugen östlich von Donezk. Einige der Wagen hatten demnach schwere Waffen geladen und seien in Richtung der Separatistenhochburg gefahren. Am Montag wollen die 28 EU-Außenminister in Brüssel über die Krise beraten. In Peking sprachen Putin und der amerikanische Präsident Barack Obama während des Asien-Pazifik-Gipfels (Apec) auch über den Ukraine-Konflikt. Details wurden zunächst nicht bekannt.

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