https://www.faz.net/-gq5-7sbca

Separatisten in der Ukraine : Russlands neue Helden

Schön ist der Tod für das Vaterland, für Putin

Wie denkt der Präsident über den Feldherrn in seinem unerklärten Krieg gegen die Ukraine? Girkins Fluchverbot schlägt gleich in zweierlei Hinsicht eine Brücke zwischen ihm und Putin. Einerseits ist in Russland seit Anfang Juli der „Mutterfluch“ per Gesetz aus Fernsehen, Filmen, Literatur, von Theater- und Konzertbühnen verbannt; auch der Bürger, der auf der Straße flucht, kann mit einer Geldstrafe bestraft werden. Der Staat müsse, wie es hieß, „die Moral und die sittliche Gesundheit der Bürger schützen“. Andererseits erinnert das Bemühen um eine Ästhetisierung des Krieges, erinnert die Selbstinszenierung Girkins als russischer Recke an einen Auftritt Putins im April. In einer Fernsehsendung namens „Direkter Draht“ verlas er eine von angeblich zweieinhalb Millionen Fragen an ihn: „Was ist für Sie der russische Mensch, das russische Volk?“ Putin antwortete: „Mir scheint, dass der russische Mensch, der Mensch der russischen Welt, vor allem daran denkt, dass es irgendeine höhere moralische Bestimmung des Menschen gibt.“ Das sei im Westen anders, wo gelte, je erfolgreicher jemand sei, desto besser. „Nur in unserem Volk konnte die Redensart entstehen: ‚Vor der Welt ist auch der Tod schön.’ Das heißt, der Tod für den anderen, für sein Volk.“ Darin lägen die „tiefen Wurzeln unseres Patriotismus“ und für das „massenhafte Heldentum“ im Krieg, sagte Putin. Viele Völker hätten eigene Vorteile, „aber das ist unserer“. Der Präsident beschwor sein Volk, sich auf seine Opferbereitschaft zu besinnen: Schön ist der Tod für das Vaterland, für Putin.

Und noch einen Brückenschlag gibt es. In der zweiten Junihälfte hatte der „Kommandierende“ Girkin noch öffentlich geklagt, Putin habe „die Erklärung, zum Schutz der russischen friedlichen Bevölkerung des Donbass bereit zu sein, faktisch desavouiert“. Er, Girkin, hoffe, dass es in Moskau hinreichend „Gewissen“ gebe, „irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen“. Vor kurzem sagte der schwedische Außenminister Carl Bildt, seit Ende Juni habe der Transfer von schweren Waffen, Panzern, Raketen und Kämpfern aus Russland in die Ostukraine deutlich zugenommen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Türkischer Präsident Erdogan

Türkischer Präsident Erdogan : Der Wert der Zurückhaltung

Der türkische Präsident Erdogan nimmt Abstand von der Ausweisung westlicher Diplomaten. Einen von ihnen verfasste Erklärung wertet er als Einlenken.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.