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Ukraine-Konflikt : Separatisten präsentieren gefangene Soldaten

  • Aktualisiert am

Prorussische Separatisten (r.) führen Gefangene der regulären ukrainischen Streitkräfte in Donetsk vor Bild: REUTERS

Während in Kiew Präsident Poroschenko die Unabhängigkeit seines Landes mit einer Militärparade feiert und Milliardeninvestitionen in die Armee ankündigt, führen die Separatisten in Donezk gefangene Soldaten öffentlich vor.

          3 Min.

          Prorussische Separatisten haben Kriegsgefangene aus den Reihen der Regierungstruppen zu einem Marsch durch die ostukrainische Stadt Donezk gezwungen. Die Soldaten mussten am Sonntag nach Beobachtungen eines Reuters-Korrespondenten auf einer Hauptstraße marschieren.

          Sie gingen gesenkten Hauptes und wurden von einer Menschenmenge als „Faschisten“ beschimpft. Donezk gehört zu den letzten Städten unter der Kontrolle der Rebellen. Dort und in Luhansk nahe der russischen Grenze gibt es immer wieder heftige Gefechte. In Donezk wurde die Ankunft der Gefangenen über Lautsprecher angekündigt: „Wir sehen jetzt die Leute, die geschickt wurden, um uns zu töten“, hieß es. „Wir sind Russen.“ Aus der Menschenmenge wurden die erschöpft wirkenden Männer mit Flaschen beworfen. Ihnen wurde zugerufen: „Auf die Knie“. Hinter den Gefangenen fuhren Straßenkehrwagen.

          Die öffentliche Zurschaustellung von Kriegsgefangenen ist weithin geächtet und wird in der Genfer Konvention von 1949 ausdrücklich verboten. Zuvor hatten die Aufständischen bereits zerstörtes Militärgerät der Regierungssoldaten im Zentrum von Donezk ausgestellt und damit ihre Gegenveranstaltung zu den Feiern in Kiew eingeläutet.

          Während die Aufständischen in Donezk die Gefangenen zur Schau stellten, beging die Regierung in Kiew den offiziellen Feiertag zur Unabhängigkeit des Landes von der Sowjetunion mit einer Militärparade in der Hauptstadt. Inmitten des Konfliktes mit Russland hat die Ukraine erstmals seit Jahren wieder eine große Militärparade zur Feier des Unabhängigkeitstags abgehalten.

          Milliarden für Aufrüstung

          Vor zehntausenden Menschen kündigte Präsident Petro Poroschenko dabei am Sonntag an, dass er die Armee massiv aufrüsten und dafür mehr als 2,2 Milliarden Euro investieren wolle. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte bei einem Besuch in Kiew politische und finanzielle Unterstützung zu.

          Poroschenko warf Russland eine „Aggression“ vor, das Nachbarland habe die Ukraine in einen „richtigen Krieg“ gezogen. „Krieg ist über uns gekommen aus einer Himmelsrichtung, aus der wir es niemals erwartet hätten“, sagte der Präsident und gab sich zugleich optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass der Kampf für die Ukraine, für unsere Unabhängigkeit, mit unserem Sieg enden wird.“

          Zur Stärkung der Armee sollten 2015 bis 2017 umgerechnet mehr als 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, kündigte Poroschenko an. „Damit können wir Flugzeuge, Hubschrauber und Kriegsschiffe modernisieren oder kaufen.“ Aber auch jetzt sei in die Armee investiert worden. Eine Kolonne mit neuer Ausrüstung sei unterwegs in die Kampfgebiete im Osten der Ukraine, sagte der Präsident vor der jubelnden Menge.

          Panzer, Raketenwerfer und Luftabwehrsysteme

          Bei der Militärparade rollten Panzer, Raketenwerfer und Luftabwehrsysteme durch die Straßen von Kiew. Auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan wurde symbolträchtig die ukrainische Fahne gehisst, während die Zuschauer - viele von ihnen in den Nationalfarben blau und gelb gekleidet - die Hymne des Landes anstimmten. Die ehemalige Sowjetrepublik hatte am 24. August 1991 ihre Unabhängigkeit erklärt. Die bisher letzte Militärparade aus diesem Anlass hatte es 2009 gegeben.

          „In Kriegszeiten gibt es immer Paraden“, sagte Roman Kowaltschuk, der mit seiner Frau und den Kindern extra aus dem Süden des Landes zu der Parade angereist war. „Alle anderen Länder sollen unsere Stärke sehen. Wir müssen die Moral unserer Soldaten stärken.“

          Die Militärparade fand einen Tag nach dem Besuch von Merkel in Kiew statt, bei dem die Bundeskanzlerin unter anderem eine Kreditbürgschaft über 500 Millionen Euro zusagte. Damit sollen Projekte etwa für die Wasser- und Energieversorgung und für Schulen finanziert werden. Die Bundesregierung stelle zudem für den Bau von Flüchtlingsunterkünften 25 Millionen Euro bereit, kündigte Merkel nach einem Gespräch mit Poroschenko an.

          Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko grüßt die Zuschauer der Militärparade in Kiew. Bilderstrecke
          Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko grüßt die Zuschauer der Militärparade in Kiew. :

          Merkel betonte, dass „die territoriale Integrität und das Wohlergehen der Ukraine wesentliche Ziele der deutschen Politik“ seien. Sie forderte Russland auf, sich einem beidseitigen Waffenstillstand und einer effektiven Kontrolle der russisch-ukrainischen Grenze nicht zu verschließen. Notfalls werde Europa den Druck auf Moskau erhöhen: „Natürlich können wir nicht ausschließen, wenn es nicht weitergeht, dass wir weiter über Sanktionen nachdenken.“ Moskau hatte die internationale Gemeinschaft am Freitag zusätzlich aufgebracht, indem es einen Hilfskonvoi für die notleidende Bevölkerung in der Ostukraine ohne das Einverständnis Kiews und des Roten Kreuzes nach Luhansk geschickt hatte. Die 227 Fahrzeuge kehrten am Samstag nach Russland zurück.

          In der Region von Luhansk und rings um die Rebellenhochburg Donezk gingen die Gefechte zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten am Wochenende unvermindert weiter. Dabei wurde am Sonntag in Donezk unter anderem ein Krankenhaus beschädigt.

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