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Ukraine-Konflikt : Nato-Staaten planen neue Eingreiftruppe

  • Aktualisiert am

Polnische F-16-Kampfflugzeuge Bild: dpa

Als Reaktion auf die Ukraine-Krise wollen sieben Nato-Staaten angeblich eine gemeinsame Eingreiftruppe schaffen - am Boden, in der Luft und auf dem Wasser. Deutschland ist nicht dabei.

          Unter britischer Führung soll Informationen der „Financial Times“ (Samstag) zufolge eine neue Eingreiftruppe für weltweite Einsätze entstehen. Dass die 10 000 Soldaten umfassende Truppe eine Reaktion auf die russische Ukraine-Politik ist, bestätigte die Regierung in London nicht. Das Ziel sei, eine Truppe zu schaffen, die schnell aufgestockt werden könne und schnell für einen Einsatz zu Verfügung stehe. Die Regierung in London bestätigte entsprechende Pläne zunächst nicht.

          Ein Sprecherin des Verteidigungsministeriums in London sagte der Nachrichtenagentur dpa, es handele sich um Pläne, die bereits 2012 bekanntgegeben wurden und auf der Revision der britischen Verteidigungsfähigkeiten von 2010 beruhen. „Man hat sich damals gefragt, wie man die Teilstreitkräfte zusammenführen und effektiver machen kann, auch unter ökonomischen Gesichtspunkten“, betonte die Sprecherin.

          Die Pläne hätten nichts mit der gegenwärtigen Lage in Osteuropa zu tun, sagte sie. Die Angaben der Zeitung hinsichtlich der teilnehmenden Länder seien „nicht gravierend falsch“, betonte die Sprecherin. Die Pläne seien in die Nato-Strategie eingebettet. Eine offizielle Bekanntgabe während des Nato-Gipfels am kommenden Donnerstag und Freitag in Wales sei möglich.

          Der Einheit in der Größe einer Division sollten sowohl Bodentruppen als auch Luftstreitkräfte und Marineeinheiten angehören und sie solle unter britischer Führung stehen. Vorbild sei das gemeinsame Britisch-Französische Expeditionskorps, das im Jahr 2016 einsatzbereit sein soll. Bis jetzt seien Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Norwegen und die Niederlande am Aufbau der Truppe beteiligt. Kanada habe ebenfalls Interesse bekundet.

          Obwohl es noch keine weiteren Einzelheiten über die Planungen gebe, seien regelmäßige Übungen der neuen Truppe, nicht nur in Europa, sehr wahrscheinlich, sagte ein ranghoher mit den Planungen befasster Soldat. Solche Vorhaben seien ungemein wichtig, um ein deutliches Zeichen an den Kreml zu senden, sagte Jonathan Eyal, Direktor des Royal United Service Institute in London.

          Der deutsche Blog „Augengeradeaus.net“, der sich vor allem mit Sicherheitspolitik befasst, merkt dazu an, dass mit dem Vorhaben die Nato Respose Force (NRF) dupliziert würde. Die NRF soll nämlich in ihrer Aufgabenbeschreibung genau das leisten, was auch die neue Truppe können soll. Dabei ist sie mit 13.000 sogar ein wenig größer als die nun geplante Eingreiftruppe.

          Warnung vor Atomkatastrophe

          Deutsche Fachleute warnen derweil vor einer Atomkatastrophe in der Ukraine. Die nur 200 Kilometer von der Kampfzone entfernte Atomanlage Saporischschja, die als größte Europas gilt, sei gegen einen direkten Beschuss kaum geschützt, sagte Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe) in Essen. Die Betonhülle der sechs Reaktoren sei nur 1,20 Meter dick und überstehe lediglich den Absturz kleinerer Flugzeuge.

          „Es gibt in der Region viele panzerbrechende Waffen, die diese Hülle durchschlagen können“, sagte Münchmeyer. Auch ein Angriff auf die Stromversorgung oder das Stromnetz könne durch den Ausfall der Kühlung verheerende Folgen haben, wie das Beispiel Fukushima gezeigt habe. Da die Meiler russischer Bauart sind, sei auch die Abhängigkeit von russischen Experten und Ersatzteilen groß. „Man kann sich vorstellen, dass nötige Lieferungen jetzt ausbleiben.“

          Das Atomkraftwerk befindet sich in Energodar

          Michael Sailer, Atomexperte des Ökoinstituts in Darmstadt, wies darauf hin, dass ein Ausfall der Stromversorgung über mehrere Stunden zu einer Kernschmelze führen könne. „Dann haben wir eine Situation wie in Fukushima“, sagte er der Zeitung. Ein Stromausfall könne etwa durch die Zerstörung von Hochspannungsleitungen oder sensiblen Anlagen im Umfeld der Atomanlage bewirkt werden. Da niemand wisse, ob sich die Kämpfe ausweiten, müssten die Reaktoren möglichst rasch heruntergefahren werden, fordert Sailer.

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