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Ukraine : Janukowitschs willige und weniger willige Helfer

Polizisten an einer Straßensperre in Kiew Bild: dpa

Im Konflikt mit seinen Gegnern kann der Präsident auf unterschiedliche Truppen zurückgreifen – doch nicht alle sind ihm gegenüber loyal. Über die Berkut-Milizen und die Geheimdienste.

          Die erste Großdemonstration in Kiew Anfang Dezember war eine Reaktion auf die brutale Zerschlagung kleinerer Studentenproteste durch eine Sondereinheit der Miliz namens „Berkut“. Auch in den Wochen danach tat sich die Einheit, deren Name auf Deutsch „Steinadler“ bedeutet, oft durch die Misshandlung von Demonstranten hervor. Damit wurden die angeblich sehr gut bezahlten Männer einem Ruf gerecht, den sie in der Ukraine schon seit langem haben. Sie standen immer wieder im Zentrum von Skandalen – so vor einigen Jahren, als sie bei einem Einsatz gegen Fußballhooligans unbeteiligte Jugendliche zusammenschlugen.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Gegründet wurde Berkut Anfang der neunziger Jahre für Einsätze gegen die organisierte Kriminalität, die in den chaotischen Jahren nach dem Ende der Sowjetunion in den Städten regelrecht nach der Macht griff. Die Einheit ist daher so ausgerüstet, dass sie auch in bewaffneten Auseinandersetzungen bestehen kann – sie verfügt auch über Maschinengewehre und Schützenpanzer. Zu den etwa 4000 Berkut-Männern, die zuvor mehrheitlich in Spezialeinheiten der Armee gedient haben, gehören auch Scharfschützen. Auf Videoaufnahmen aus Kiew war am Donnerstag zu sehen, wie Männer in Berkut-Uniform gezielt in die Menge auf dem Majdan schossen. Die Berkut-Kämpfer sind vermutlich auf Regimeseite die Kraft, die am loyalsten ist. Die meisten ihrer Bataillone stammen aus dem Osten und dem Süden der Ukraine. Doch ganz sicher ist dem Präsidenten auch die Treue von Berkut nicht. Im Januar hatten schon in Lemberg einige Mann den Dienst aus Protest quittiert, am Donnerstag teilte die Berkut-Kompanie im Transkarpaten-Bezirk mit, sie werde nicht an Einsätzen gegen Demonstranten teilnehmen.

          Das Innere Heer, Berkut und die Armee

          Berkut allein wäre zahlenmäßig nicht stark genug für die Einsätze der vergangenen Wochen. An vorderster Front standen immer wieder auch die Truppen des Innenministeriums. Dieses sogenannte Innere Heer ist ein Erbe der Sowjetunion – seine organisatorischen Vorgänger sind Truppen von Stalins Geheimdienst NKWD, die in den vierziger Jahren bei den Deportationen der Kaukasus-Völker nach Sibirien und der Bekämpfung der antisowjetischen Partisanen in der Westukraine und im Baltikum eingesetzt waren. Das Innere Heer ist der Armee ähnlich: Es kennt die gleichen Ränge, seine Bewaffnung entspricht der der motorisierten Infanterie, und dort dienen Wehrpflichtige. Aus diesem Grund ist die 33.000 Mann starke Truppe aus Sicht des Regimes aber weniger zuverlässig als Berkut. In der Westukraine sind schon im Januar Einheiten des Inneren Heeres am Ausrücken gehindert worden – nachdem die Wehrpflichtigen dort Freunde und Verwandte aufgefordert hatten, ihre Kasernen zu blockieren.

          Bisher nicht an den Auseinandersetzungen beteiligt war die reguläre Armee, deren Einsatz im Inneren gesetzlich verboten ist. Das könnte sich allerdings ändern, wenn die am Mittwoch angekündigte „antiterroristische Aktion“ tatsächlich beginnen sollte, denn dabei dürfen die Streitkräfte eingesetzt werden. Am Donnerstag gab es Berichte, dass Truppen in Richtung Kiew in Bewegung gesetzt worden seien. Allerdings gilt bei der Armee wie beim Inneren Heer, dass der hohe Anteil von Wehrpflichtigen für die Machthaber ein Unsicherheitsfaktor ist – von den offiziell 184.000 Mann sind nach offiziellen Angaben 139.000 Wehrpflichtige.

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