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Ukraine : Ein offenes Staatsgeheimnis

Woher des Weges? Unmarkierte Militärfahrzeuge bei Donezk am 8. November Bild: AP

Von Anfang an spielten Russlands Soldaten im Konflikt in der Ukraine eine entscheidende Rolle. Selbst in Moskau wird deren Engagement nur noch heruntergespielt, aber nicht mehr geleugnet.

          Auch in Moskau wird nicht geleugnet, dass Kämpfer aus Russland im Donbass, dem umkämpften Kohlerevier im Osten der Ukraine, von Anfang an eine Rolle gespielt haben. In der vergangenen Woche sagte Präsident Wladimir Putin der ARD, man werde „nicht zulassen“, dass „die ukrainische Zentralmacht alle ihre Gegner vernichtet“. Allerdings hat Russland immer gesagt, dass die Kämpfer, die in die Ukraine strömen, privat unterwegs seien, als „Freiwillige“ in einem Krieg, mit dem die Regierung nichts zu tun habe. Dass reguläre russische Truppen in die Ostukraine eingedrungen seien, wird bestritten – so wie Präsident Putin im März auch bestritten hatte, dass die Truppen ohne Hoheitsabzeichen auf der Krim aus Russland kamen. Im ARD-Interview sagte er nun – nicht zum ersten Mal: „Ich leugne die Tatsache nicht, und wir haben das nie geleugnet, dass unsere Streitkräfte die auf der Krim stationierten Streitkräfte der Ukraine blockiert haben.“

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Westliche Staaten und die ukrainische Regierung sind sicher, dass Russland auch in der Ostukraine direkt eingegriffen hat. Ihnen zufolge könnten sich die prorussischen Kämpfer in den „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk ohne Hilfe der russischen Armee gegen die ukrainischen Kräfte nicht behaupten. Der Oberkommandierende der Nato in Europa, der amerikanische Luftwaffengeneral Philip Breedlove, sagte dieser Zeitung Anfang der Woche: „Wir sehen Spezialeinheiten und reguläre Einheiten der russischen Armee im Osten der Ukraine, die viele Aufgaben erfüllen. Sie trainieren die Truppen der Separatisten, strukturieren sie und bauen sie auf. Sie schulen die Separatisten an dem neuen Gerät und der neuen Ausrüstung, die aus Russland geliefert wurde.“

          Als Zeugen sind vor allem die beiden Beobachtermissionen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Konfliktgebiet wichtig. Die erste, die in der gesamten Ukraine unterwegs ist, hat etwa in der Zeit, als Putin mit der ARD sprach, im Donbass ungewöhnlich intensive Truppenbewegungen registriert. Tagelang fuhren Kolonnen von Militärfahrzeugen von Osten, also aus der Richtung Russlands, auf die Separatistenhochburg Donezk zu. Am Samstag wurden mehr als 40 Militärlastwagen, ein Radpanzer, neun Kampfpanzer und 19 Haubitzen gesichtet, am Sonntag erwähnten die Beobachter 32 Laster, zwölf Haubitzen und fünf Raketenwerfer, am Dienstag 43 Lastwagen, fünf Haubitzen und fünf Raketenwerfer. Die zweite OSZE-Mission, die zwei Grenzübergänge zwischen Russland und dem Separatistengebiet kontrolliert, registrierte in ihrem Wochenbericht vom 12. November die höchste Zahl von Personen in Militärkleidung seit Beginn der Beobachtung: 665 Frauen und Männer kamen über die Grenze. Insgesamt können noch viel mehr Personen und Fahrzeuge unterwegs gewesen sein, da die OSZE zu den meisten Grenzkontrollpunkten keinen Zugang hat.

          Diese Beobachtungen haben zwar die Schwäche, dass – wie im Frühjahr auf der Krim – in den meisten Fällen keine Markierungen oder Abzeichen sichtbar waren, die eindeutig auf russische Soldaten hingewiesen hätten. Doch gibt es Ausnahmen. So berichten die Beobachter, am 13. November hätten sie in der besetzten Stadt Luhansk fünf Männer in Tarnanzügen mit Abzeichen und russischen Fahnen an den Uniformen gesehen.

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