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Ukraine : Die Extremisten vom Majdan

  • -Aktualisiert am

Im Besitz von scharfen Waffen

Jarosch, ein Philologe, stammt aus der Industriestadt Dniprodserschynsk im Zentrum des Landes. Gerne betont er, dass es seiner Organisation um die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Erbe Banderas gehe. Namhafte Akademiker wie der Präsident der Nationalen Universität Kiew-Mohyla-Akademie Sergej Kwit sollen „Trisub“ nahestehen. Zum Rechten Sektor schloss sich die Gruppe unter anderem mit Una-Unso zusammen, einer in Lemberg gegründeten Partisanengruppe, der radikaler Antisemitismus nachgesagt wird. Kämpfer aus der Westukraine standen im Berg-Karabach-Konflikt an der Seite Aserbaidschans und fochten im Tschetschenien-Krieg und in Südossetien gegen Russland.

Die strategischen Entscheidungen hinter den brennenden Barrikaden trifft ein Kreis von etwa 12 Personen rund um Jarosch, der selbst nicht abstreitet, dass seine Leute im Besitz von scharfen Waffen sind. In mehreren Städten – unter anderem in Lemberg – soll die Gruppe an Überfällen auf Polizeiwachen und andere Gebäude beteiligt gewesen sein, was sie allerdings vehement abstreitet. In Lemberg beteiligt sich der Rechte Sektor an der nächtlichen Bürgerwehr. Wie viele junge Männer sich ihm inzwischen angeschlossen haben, ist schwer zu sagen. In Kiew sind mindestens 2.000 bis 3.000 Kämpfer präsent, in den Regionen des Landes vielleicht noch einmal so viele. In dem in der Ukraine sehr populären sozialen Netzwerk „vkontakte“ hat die Gruppe mehr als 300.000 Sympathisanten.

„Lemberg war immer eine Vielvölkerstadt“

Namhafte ukrainische Experten für Extremismus und rechtsextreme Gruppierungen der postsowjetischen Zeit haben allerdings kürzlich in einem offenen Brief davor gewarnt, den Einfluss der Rechtsextremen in der Protestbewegung zu überschätzen. Es gebe auf dem Majdan alle Arten von Weltanschauungen, hieß es in dem Schreiben. Medienberichte, in denen die gesamte Bewegung in den Verdacht des Faschismus gestellt werde, dienten nur russischen Propagandainteressen.

Ende Januar hatte Jarosch erklärt, seine Gruppe habe nun die Verantwortung für den „revolutionären Prozess“ übernommen. Faktisch scheint es so zu sein, dass die in erster Front kämpfenden Männer die Dynamik der Ereignisse nicht nur in Kiew mitbestimmen. Am Samstag teilte der Interims-Innenminister mit, dass ein Vertreter des Rechten Sektors neben anderen Vertretern von Oppositionsgruppen einen Posten im Ministerium erhalten solle. Und vor ein paar Wochen war erstmals darüber gesprochen worden, dass der Rechte Sektor sich als Partei registrieren lassen und zu den nächsten Wahlen antreten könnte.

Oleg Pelechaty, 51 Jahre, ehemaliger Boxer und heute Leiter des Rechten Sektors in Lemberg, hält das für ein mögliches Szenario. Keiner der anderen Parteien könne man trauen, sagt er. Und der Rechte Sektor unterscheide sich von den anderen Selbstverteidigungsgruppen und Bürgerwehren dadurch, dass er schon jetzt eine politische Abteilung habe. Allerdings scheint deren Kurs noch unklar zu sein. Pelechaty findet einen EU-Beitritt der Ukraine nämlich durchaus erstrebenswert. Die Frage nach Rassismus und Antisemitismus wischt er vom Tisch. „Unser schönes Lemberg war immer eine Vielvölkerstadt“, sagt er. „Schauen Sie sich um! So etwas haben wir hier nicht.“ Julija Timoschenko sei natürlich eine charismatische Figur, aber für ein neues System brauche es eine neue Partei und neue Gesichter. Michail, der die Zelte auf dem Lemberger Majdan bewacht, hält von der Idee einer Parteigründung gar nichts. „Unsere Leute sind doch nicht für irgendeine Partei gestorben, sondern für ihre Würde“, sagt er. Der Rechte Sektor hat das Parlament gerade aufgefordert, den Erschossenen der vergangenen Woche einen Heldentitel zu verleihen.

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