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Ukraine : Bruderzwist am Rande des Krieges

Das ist zum Teil gelungen. Viele Freiwilligenbataillone sind legalisiert und unterstehen heute der Regierung. Nur das Freiwilligenkorps des „Rechten Sektors“ (nach den möglicherweise übertriebenen Angaben einer Sprecherin insgesamt 10.000 Mann, von denen ständig jeweils 1500 im Einsatz sind) hat sich bisher entzogen. Seine Kämpfer, die im Gespräch mit der F.A.Z. einen spürbaren Widerwillen gegen die Demokratie und eine starke Neigung zu Führungsfiguren im Stil der alten Kosakenhetmane oder des chilenischen Diktators Augusto Pinochet bekunden, verachten den neuen, „liberalen“ Kiewer Staat. Die Armeeführung halten diese kampferfahrenen Männer und Frauen, zu denen übrigens nicht nur orthodoxe Ukrainer, sondern auch Armenier, Georgier, Juden und Burjaten gehören, für eine von Verrätern durchsetzte Ansammlung postsowjetischer Apparatschiks. Der Gedanke, sich ihr zu unterstellen, löst in ihnen nach eigenen Worten „physischen Ekel“ aus.

Die Verhandlungen über die „Legalisierung“ der Freiwilligen vom „Rechten Sektor“ haben deshalb noch kein Ergebnis gebracht, der Konflikt ist ungelöst. Beide Seiten haben zwar in den vergangenen Tagen die Spannungen bagatellisiert. Von „Missverständnissen“ und „Kreml-Provokationen“ war die Rede, aber die Realität sprach ihre eigene Sprache. In Welykomichailiwka gruben die Soldaten sich ein, und der Sprecher des „Rechten Sektors“, Artem Skoropadskij, hat vor ein paar Tagen an der Spitze einer Demonstration vor dem Kiewer Präsidialamt gerufen, wenn das so weitergehe, werde Poroschenkos Palast bald „niedergebrannt“. Dann werde man „diesen Abschaum“ fragen, „was sie getan haben, als unsere Kämpfer dort draußen starben“.

Attacken gegen Staatskonzerne

Die Regierung schlägt hinter den Kulissen massiv zurück. In einem internen Papier des Geheimdienstes SBU, das der F.A.Z. vorliegt, heißt es, der „Rechte Sektor“ sei in Wahrheit etwas ganz anderes als die vorgebliche Bürgerwehr tapferer Patrioten, für die er sich ausgibt. In Wahrheit sei er eng verbunden mit den Leuten des umstrittenen Milliardärs Ihor Kolomojskij, der einerseits viele Freiwilligenverbände offen unterstützt, andererseits aber auch immer wieder im Umfeld bewaffneter Überfälle auf fremde Unternehmen beobachtet worden ist. Sein jüngster solcher Auftritt während der (gescheiterten) Attacken bewaffneter Männer auf die Staatskonzerne „Ukrnafta“ und „Ukrtransnafta“ hatte Präsident Poroschenko im März dazu veranlasst, den Milliardär aus seinem Amt als Gouverneur von Dnipropetrowsk zu entlassen. Seither herrscht kalter Krieg zwischen Kolomojskij und der Regierung.

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