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Terror in Istanbul : Türkische Regierung vermutet IS-Miliz hinter Anschlag

  • Aktualisiert am
Schockiert starren Passagiere auf den Ort des Anschlags.

Aus Regierungskreisen hieß es weiter, zwei der Angreifer hätten sich vor dem Ankunftsbereich des Internationalen Terminals in die Luft gesprengt, ein weiterer auf dem angrenzenden Parkplatz. Einer der Angreifer sei von der Polizei beschossen worden, bevor er seine Sprengstoffweste gezündet habe.

Die Polizei sperrte den Atatürk-Flughafen weiträumig ab. Fotos vom Anschlagsort zeigten ein Bild der Verwüstung außerhalb des Ankunftsterminals, wo Passagiere normalerweise auf Taxis warten. Auf einem Foto war ein auf dem Boden liegendes Schnellfeuergewehr zu sehen.

Die türkische Spurensicherung untersucht den Tatort.

Der Flugverkehr wurde vorübergehend komplett eingestellt. Der Atatürk-Flughafen - der in etwa ein Passagieraufkommen wie der Airport Frankfurt/Main hat - liegt auf der europäischen Seite Istanbuls. Auf der asiatischen Seite der Millionenmetropole liegt der kleinere Flughafen Sabiha Gökcen.

Erdogan ruft zum gemeinsamen Kampf auf

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kam in Ankara zu einem Krisentreffen mit Ministerpräsident Yildirim und Armeechef Hulusi Akar zusammen. Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul ziele darauf, die Türkei zu untergraben, sagte Erdogan in der Nacht zu Mittwoch. „Es ist eindeutig, dass dieser Angriff keinen anderen Zweck hat, als Propaganda gegen unser Land zu schaffen.“ Dazu werde das Blut unschuldiger Menschen vergossen und Angst verbreitet. Er erwarte, dass die Weltgemeinschaft eine „entschlossene Haltung“ gegenüber Terrorgruppen einnehme, hieß es in der Erklärung des Präsidenten. „Jeder soll wissen, dass die Terrororganisationen nicht unterscheiden zwischen Istanbul und London, Ankara und Berlin, Izmir und Chicago, Antalya und Rom.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Opfern des Selbstmordanschlags am Atatürk-Flughafen in Istanbul ihre Anteilnahme ausgesprochen. Sie sei erschüttert über „diese neuen und hinterhältigen Akte des Terrorismus“, sagte Merkel am späten Dienstagabend am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Gleichzeitig solidarisierte sich die Bundeskanzlerin mit den Türken: „Ich möchte dem ganzen türkischen Volk von hier aus sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden.“ Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich entsetzt. Am Rande eines Fastenbrechens in Berlin mit Christen, Juden und Muslimen sagte er: „Wir stehen an der Seite der Türkei.“

Türkische Polizisten riegeln den Eingangsbereich des Flughafens ab.

Auch die Regierungen der Vereinigten Staaten und Frankreichs verurteilten den Terrorangriff. „Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Getöteten, und wir wünschen den Verletzten eine baldige Genesung“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, am Dienstagabend (Ortszeit) in einer Mitteilung. Die Vereinigten Staaten stünden fest an der Seite der Türkei. Man werde den Kampf gegen die terroristische Bedrohung fortsetzen.

Gleichzeitig sind an den New Yorker Flughäfen die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Schwer bewaffnete zusätzliche Sicherheitsteams würden deutlich sichtbar an den Flughäfen La Guardia und John F. Kennedy sowie Newark im Nachbarbundesstaat New Jersey patrouillieren, teilte die zuständige Behörde Port Authority am Dienstag (Ortszeit) mit. Zuvor hatte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA sämtliche Flüge nach Istanbul gestrichen. Auch Flüge aus Istanbul in die Vereinigten Staaten waren von der Maßnahme betroffen

Krankenwagen rasen am Dienstagabend zum Istanbuler Flughafen Atatürk.

Ministerpräsident Yildirim erinnerte derweil an das IS-Attentat auf den Brüsseler Flughafen im März, bei dem 16 Menschen getötet wurden. Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen zeige einmal mehr, dass der Terrorismus eine weltweite Bedrohung sei, sagte Yildirim. „Dieser Angriff, der auf unschuldige Menschen zielte, ist ein abscheulicher, geplanter Terrorakt.“

In der Türkei häufen sich in jüngster Zeit die Attentate. Zu einigen bekannte sich die IS-Miliz, gegen die die Türkei im Rahmen der amerikanisch-geführten Allianz kämpft. Zwei Anschläge mit Autobomben in der Hauptstadt Ankara werden kurdischen Extremisten zugeschrieben. Bei einem IS-Selbstmordanschlag im Istanbuler Zentrum waren im Januar zwölf deutsche Urlauber getötet worden.

Neben dem IS verübt auch die Tak - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - immer wieder Anschläge in türkischen Metropolen. Vor drei Wochen erst waren bei einem Anschlag der Tak in Istanbuls Stadtmitte elf Menschen getötet worden. Dieses Attentat vom 7. Juni war der dritte schwere Anschlag seit Jahresbeginn im Zentrum Istanbuls. Die TAK hat auch ausländische Urlauber vor Türkeibesuchen gewarnt. Im vergangenen Dezember hatte die Gruppierung einen Mörserangriff auf den Flughafen Sabiha Gökcen verübt.

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