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Kampf an der Grenze : Türkische Armee beschießt syrisch-kurdische Stellungen

Noch im Juni tobte der Kampf der Kurden gegen den „Islamischen Staat“, nun beschießt die Türkei Kobane. Bild: dpa

Die türkische Armee hat ihre Angriffe auf die Kurden auf syrisches Gebiet ausgeweitet. Damit will Ankara verhindern, dass die Kurden ein geschlossenes Gebiet an der Grenze zur Türkei erringen.

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          Die türkische Armee hat in den vergangenen Tagen zweimal Stellungen der syrischen Kurden beschossen. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu begründete die Angriffe damit, dass sich die militärischen Einheiten der syrischen Kurden, die „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG), nun auch „westlich des Euphrats“ ausbreiteten. Ankara habe Washington und Moskau informiert, dies nicht zu dulden. Einzelheiten nannte Davutoglu nicht. Die Türkei will verhindern, dass die syrischen Kurden die beiden Kantone Kobane und Afrin miteinander verbinden. Die syrischen Kurden würden dann die gesamte Region entlang der syrischen Grenze zur Türkei kontrollieren.

          Rojava nennen die Kurden die von ihnen besetzten Gebiete in Syrien.
          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der Außenminister des Kantons Kobane, Idriss Nassan, bestätigte dieser Zeitung, dass die türkische Armee zweimal Stellungen der YPG nahe der Städte Kobane und Tell Abyad mit mittelschweren Waffen über die Grenze hinweg beschossen habe. Es sei niemand verletzt worden. Nassan bezeichnete das Vorgehen eine „Provokation“.

          Die Türkei wolle verhindern, dass die kurdische Stadt Tell Abyad, die die Kurden im vergangenen Sommer  vom „Islamischen Staat“ (IS) erobert hätten, zum vierten Kanton – nach Kobane, Afrin und Cizire – erklärt werde. Nassan zufolge sei die Grenzstadt Tell Abyad ein Teil des Kantons Kobane. Während der Beschießung durch die türkische Armee habe der „Islamische Staat“ von Süden her versucht, in Dörfer um Kobane einzudringen, sei aber zurückgeschlagen worden.

          Die Vereinigten Staaten haben sich zu dem Vorfall noch nicht geäußert. In der vergangenen Woche hätten amerikanische Flugzeuge Waffen für die syrischen Kurden abgeworfen, sagte Nassan. Washington will die YPG in die Anti-IS-Koalition aufnehmen. In Ankara hat jedoch der Nationale Sicherheitsrat in der vergangenen Woche die Partei der syrischen Kurden, die PYD, zu einer Verlängerung der PKK und damit zur Terrororganisation erklärt.

          Wieder 180.000 Menschen in Kobane

          Am vergangenen Samstag hatte der türkische Staatspräsident auf einer Wahlveranstaltung gesagt, es könne nicht akzeptiert werden, dass die PYD und ihr militärischer Arm, die YPG, die Stadt Tell Abyad kontrollierten und dass für „Mitglieder der Terrororganisation“ dort ein Kanton ausgerufen werde. Der Vorsitzende der pro-kurdischen Partei HDP, Selahettin Demirtas, beschuldigte die türkische Regierung, die Ausrufung eines Krieges gegen Syrisch-Kurdistan (Rojava) vorzubereiten. Es sei eine Schande, mit welchem Stolz Davutoglu seine Erklärung zu der Beschießung durch die türkische Armee vorgetragen habe.

          In Kobane und den benachbarten Dörfern leben wieder 180.000 Menschen. Auf dem Höhepunkt der Schlacht um Kobane mit dem IS waren zu Jahresbeginn 2015 die meisten Einwohner geflohen. Auch wenn drei Viertel der Stadt zerstört seien, versuchten die Menschen, wieder ein normales Leben zu führen, sagt Idriss Nassan. Schulen wurden wiedereröffnet, die Wasserleitungen werden repariert. Die Türkei hält ihre Grenze zu Syrien jedoch weiter geschlossen und öffnet sie auch für humanitäre Notfälle nicht.

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