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Erdogans Verschwörungstheorien : Ein schwarzer Tag für die Feinde der Türkei

  • -Aktualisiert am

Kuss für die Landesflagge: Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag nach seiner Rede in Ankara Bild: Reuters

Allen, die den Türken und ihrem Land Böses wünschen, wäre mit einem schrankenlos herrschenden Erdogan besser gedient gewesen. Für sie kann sein Machtverlust nur eine Enttäuschung sein.

          Der türkische Staatspräsident Tayyip Erdogan und die von seiner Partei AKP kontrollierten Medien sehen seit den Gezi-Protesten von 2013 hinter allem, was ihnen missfällt, dunkle ausländische Mächte am Werk. So ist es auch jetzt wieder: Kräfte, die der Türkei ihren wirtschaftlichen und politischen Aufstieg missgönnten, arbeiteten gegen Erdogan, um die Türkei zu schwächen, heißt es, nachdem die Parlamentswahl nicht so ausgegangen ist, wie die AKP sich das vorgestellt hatte.

          Nun muss man nicht Verschwörungstheoretiker sein, um zu konzedieren: Gewiss gibt es auch Kreise im Westen, die eine schwache, in sich zerrissene Türkei begrüßen würden. Prägend jedoch sind sie nicht.

          Und selbst wenn es solche Kreise tatsächlich in nennenswertem Umfang gäbe: Für sie müsste der vergangene Sonntag ein schlechter Tag gewesen sein. Wer der Türkei Übles wünschte, eine grundlegende Destabilisierung gar, der musste gerade auf einen überragenden Sieg Erdogans bei der Parlamentswahl hoffen, damit dieser wie geplant seine Präsidialdemokratur nach zentralasiatischem Muster hätte einführen können.

          Das hätte die Türkei noch stärker polarisiert, die gesellschaftlichen Gräben noch weiter vertieft und die Wirtschaft stärker belastet, als sie es ohnehin schon sind. Über kurz oder lang hätte das womöglich zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen geführt. Doch all diese Szenarien haben die türkischen Wähler am 7. Juni vereitelt, indem sie Erdogans Macht beschränkten.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

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