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Türkische Parlamentswahl : Der Mann, der Erdogan Paroli bot

Hoffnung nicht nur der Kurden in der Türkei: Selahattin Demirtas bei einem Wahlkampfauftritt am Samstag in Istanbul Bild: AP

Wer ist der Mann, der mit seiner pro-kurdischen Partei HDP den Sprung über die Zehnprozenthürde geschafft hat? Selehattin Demirtas ist nicht nur politisch ein Gegenmodell zum türkischen Staatspräsidenten Erdogan.

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          Selehattin Demirtas, geboren am 10. April 1973, wuchs in der Kleinstadt Palu in der südostanatolischen Provinz Diyarbakir auf. Nach dem Abitur studierte er erst Schiffsmanagement und Verwaltung in Izmir, dann Jura in Ankara. Er arbeitete als Anwalt und wurde in Diyarbakir, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Kurden in der Türkei, Vorsitzender eines Menschenrechtsvereins.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          In der Politik ist Demirtas seit 2007. Damals wurde er als unabhängiger Kandidat einer zwei Jahre später vom Verfassungsgericht verbotenen kurdischen Partei ins Parlament gewählt. Dort machte man ihn zum Fraktionsvorsitzenden, und so wurden sein Name und sein Gesicht langsam bekannt in der Türkei. Nach dem Verbot der Partei wechselte er zu deren Nachfolgeorganisation, der „Partei für Frieden und Demokratie“, für die er 2011 wiederum ins Parlament einzog. Außerdem wurde er einer von zwei Vorsitzenden der Partei, die alle wichtigen Posten bis hinunter in die regionale Ebene zwischen einer Frau und einem Mann aufteilt.

          Humorvoll und selbstbewusst, aber nicht aggressiv

          Durch sein geschicktes Auftreten und seine rhetorische Begabung stieg Demirtas bald in die erste Reihe kurdischer Politiker in der Türkei auf. Sein Durchbruch waren die türkischen Präsidentenwahlen im August vergangenen Jahres. Zwar gewann Recep Tayyip Erdogan die Wahl in der ersten Runde mit mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen. Doch Demirtas erhielt schon damals beachtliche 9,76 Prozent der Stimmen – ein Ergebnis, dessen Folgen weniger als ein Jahr später die politische Landschaft der Türkei verändern sollten. Wenn Demirtas allein schon so viele Stimmen auf sich vereinigen konnte, obwohl das rein kurdische Wählerpotential bei höchstens sieben Prozent ausgeschöpft ist, müsse es doch möglich sein, die fehlenden 0,24 Prozentpunkte zur Überwindung der Zehnprozenthürde bei Parlamentswahlen durch türkische Leihstimmen gegen Erdogan auch noch zu erhalten, lautete nicht nur seine Schlussfolgerung aus der Präsidentenwahl von 2014.

          Die Rechnung ging auf, und das hat auch mit dem Wahlkampf von Demirtas zu tun. Er ist humorvoll und selbstbewusst, aber nicht aggressiv. Zu seinen publikumswirksamen Talenten gehört nicht zuletzt, dass er recht gut Saz spielt, ein Zupfinstrument mit sechs bis sieben Saiten. Bei mehreren Gelegenheiten hat Demirtas im Wahlkampf türkische Volkslieder gespielt und gesungen, so bei einem Auftritt im Fernsehsender CNN Türk.

          Wie Staatspräsident Erdogan und Regierungschef Davutoglu hat auch Demirtas im Wahlkampf seine Frau vorgezeigt, wohl auch, um seiner Wählerklientel deren Andersartigkeit zu demonstrieren: Denn anders als die Frauen Erdogans und Davutoglus trägt die Frau von Demirtas kein Kopftuch. Mit Jeans und Bluse wirkte sie wie ein Gegenmodell zu dem Frauenbild der AKP, und das zu demonstrieren war wohl auch der Sinn ihrer öffentlichen Auftritte. Demirtas steht für eine andere Türkei als Erdogan – und nun auch an der Spitze einer ansehnlichen Parlamentsfraktion.

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