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Nach Anschlägen : Türkei bombardiert PKK-Stellungen im Südosten des Landes

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Die türkische Armee hat ihre Luftangriffe auf die Kurdische Arbeiterpartei ausgeweitet und Stellungen im Südosten des Landes bombardiert. Die PKK nennt Bedingungen für eine Rückkehr zur Waffenruhe.

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          Nach der tödlichen Anschlagsserie in der Türkei hat die Armee mehrere Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Südosten des Landes bombardiert. 17 Positionen der kurdischen Separatisten seien in der Nacht zum Dienstag in der Provinz Hakkari „neutralisiert“ worden, teilte die Armee mit.

          Am Montag waren bei einer Reihe von Angriffen auf türkische Sicherheitskräfte mindestens neun Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Dabei kam es auch zu Gewalttaten im kurdischen Südosten des Landes. Zu dem Anschlag auf eine Polizeiwache im Istanbuler Stadtteil Sultanbeyli bekannte sich am Dienstag die PKK. Die Tat sei von einem dreiköpfigen „Opfer-Team“ ausgeführt worden, teilte der bewaffnete Arm der PKK laut einer Meldung der pro-kurdischen Nachrichtenagentur ANF mit.

          Auch am Dienstag griffen mutmaßliche PKK-Kämpfer nach Angaben aus Sicherheitskreisen eine Armeebasis an. Dabei sei in Sirnak ein Soldat getötet worden. In der Provinz Bingol wurde nach Angaben der örtlichen Behörden ein PKK-Mitglied bei einem Gefecht mit Sicherheitskräften getötet.

          Die Union der Gemeinschaften Kurdistans (KCK), eine politische Organisation der PKK, stellte am Dienstag Bedingungen für eine Rückkehr zur Waffenruhe. Wie türkische Medien berichteten forderte sie in einer Mitteilung eine unabhängige Überwachung einer neuen Waffenruhe. Zudem müssten alle in den vergangenen zwei Jahren inhaftierten politischen Gefangenen freigelassen werden.

          Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan und der türkische Staat hatten im Frühjahr 2013 eine Waffenruhe vereinbart, die Ende Juli an neuen Kämpfen und Anschlägen zerbrach. Die legale türkische Kurdenpartei HDP hatte in den vergangenen Tagen sowohl die türkische Regierung als auch die PKK aufgerufen, die Gefechte zu beenden und die unterbrochenen Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts wieder aufzunehmen.

          Mit Blick auf diesen Appell erklärte die KCK, es müsse gewährleistet werden, dass eine neue Waffenruhe nicht ausgenutzt werde; die PKK wirft dem türkischen Staat vor, während des Waffenstillstandes in den vergangenen zwei Jahren die Präsenz der Sicherheitskräfte im Kurdengebiet erheblich ausgebaut zu haben.

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          In der Nacht zum Montag hatte ein Selbstmordattentäter zunächst einen Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache im Stadtteil Sultanbeyli im asiatischen Teil Istanbuls verübt, bei dem der Attentäter starb und zehn Polizisten verletzt wurden. Wenige Stunden später eröffneten Angreifer das Feuer auf Beamte der Spurensicherung, woraufhin sich ein stundenlanges Feuergefecht mit der Polizei entwickelte, bei dem zwei Angreifer und ein ranghoher Polizist getötet wurden.

          Zudem griffen Bewaffnete das amerikanische Konsulat im Viertel Istinye im europäischen Teil der Stadt an. Eine der beiden Angreiferinnen wurde kurze Zeit später verletzt festgenommen. Die marxistische DHKP-C, die bereits 2013 einen Selbstmordanschlag auf die amerikanische Botschaft in Ankara verübt hatte, bekannte sich zu der Tat. Auf ihrer Internetseite schrieb die der PKK nahestehende Gruppe, der Kampf gegen den „Imperialismus und seine Kollaborateure“ werde weitergehen.

          In der südöstlichen Provinz Sirnak wurden bei einem Bombenanschlag vier Polizisten getötet, während beim Beschuss eines Armeehubschraubers und einem Angriff von PKK-Stellungen zwei Soldaten starben. Die türkische Regierung hatte Ende Juli einen „Krieg gegen den Terror“ gestartet, der sich sowohl gegen die kurdische Guerillagruppe PKK als auch gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) richtet. Seitdem flog die Luftwaffe dutzende Angriffe auf PKK-Stellungen, aber nur drei Angriffe auf IS-Positionen in Syrien.

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