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Türkei-Besuch : Merkel-Kritiker wollen Klartext hören

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Kanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Oktober Bild: dpa

Die Kanzlerin reist mit EU-Politikern in die Türkei. Sie wollen sehen, wie das Flüchtlingsabkommen umgesetzt wird. Nach dem Willen ihrer Kritiker soll Merkel Themen ansprechen, die den Gastgebern kaum gefallen dürften.

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          Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich bei ihrer Türkeireise ein Bild von der Umsetzung des Flüchtlingspakts mit Ankara machen. Kritiker fordern, dass sie ihre Gastgeber auch mit unbequemen Fragen nach der Lage der Menschenrechte sowie der Meinungs- und Pressefreiheit konfrontieren soll.

          Am Nachmittag ist der Besuch des Flüchtlingslagers Nizip im südosttürkischen Grenzgebiet zu Syrien und die Teilnahme an der Eröffnung eines aus EU-Mitteln finanzierten Projekts für Kinder und Familien in Gaziantep-Stadt geplant. Begleitet wird sie dabei von EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans und vom türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu.

          Bundesregierung beklagt Verschlechterung der Pressefreiheit

          Mit Davutoglu solle die Kanzlerin nicht nur über die Flüchtlingskrise reden, sondern auch die „massiven Einschränkungen der Menschenrechte, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei“ zur Sprache bringen, forderte FDP-Chef Christian Lindner. Ähnlich äußerte sich Justizminister Heiko Maas (SPD). Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit seien nicht verhandelbar, sagte er der „Welt“.

          In einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken beklagte die Bundesregierung eine weitere Verschlechterung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei, berichtete die „Rheinische Post“. „Insgesamt befinden sich in der Türkei nach Kenntnis der Bundesregierung momentan 29 Journalisten in Haft oder Untersuchungshaft“, schreibt das Auswärtige Amt.

          Der Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, lobte das Eingeständnis Merkels, in der Böhmermann-Affäre einen Fehler begangen zu haben. „Es ist nie zu spät, Fehler einzugestehen“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Gespannt sei er, ob die Kanzlerin „auch vor Ort zu den Besorgnis erregenden Entwicklungen Stellung“ nehmen werde. Merkel hatte eingeräumt, ihre Wertung, das Schmähgedicht des Satirikers Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei „bewusst verletzend“, sei ein Fehler gewesen.

          Die Provinz Gaziantep gehört zu den Regionen mit den meisten syrischen Flüchtlingen in der Türkei. Das Auswärtige Amt rät von Reisen dorthin ab. Im Südosten der Türkei operiert die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat in der Region Anschläge verübt.

          Grüne fordern ein Zeichen von Merkel

          Auch Amnesty International rief Merkel, Tusk und Timmermans dazu auf, in der Türkei die Menschenrechte anzusprechen. Die drei Politiker dürften vor „den Menschenrechtsverletzungen gegenüber Flüchtlingen nicht ihre Augen verschließen“, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Der Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, warf Merkel im Magazin „Der Spiegel“ vor, zu den Menschenrechtsverletzungen in der Türkei zu schweigen. Dündar droht eine lebenslange Haftstrafe, weil er über angebliche türkische Waffenlieferungen an syrische Islamisten berichtet hat.

          Die Grünen appellierten an Merkel, bei dem Besuch ein Zeichen zu setzen. „Ich rate ihr, neben dem offiziellen Programm ein kurzes Treffen mit einem der Oppositionsführer sowie einen Abstecher bei einer oppositionellen Zeitung einzuplanen, von denen es immer weniger gibt“, sagte Özdemir dem „Münchner Merkur“.

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