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Anschlag in Ankara : Selbstmordattentäter soll aus Syrien stammen

  • Aktualisiert am

Der zerstörte Bus wird am Donnerstag vom Anschlagsort in Ankara abtransportiert Bild: dpa

Nach türkischer Darstellung soll ein Syrer mit einer Autobombe 28 Menschen in den Tod gerissen haben - mit Unterstützung kurdischer Organisationen. Die syrische Kurdenpartei PYD und ein PKK-Kommandant dementierten die Vorwürfe.

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          Die türkische Regierung macht die verbotene kurdische Untergrundorganisation PKK und ihren syrischen Ableger YPG für den verheerenden Anschlag von Ankara verantwortlich. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte am Donnerstag, ein 1992 in Syrien geborener Selbstmordattentäter habe die Tat mit Unterstützung der „separatistischen Terrororganisation“ PKK verübt.

          Nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wurden 14 Menschen in Verbindung mit dem Anschlag in der Hauptstadt festgenommen. YPG und PKK dementierten eine Beteiligung an der Tat, bei der der Attentäter mit einer Autobombe 28 Menschen mit in den Tod gerissen hatte. Die Gewalt im Kurdenkonflikt eskalierte unterdessen weiter.

          Premier kündigt Vergeltung an

          Davutoglu kündigte Vergeltung für den Anschlag an. Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Damaskus. „Die YPG ist eine Marionette des syrischen Regimes, und das syrische Regime ist direkt verantwortlich für diesen Anschlag. Wir behalten uns das Recht vor, jede Art von Maßnahme gegen das syrische Regime zu treffen.“ Die Türkei werde den „verräterischen Elementen und Marionetten der äußeren Mächte ohne zu zögern auf härteste Weise entgegentreten“.

          Die syrische Kurdenpartei PYD - deren bewaffneter Arm die YPG ist - wies jede Verantwortung für den Anschlag zurück. „Wir haben keine Verbindungen zu dem, was in der Türkei passiert“, sagte der Ko-Vorsitzende der PYD, Salih Muslim, am Donnerstag. Die türkischen Anschuldigungen seien Teil einer „Eskalationspolitik“ gegen kurdische Parteien.

          PKK-Kommandeur Cemil Bayik sagte der PKK-nahen Agentur Firat zu dem Anschlag: „Wir wissen nicht, wer das getan hat. Es könnte aber ein Vergeltungsschlag für die Massaker in Kurdistan gewesen sein.“ Die Armee geht seit Mitte Dezember mit einer Offensive gegen PKK-Kämpfer vor, die sich in südosttürkischen Städten verschanzt haben.

          Weiterer Anschlag im Südosten des Landes

          Einen Tag nach dem Schweren Anschlag von Ankara mit 28 Toten sind bei einem neuen Angriff auf die türkische Armee im Südosten des Landes mindestens sechs Soldaten getötet worden. Ziel des Anschlags in der Ortschaft Lice in der Provinz Diyarbakir sei am Donnerstagmorgen ein Militärkonvoi gewesen, hieß es aus Kreisen der Sicherheitskräfte. Diese machten die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für den Angriff verantwortlich.

          Die türkische Luftwaffe bombardierte am Mittwochabend Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak, wie der irakische Fernsehsender Al Sumaria berichtete. Unklar war zunächst, ob die Luftschläge im Zusammenhang mit dem Terroranschlag von Ankara standen, zu dem sich zunächst niemand bekannte. Die PKK greift aber immer wieder türkische Sicherheitskräfte an. Sie hat zudem angekündigt, Angriffe auf staatliche Institutionen auszuweiten.

          Ziel des Anschlags im Regierungsviertel Cankaya in der Nähe des Parlaments waren nach Angaben der Armee Busse, die Angehörige der Streitkräfte transportierten. Das Militär bestätigte, dass unter den Toten Soldaten seien, machte aber keine Angaben zu deren Anzahl. Nach Angaben des Provinzgouverneurs detonierte vermutlich eine Autobombe.

          Entsetzen im Ausland

          Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte nach dem Anschlag seinen Besuch in Brüssel zu Gesprächen über die Flüchtlingskrise ab, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Davutoglu wollte am Donnerstag in Brüssel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras zusammenkommen.

          Ein Polizist versucht, den Ort der Explosion abzuriegeln. Bilderstrecke

          Kanzlerin Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier reagierten entsetzt auf den Bombenanschlag. „Die Bundesregierung verurteilt diesen neuerlichen terroristischen Akt auf das Schärfste“, sagte Merkel nach einer Mitteilung des Bundespresseamtes. Auch die EU und Amerika verurteilten die Tat. Das Außenministerium in Washington teilte mit, man bestätige dem Nato-Partner Türkei im Kampf gegen die gemeinsame Bedrohung durch den Terrorismus die starke Partnerschaft beider Länder.

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hofft, dass die Verantwortlichen rasch zur Rechenschaft gezogen würden. „In dieser tragischen Zeit stehen die Vereinten Nationen den Menschen und der Regierung der Türkei solidarisch zur Seite.“

          Nachrichtensperre verhängt

          Die türkische Regierung verhängte aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ eine Nachrichtensperre über den Anschlag, die aber nicht offizielle Verlautbarungen betrifft. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP - der Erdogan eine Nähe zur PKK vorwirft - verurteilte den Anschlag.

          Türkische Sicherheitskräfte sind in den vergangenen Monaten vor allem in der Südosttürkei immer wieder Ziel von Anschlägen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK geworden. Im September starben bei einem PKK-Anschlag im südosttürkischen Ort Daglica 16 Soldaten.

          Die Armee geht seit Mitte Dezember mit einer Offensive gegen PKK-Kämpfer vor, die sich in Städten im überwiegend von Kurden bewohnten Südosten der Türkei verschanzt haben. In mehrere Bezirken gelten seitdem Ausgangssperren. Zuletzt hatte die Armee ihren Einsatz in der Nacht zum Mittwoch auf die Stadt Idil ausgeweitet. Ein mehr als zwei Jahre anhaltender Waffenstillstand zwischen PKK und türkischer Regierung war im Juli gescheitert. Seitdem eskaliert der Konflikt.

          In der Vergangenheit kam es jedoch auch immer wieder zu Anschlägen, die nicht von der PKK verübt wurden, sondern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder linksterroristischen Gruppen angelastet wurden. Im vergangenen Monat riss ein Selbstmordattentäter in Istanbul elf deutsche Touristen mit in den Tod. Die Regierung machte den IS für diese Tat verantwortlich.

          Im Oktober waren in Ankara beim schwersten Anschlag in der jüngeren Geschichte der Türkei mehr als Hundert Menschen getötet worden. Ziel waren damals Teilnehmer einer regierungskritischen Friedensoperation. Die Regierung machte auch dafür den IS verantwortlich.

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