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Türkei : Erdogans redefreie Zeit ist vorbei

Auftritt vor Studenten: Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag in Ankara Bild: Reuters

Bei seinem ersten Auftritt seit der Parlamentswahl hat der türkische Staatspräsident Erdogan alle Parteien zur Kompromissbereitschaft aufgerufen. Er gab sich weniger aggressiv als im Wahlkampf. Angriffe auf „den Westen“ fehlten dennoch nicht.

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          In seiner ersten Rede seit der Parlamentswahl am Sonntag hat sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag in Ankara für eine rasche Regierungsbildung ausgesprochen. Der Wähler habe keiner Partei die absolute Mehrheit im Parlament zugewiesen, stellte Erdogan bei einem Auftritt vor türkischen und ausländischen Studenten fest. Das Wesen einer Demokratie sei es, in einer solchen Lage Lösungen zu finden, sagte Erdogan weiter und forderte Kompromissbereitschaft von den vier ins Parlament gewählten Parteien.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der Auftritt unterschied sich deutlich von den aggressiven Wahlkampfreden, die Erdogan in den vergangenen Wochen im Wahlkampf gehalten hatte. Erdogan sprach weitgehend ruhig und verzichtete fast gänzlich auf Angriffe gegen politische Gegner.

          Am Sonntag hatte Erdogans „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“, die AKP, erstmals in ihrer Geschichte nicht die absolute Mehrheit der Mandate gewonnen. Dadurch rückte auch Erdogans Ziel, die Türkei mithilfe einer neuen Verfassung in eine straff geführte Präsidialrepublik unter seiner Führung umzuwandeln, in weite Ferne. Unter der Kontrolle der AKP stehende Medien bezichtigen seit Tagen nicht näher genannte ausländische Feinde der Türkei, an Erdogans Schwächung zu arbeiten, um auf diese Weise das Land zu destabilisieren.

          Auch Erdogan selbst konnte sich am Donnerstag Seitenhiebe auf „den Westen“ und besonders die westlichen Medien nicht verkneifen, wenn auch deutlich weniger aggressiv als in den vergangenen Wochen. Die Kritik westlicher Medien an ihm, die er im Wahlkampf noch der Lüge und der Islamophobie bezichtigt hatte, nannte Erdogan jetzt nur noch „hässlich“. Andererseits müsste er an sich zweifeln, sollten er von ausländischen Medien gelobt werden, wurde Erdogan zitiert.

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