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Proteste in Istanbul : In die Trauer mischt sich Wut

  • Aktualisiert am

Eine Menschenmenge versammelt sich in Istanbul um den Sarg des am Donnerstag getöteten Ugur Kurt Bild: AFP

Die tödlichen Schüsse auf Ugur Kurt wecken den Zorn Tausender Menschen in Istanbul. „Mörderstaat“, skandieren die Regierungsgegner bei der Beerdigung. Ministerpräsident Erdogan bezeichnete die Demonstranten als Terroristen.

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          Nach schweren Krawallen in Istanbul sind mehr als 10.000 Menschen zu Ehren des getöteten Ugur Kurt auf die Straße gegangen. „Mörderstaat“ und „Ihr seid uns Rechenschaft schuldig“, rief die Menge im Stadtteil Okmeydani, wo der 30-Jährige am Freitagabend beerdigt wurde. Er war als Unbeteiligter am Donnerstag von einer Kugel getroffen worden. Die Proteste, bei denen es ein zweites Todesopfer gab, gingen am Freitag weiter.

          Entzündet hatte sich der jüngste Protest inmitten des Präsidentschaftswahlkampfs am Gedenken an die Aktionen zur Rettung des Gezi-Parks in Istanbul vor einem Jahr sowie an dem schweren Grubenunglück im westtürkischen Soma mit mehr als 300 Toten. Am Donnerstag hatte eine kleine Gruppe in Okmeydani protestiert - später kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, gegen dessen Regierung sich die Proteste vor allem richten, bezeichnete die Demonstranten später in einer Rede als „Terroristen“, die „wie in der Ukraine das Land spalten“ wollten. Er könne die Geduld der Polizeikräfte „nicht verstehen“, sagte der Regierungschef, der am Samstag in Köln eine Rede halten will.

          Nach dem Begräbnis von Ugur Kurt kam es abermals zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei

          Kurt nahm an einer Trauerfeier in der Nähe der Proteste teil und wurde von einer Kugel getroffen, er starb am Donnerstagabend. „Er kam gestern hierher, um jemanden zu beerdigen, und heute wird er selbst beerdigt“, riefen viele Trauernde, als sie am Freitagabend durch Istanbul liefen. Ermittlungen zu den Todesumständen des 30-Jährigen waren im Gange.

          Dem stellvertretenden Regierungschef Bülent Arinc zufolge ging die Polizei in der Nähe der Trauerfeier am Donnerstag mit Tränengas gegen Demonstranten vor und gab Warnschüsse in die Luft ab. Kurt sei offenbar von einer verirrten Kugel getroffen worden. Die Proteste dauerten in der Nacht zum Freitag an. Demonstranten warfen Brandsätze, errichteten Straßensperren und setzten Autoreifen in Brand. Nach Angaben des Istanbuler Gouverneurs Hüseyin Avni Mutlu starb nach der Explosion eines Sprengsatzes in der Nacht zudem ein weiterer Mann am Freitagmorgen an seinen schweren Verletzungen. Bei den Ausschreitungen wurden nach Behördenangaben auch zehn Menschen verletzt, darunter acht Polizisten.

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