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Presse in der Türkei : Regierung stellt auch Nachrichtenagentur unter Kontrolle

  • Aktualisiert am

Die größte Oppositionszeitung „Zaman“ wurde unter Regierungskontrolle gezwungen. Bild: dpa

Nachdem die türkische Regierung die Oppostionszeitung „Zaman“ unter staatliche Aufsicht gestellt hat, ist nun auch die Nachrichtenagentur Cihan an der Reihe. Wieder wurde ein Treuhänder eingesetzt.

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          Nach der regierungskritischen Zeitung „Zaman“ ist in der Türkei auch die mit dem Blatt eng verbundene Nachrichtenagentur Cihan unter staatliche Zwangsaufsicht gestellt worden. Cihan meldete am Montagabend, das Istanbuler Gericht habe dieselben Treuhänder wie bei „Zaman“ ernannt. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu bestätigte, dass Cihan unter Zwangsverwaltung gestellt wurde.

          „Zaman“ – die bislang größte Oppositionszeitung der Türkei – und Cihan gehören beide zum Medienkonzern Feza Gazetecilik, der der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen nahesteht. Der im amerikanischen Exil lebende Gülen war einst Verbündeter von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, hat sich mit ihm aber überworfen. Gülens „Hizmet“-Bewegung wurde in der Türkei zur Terrororganisation erklärt.

          Anadolu meldete, Feza Gazetecilik werde beschuldigt, die „Gülenistische Terrororganisation“ zu unterstützen. Erdogan wirft Gülen vor, Parallelstrukturen im Staat geschaffen zu haben, um ihn zu stürzen. Zaman und das englischsprachige Schwesterblatt „Today’s Zaman“ waren am Freitag unter Zwangsaufsicht gestellt worden. „Zaman“ wurde anschließend auf Regierungslinie gezwungen.

          In der Nacht zu Samstag stürmte die Polizei daraufhin die Redaktion von „Zaman“. Die Zeitung wurde anschließend auf Regierungslinie gezwungen. Die Maßnahme wurde international als abermalige Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei kritisiert. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte dagegen darauf verwiesen, dass es sich um eine Entscheidung der Justiz und nicht seiner islamisch-konservativen Regierung gehandelt habe. Die Regierung weist regelmäßig Vorwürfe zurück, wonach sie die Pressefreiheit einschränken würde.

          Cihan beschäftigt nach eigenen Angaben rund 600 Mitarbeiter. Die Agentur verbreitet Texte, Fotos und Videos.

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