https://www.faz.net/-hox-8jgqj

Nach dem Putschversuch : Mister Gülen aus Pennsylvania

Er soll Erdogan zufolge hinter dem Putsch stecken: Fetullah Gülen auf seinem Anwesen in Pennsylvania am Sonntag. Bild: AP

Nach dem Putschversuch in der Türkei fürchtet Washington Rückschläge im Kampf gegen den IS. Denn die Amerikaner sind auf die Unterstützung Erdogans angewiesen. Der aber will Fetullah Gülen ausgeliefert haben.

          Präsident Barack Obama und sein Außenminister John Kerry brauchten in der Putschnacht nicht lange, um klarzustellen, dass Amerika an der Seite Recep Tayyip Erdogans und der gewählten türkischen Regierung stehe. Dabei sind die Amerikaner schon lange keine großen Anhänger des türkischen Staatspräsidenten mehr. Als Washington vor zwei Jahren seinen Militäreinsatz gegen die Terrormiliz „Islamischen Staat“ (IS) begann, bestand eine unerwartete Hürde darin, dass das Nato-Land Türkei lange zu den Blockierern gehörte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Die größten Spannungen zwischen beiden Ländern bestehen, weil die Amerikaner im Irak und in Syrien kurdische Kämpfer aufrüsten. Erdogan wittert die Gefahr eines Kurdenstaats und Separatismus in der Türkei. Außerdem hatte er lange versucht, den Amerikanern die Einrichtung einer Schutz- und Flugverbotszone in Nordsyrien als Preis für seine Unterstützung abzuringen. Obama kam Erdogan nicht weit entgegen. Es war eher die wachsende Bedrohung der Türkei durch den IS, die Ankara vor einem Jahr bewegte, den Amerikanern die Nutzung des Luftwaffenstützpunkts Incirlik zuzubilligen.

          Von dort aus haben es die Kampfflugzeuge und -drohnen so viel näher zu den Zielen im vom IS beherrschten Gebiet, dass sich die Kampagne seither erheblich intensivierte. Entsprechend groß waren am Wochenende Washingtons Sorgen, als die türkische Regierung den Stützpunkt schloss und abriegelte. „Wir arbeiten mit den Türken, um die Operationen frühestmöglich wieder aufzunehmen“, teilte ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums am Samstag mit.

          Die Verhandlungen mit der Türkei werden schwerer

          Am Sonntag wurde bekannt, dass der türkische Kommandeur von Incirlik zu den Verhafteten gehört, denen die Regierung eine Beteiligung an dem Umsturzversuch unterstellt. Neben Kampfflugzeugen des Typs A10, Kampfdrohnen und Überwachungsflugzeugen hat die amerikanische Luftwaffe in Incirlik auch Tankflugzeuge stationiert. Sie wickeln etwa ein Drittel der Betankungen aller am Kampf gegen den IS beteiligten Flugzeuge ab, was den hohen Stellenwert der türkischen Basis zeigt. Außerdem hat Washington auf einem Stützpunkt in Diyarbakir Spezialkräfte stationiert, die für die Rettung abgeschossener Besatzungen ausgebildet sind. Überdies hoffen die Amerikaner, in der Türkei bald ein modernes Artillerieraketensystem aufstellen zu dürfen.

          Den Politikern in Washington ist bewusst, dass Verhandlungen mit den Türken nun noch schwieriger werden - denn Erdogan verlangt die Auslieferung von Fetullah Gülen. Der Erzrivale des türkischen Präsidenten lebt in Pennsylvania im selbstgewählten Exil. Er hatte 2007 gerichtlich in Philadelphia durchgesetzt, dass er als Gründer von mehr als hundert Privatschulen in den Vereinigten Staaten ein Visum und eine Arbeitsgenehmigung erhält. Die Behörden hatten ihm beides zunächst verweigert.

          Weitere Themen

          Senatorin Warren dominiert TV-Debatte der Demokraten Video-Seite öffnen

          Startschuss für den Wahlkampf : Senatorin Warren dominiert TV-Debatte der Demokraten

          Die amerikanische Senatorin Elizabeth Warren dominiert die erste TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber. Die linksgerichtete Politikerin, die in Umfragen im demokratischen Bewerberfeld auf dem dritten Platz liegt, konnte dabei ihren Status als eine der Favoritinnen festigen.

          Politik in 60 Sekunden

          Diskussion der Demokraten : Politik in 60 Sekunden

          Die Kandidaten der Demokraten sind zur ersten Fernsehdebatte angetreten – die Masse der Bewerber machte eine Auseinandersetzung um politische Inhalte fast unmöglich.

          Tausende protestieren in Hongkong Video-Seite öffnen

          Gegen Abschiebungsgesetz : Tausende protestieren in Hongkong

          In Hong Kong protestierten Tausende vor ausländischen Botschaften. Sie hoffen, dass sich ausländische Regierungen auf dem G20 Gipfel gegen das geplante Auslieferungsgesetz aussprechen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.