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Nach dem Attentat in Ankara : Proteste gegen Erdogan nach Terror in Ankara

  • Aktualisiert am

Demonstranten in Istanbul nach dem Anschlag in Ankara, der mindestens 86 Menschenleben forderte. Bild: AFP

Nach dem Attentat in der türkischen Hauptstadt mit mindestens 95 Toten demonstrieren in Istanbul Tausende gegen die Staatsführung. Die Regierung spricht von zwei Selbstmordattentätern, die Kurdenpartei HDP macht Präsident Erdogan für den Anschlag verantwortlich.

          Nach dem blutigen Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind tausende Menschen in Istanbul und anderen Städten des Landes auf die Straße gegangen. Die etwa 10.000 Demonstranten im Zentrum von Istanbul machten Präsident Recep Tayyip Erdogan für den Anschlag auf eine geplante Friedenskundgebung mitverantwortlich, bei dem nach am späten Samstagabend aktualisierten Angaben des Büros von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu mindestens 95 Menschen getötet und 246 weitere verletzt worden waren. Von ihnen lägen 50 Menschen noch auf der Intensivstation eines Krankenhauses von Ankara. Nach Einschätzung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, die sich selbst als das Ziel des Anschlags sieht, kamen 97 Menschen ums Leben.

          Die Polizei begleitete die Proteste mit einem massiven Aufgebot, schritt aber nicht ein. Weitere Demonstrationen fanden in Diyarbakir, Izmir, Batman, Urfa und Van statt. Bei der Kundgebung im vorwiegend von Kurden bewohnten Diyarbakir soll es unterdessen zu Ausschreitungen gekommen sein, die Polizei setzte Tränengas ein.

          „Starke Hinweise“ auf Selbstmordattentäter

          Derweil haben sich nach Angaben der türkischen Regierung die Hinweise auf Selbstmordattentäter als Urheber des schwersten Terroranschlag in der jüngeren Geschichte der Türkei verdichtet. „Es gibt sehr starke Hinweise darauf, dass dieser Anschlag von zwei Selbstmordattentätern verübt worden ist“, sagte Ministerpräsident Davutoglu am Samstagabend. Als mögliche Urheber des Anschlags nannte der Regierungschef die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), zwei linksextremistische Terrorgruppen – und auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Mutmaßungen, dass die PKK einen Anschlag auf eine pro-kurdische Demonstration wie die in Ankara verübt, erscheinen allerdings extrem unwahrscheinlich. Davutoglu kündigte zudem eine dreitägige Staatstrauer an.

          Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte: „Ich verurteile diesen abscheulichen Angriff zutiefst, dessen Ziel die Einheit, Solidarität und der Frieden unseres Landes gewesen ist.“ Erdogan versprach eine Aufklärung des Anschlags, zu dem sich bislang jedoch niemand bekannte. Zu der Bluttat kam es drei Wochen vor Neuwahlen für das Parlament.

          Der HDP-Vorsitzende, Selahattin Demirtas, machte die islamisch-konservative Staatsführung für die Tat verantwortlich. „Das ist kein Angriff auf die Einheit unseres Landes oder dergleichen, sondern ein Angriff des Staates auf das Volk“, sagte er. „Auch dieser Vorfall wird nicht aufgeklärt werden.“

          Demirtas kritisierte, die AKP-Regierung habe weder den Anschlag auf pro-kurdische Aktivisten im Juli im südtürkischen Suruc noch den auf eine HDP-Wahlveranstaltung im Juni in der Kurdenmetropole Diyarbakir aufgeklärt. Den Anschlag in Suruc mit 34 Toten hatte die Regierung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zugeschrieben, die sich aber nie zu der Tat bekannt. Kurz nach dem Anschlag eskalierte der Konflikt zwischen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Regierung, der seit Juli Hunderte Menschen das Leben kostete.

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