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Erdogans Türkei : Dem Sultan gefällt’s

Die Begeisterung hielt sich bei diesem Staatsbesuch in engen Grenzen: Bundespräsident Joachim Gauck und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Montag in Ankara Bild: AP

Bundespräsident Gauck hat ins Schwarze getroffen, als er in der Türkei Demokratiedefizite beklagte. Das hat sich bei den neuen Demonstrationen auf dem Taksim-Platz in Istanbul wieder gezeigt. Ein Kommentar.

          1 Min.

          Dass Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner höflich formulierten Kritik an den Demokratiedefiziten der Türkei ins Schwarze getroffen hat, das war am 1. Mai in den Straßen Istanbuls zu sehen – und für die Teilnehmer der Kundgebungen auch zu spüren. Die Polizei hatte schon am Vorabend den Taksim, den wichtigsten Platz der Türkei, abgeriegelt, und am 1. Mai drosch sie wieder mit der ihr eigenen Brutalität auf die Kritiker des Systems Erdogan ein, die sich trotz aller Verbote den Kundgebungen angeschlossen hatten.

          Der Umgang mit Demonstranten ist nur ein Hinweis darauf, dass die Türkei immer autoritärer wird und nicht demokratischer. Ein anderes schlechtes Zeichen geben die Medien ab. Anstatt sich an der Aufklärung der gegen Erdogan gerichteten Korruptionsvorwürfe zu beteiligen, greifen die vom Ministerpräsidenten hörig gemachten Medien dessen Maßregelung Gaucks auf. Erdogan hatte den Bundespräsidenten in seiner Wutrede einen „Ordensbruder“ (rahip) genannt. Darauf titelten einige von Erdogans Medien neben Gaucks Bild „Deutschlands Imam“.

          So gefällt’s dem Sultan. Dabei geht Erdogans rüpelhaftes Machogehabe der Welt immer mehr auf die Nerven. Für sich reklamiert er als selbstverständlich, nach Deutschland zu kommen, um Wahlkampf zu machen. In wenigen Wochen wird das wieder in Köln der Fall sein. Vielleicht macht er dann Wahlkampf in eigener Sache. Denn im August wählt die Türkei einen Staatspräsidenten, Erdogan könnte kandidieren. Sollte er Erfolg haben, könnte er bei Gauck lernen, wie man sich als Präsident eines Landes verhält.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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