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Flucht vor Erdogans Rache : Türkische Soldaten bitten Griechenland um Asyl

Asyl beantragt: Zwei der nach Griechenland geflohenen acht türkischen Soldaten werden dem Staatsanwalt in Alexandroupoli vorgeführt. Bild: AFP

Bevor der Putsch niedergeschlagen wurde, konnten acht türkische Soldaten mit einem Militärhubschrauber nach Nordgriechenland fliehen. Während Präsident Erdogan die schnelle Auslieferung der „Verräter“ verlangt, haben die Männer Asyl beantragt.

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          Acht türkische Soldaten, die am Samstag in einem Militärhubschrauber nach Griechenland geflüchtet waren, sind am Sonntag in der nordgriechischen Stadt Alexandroupoli der Staatsanwaltschaft vorgeführt worden.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die Männer haben in Griechenland Antrag auf politisches Asyl gestellt. Griechische Medien zitierten eine Anwältin, die einige der türkischen Asylsuchenden vertritt, mit der Aussage, ihren Mandanten werde eine Schädigung der griechisch-türkischen Beziehungen, ein Verstoß gegen das Luftverkehrsgesetz sowie illegale Einreise vorgeworfen.

          Illegale Einreisen aus der Türkei ist Griechenland eigentlich gewohnt, kamen sie doch bis zur Schließung der Balkan-Route und dem Flüchtlingsabkommen im Frühjahr hundertausendfach vor. Doch es gibt wichtige Unterschiede zwischen den acht Türken und den mehr als 50.000 Asylsuchenden, die sich nach der Schließung der Balkan-Route noch in Griechenland aufhalten.

          Der wichtigste besteht darin, dass die anderen nicht mit dem Hubschrauber einreisten und auch nicht von dem türkischen Staatspräsidenten Tayyip Erdogan beschuldigt werden, an einem Putsch gegen ihn teilgenommen zu haben.

          Die Türkei fordert nun die umgehende Auslieferung der „Verräter“. Am Samstag hatte Erdogan deswegen den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras angerufen und der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu den griechischen Außenminister Nikos Kotzias. Cavusoglu behauptete danach auf Twitter, Kotzias habe ihm zugesagt, Griechenland werde die acht „Verräter“ an die Türkei ausliefern.

          In Athen verweist man dagegen auf die Rechtslage, die eine Prüfung der Anträge vorgibt. Die staatliche griechische Nachrichtenagentur Ana zitierte Kotzias mit der Aussage, während man die Angelegenheit im Rahmen des griechischen und internationalen Rechts verfolge, werde man die den Männern in ihrer Heimat gemachten Vorwürfe stets im Blick haben.

          Das kann in dieser Formulierung freilich auch das Gegenteil von dem heißen, was Erdogan will. Tsipras sagte, man werde die Fälle „rasch“, aber „mit absolutem Respekt“ für die Rechtslage prüfen.

          Tsipras droht Ärger mit Erdogan

          Auch eine Regierungssprecherin blieb vage. Am Samstagmorgen sei ein türkischer Militärhubschrauber in den griechischen Luftraum eingedrungen und habe um die Erlaubnis zu einer Notlandung gebeten, beschrieb sie die Ausgangslage.

          Nach der Landung seien die Insassen sofort verhaftet worden. Man werde sich in ihrem Fall an das Völkerrecht halten. Die Tatsache, dass die Männer in der Türkei verdächtigt werden, an einem Umsturzversuch beteiligt gewesen zu sein, werde man dabei „sehr ernsthaft“ bedenken.

          Der Regierung Tsipras könnten die unbequemen Flüchtlinge aus der Türkei noch viel Ärger einbringen, denn Erdogan ist es nicht gewohnt, seine Wünsche unerfüllt zu sehen. Andererseits reagiert die Chefin der griechischen Asylbehörde, Maria Stavropoulou, unwirsch auf Versuche, ihrer Behörde politische Vorgaben zu machen.

          Wie wird die Behörde nun im Fall der türkischen Antragsteller entscheiden, für die die Türkei kein Drittstaat, sondern ein Herkunftsstaat ist – und angesichts der aufkeimenden Diskussion über eine Wiedereinführung der Todesstrafe für Putschisten wohl kein sicherer?

          Die Anwältin der Männer sagte, das Verfahren zur Prüfung der Asylanträge könne „unter normalen Umständen“ ein Jahr dauern, und fügte hinzu: „Sicher ist, dass sie nicht zurück in die Türkei wollen. Sie haben Angst vor einer Exekution.“

          Ihre Mandanten hätten mit dem Putsch nichts zu tun. „Sie waren in Istanbul, um Verwundete zu transportieren. Sie wussten nicht, was genau geschah.“ Als sie von der Polizei beschossen worden seien, hätten sie sich zur Flucht entschlossen.

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