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Vor Erdogan-Auftritt in Köln : Weiterer Toter bei Protesten in Istanbul

  • Aktualisiert am

Protest in Istanbul: Die Polizei setzt im Viertel Okmeydani Wasserwerfer gegen Demonstranten ein Bild: AFP

In der Türkei ist ein weiterer Mann nach Zusammenstößen zwischen Polizei und Regierungsgegnern gestorben. In Köln formiert sich weiter Widerstand gegen den geplanten Auftritt Erdogans. Ankara kritisiert, dass Köln Gegendemonstrationen zulässt.

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          Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) hat seine Forderung an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan bekräftigt, den Auftritt in Köln abzusagen. Der Zeitpunkt sei sehr ungeeignet, sagte Roters am Freitag. Der türkische Regierungschef solle sich zunächst um die Folgen des Grubenunglücks kümmern und dafür sorgen, dass die demokratischen Grundstrukturen in seinem Land erhalten blieben. „Wir sehen zunehmend Konflikte innerhalb der Türkei. Und ich habe die Befürchtung, dass diese Konflikte in unser Land und auch nach Köln übertragen werden“, sagte Roters.

          Trotz der Kritik aus Deutschland will Erdogan am Samstag in der Kölner Lanxess-Arena auftreten. „Wir gehen dorthin“, sagte Erdogan am Freitag bei einer Rede vor Provinzpolitikern in Ankara. Nach dem Grubenunglück in Soma sei ihm davon abgeraten worden, nach Deutschland zu reisen. „Ich habe dort drei Millionen Staatsbürger, natürlich gehe ich nach Deutschland“, sagte Erdogan vor laufenden Fernsehkameras. Der Regierungschef will am Samstagabend in der Kölner Lanxess-Arena reden. Er selbst sprach am Freitag von 15.000 in der Arena erwarteten Anhängern. Zehntausende Menschen wollen gegen den Auftritt demonstrieren.

          Geschlossene Reihen: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an diesem Freitag bei einem Treffen der AKP in Ankara
          Geschlossene Reihen: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an diesem Freitag bei einem Treffen der AKP in Ankara : Bild: AFP

          Die türkische Regierung bemängelt einem Zeitungsbericht zufolge, dass Gegendemonstrationen beim Auftritt von Erdogan in Köln zugelassen werden. Es sei „besorgniserregend“, dass die deutschen Sicherheitsbehörden während Erdogans Aufenthalt in der Domstadt acht verschiedene und zum Teil gegen den Regierungschef gerichtete Kundgebungen genehmigt hätten. Das berichtete die regierungsnahe türkische Zeitung „Yeni Safak“ am Freitag unter Berufung auf Regierungsquellen in Ankara. Es drohe eine „Falle“ für Erdogan. Anlass der Rede ist das zehnjährige Gründungsjubiläum der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die Erdogans Regierungspartei AKP unterstützt.

          Türkischer Wahlkampf

          Erdogans Rede hat große Bedeutung mit Blick auf die türkische Präsidentschaftswahl im August, weil die rund anderthalb  Millionen türkischen Wähler in Deutschland zum ersten Mal in der Bundesrepublik ihre Stimme abgeben dürfen. Der 60 Jahre alte Ministerpräsident gilt als Favorit für die Wahl, auch wenn er seine Kandidatur noch nicht offiziell erklärt hat.

          In „Yeni Safak“ hieß es, Ankara befürchte, dass Erdogan von deutscher Seite für eventuelle Ausschreitungen am Rande seiner Rede verantwortlich gemacht werden solle. Selbst „anti-islamischen Gruppen“ seien Demonstrationen erlaubt worden.

          Weiterer Toter bei Zusammenstößen in Istanbul

          In der Türkei ist unterdessen ein weiterer Mensch nach Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gestorben. Wie der Gouverneur von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, am Freitag mitteilte, starb der Mann an Verletzungen, die er in der Nacht bei Protesten in der türkischen Metropole erlitten hatte. Am Donnerstagabend war bereits ein Mann gestorben, der bei einer Beerdigung in der Nähe einer Demonstration von einer Kugel in den Kopf getroffen worden war.

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