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Erdogan im RTL-Interview : Enttäuscht von Europa, begeistert von Russland

  • Aktualisiert am

Erdogan während seines Besuchs in Russland Bild: AP

Im Interview mit RTL zeigt sich der türkische Präsident enttäuscht über Europas Politiker. Derweil betont er die Beziehung zu Russland - und erklärt, warum er vor der deutschen Justiz keinen Respekt hat.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich verärgert über Europa geäußert und zugleich eine neue Phase „begeisterter“ Zusammenarbeit mit Russland angekündigt. Nach dem Putschversuch im Juli seien kaum westliche Politiker in die Türkei gereist. Darüber sei er „ein bisschen verärgert“, sagte er dem Sender RTL am späten Donnerstagabend in Ankara. „Das bedauern wir, dass das so ist“, sagte er nach einer Übersetzung des Senders. Einmischungen in die Angelegenheiten der Türkei verbat er sich: „Man sollte eigentlich uns überlassen, wie wir unser inneres Recht entsprechend auch vollziehen.“

          In der Ex-DDR seien nach der Wiedervereinigung auch Tausende entlassen worden, rechtfertigte Erdogan die Entlassung oder Festnahme von etwa 60.000 Menschen seit dem Putschversuch.

          In Bezug auf eine mögliche Wiedereinführung der Todesstrafe, bekräftigte Erdogan seine Position: Wenn das Parlament solch einen Entschluss fassen sollte, werde er ihn ratifizieren. Zudem gelte in vielen außereuropäischen Ländern die Todesstrafe, sei es Amerika, Indien oder China: „Warum interessiert sich Europa diesbezüglich so für die Türkei? In der Türkei hat das türkische Volk sein eigenes Schicksal zu bestimmen.“

          Beim umstrittenen Flüchtlingspakt mit der EU müsse es ein Geben und Nehmen geben. Die von der Türkei zugesagte Rücknahme von syrischen Flüchtlingen aus Griechenland werde nur möglich, wenn zugleich den Türken Visafreiheit für die EU gewährt werde. „Das sind natürlich gleichzeitig zu tätigende Schritte“, sagte Erdogan.

          Auch müssten die von der EU zugesagten drei Milliarden Euro für die drei Millionen Flüchtlinge in der Türkei endlich fließen. Hinsichtlich der stockenden EU-Beitrittsverhandlungen zeigte sich Erdogan enttäuscht, doch noch bleibe man auf türkischer Seite geduldig.

          Kein Respekt vor der deutschen Justiz

          Im RTL-Interview kritisierte Erdogan auch die untersagte Live-Schalte während der Groß-Demonstration Ende Juli in Köln. Erdogan hatte per Video-Leinwand live zu den Demonstranten sprechen wollen. Das Bundesverfassungsgericht hatte den Auftritt jedoch verboten. Er glaube nicht an die deutsche Justiz und habe auch keinen Respekt vor ihr in diesem Zusammenhang, so Erdogan gegenüber RTL.

          Mit der Nato habe die Türkei derweil keine Probleme, fühle sich aber angesichts der Angriffe aus Syrien „im Stich gelassen“. Einen kurdischen Staat im Norden Syriens werde die Türkei auf keinen Fall akzeptieren, warnte Erdogan.

          Zu seinem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin am Dienstag in Sankt Petersburg betonte Erdogan, es sei ihm darum gegangen, etwas wiedergutzumachen. „Wir wollen militärisch, politisch, wirtschaftlich, kulturell, im Tourismusbereich, in verschiedenen Bereichen, mit einer neuen Begeisterung diese Phase neu beginnen“, sagte Erdogan.

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