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Die Türkei und der IS-Terror : Rückzugsort für Dschihadisten

Die IHH ist eine Organisation mit großer Nähe zum islamistischen AKP-Flügel. Sie organisierte einst die Gaza-Hilfsflotte. Derzeit ist sie im türkisch-syrischen Grenzgebiet sehr aktiv. Dort verteilt sie Essen an Bedürftige. Aber Fotos zeigen, dass es Aktivisten in ihren Reihen gibt, die dschihadistische Kämpfer in Syrien mit Hilfslieferungen unterstützen. Die Übergänge zwischen den Milieus sind ebenso fließend wie jene zwischen Not- und Waffenhilfe.

Die Provinzhauptstadt Hatay ist einer der Orte, die als Knotenpunkt für Syrien-Logistik aller Art gelten. „Früher“, sagt Murad Ucar, ein hoher Funktionär der örtlichen Verwaltung, „da saßen die Dschihadisten und die Journalisten in dem Café dort und haben sich gegenseitig beäugt.“ Er weist auf das andere Ufer des Orontes, hinter dem sich die Altstadt von Hatay an den Hang schmiegt. Der Ort ist schon lange in den Sog des Krieges geraten, der jenseits der Berge tobt. Auch die Restaurantterrasse, von der Ucar das Treiben auf der Straße beobachtet, ist eine beliebte Kontaktbörse. „Wir konnten genau beobachten, wie die Kommandeure über die Grenze sind“, sagt er. Inzwischen sei das aber anders.

„Es gibt immer mehr Spannungen“

Ucar ist der Büroleiter des Verwaltungschefs von Hatay, Lütfü Savas. Der hat ein kleines politisches Wunder geschafft: Vor etwa einem halben Jahr gab es hier einen Machtwechsel, seither hat die CHP das Sagen. Es verwundert natürlich nicht, dass sein Bürochef Ucar auf die AKP-Regierung in der Hauptstadt und die Vorgängerregierung in seiner Stadt schimpft. Auch für die Sicherheitsbehörden, die unabhängig von der Verwaltung agierten, hat er kein Lob übrig. „Was die wissen, kommt bei uns nicht an“, sagt er und erzählt mit einem Grinsen die Geschichte, wie sein Chef, Bürgermeister Lütfü Savas, sich unlängst geweigert habe, die Wasserwerfer der Polizei für den Einsatz gegen aufgebrachte Demonstranten mit städtischem Wasser zu befüllen.

Doch die Lage ist ernst, daraus macht auch Ucar keinen Hehl. Die Stadt könne die Last des Krieges in Syrien nicht mehr tragen, sagt er. Er habe Angst, dass die Stimmung kippt – und die Stimmung ist schon schlecht. „Die Ressourcen der Stadt sind auf etwa 450.000 Menschen ausgelegt“, sagt er. Jetzt kämen aber rund 150.000 Syrier hinzu. „Unser Wasser ist knapp“, sagt Ucar. Und die Arbeitslosigkeit und der soziale Druck seien schon ohne die Gäste aus dem Nachbarland enorm gewesen. „Es gibt immer mehr Spannungen“, sagt Ucar, und sein Mitarbeiter fügt an: „Sie schlafen tagsüber, wenn wir arbeiten, und nachts sind sie aktiv.“ Es bleibt offen, ob er mit dieser Bemerkung nur auf den anderen Lebensrhythmus der Syrer in Hatay anspielt, oder auf nächtliche Aktivitäten der islamistischen Kämpfer.

„Wir gehen gegen die Islamisten vor“, sagt Ucar. Es gebe auch einen runden Tisch der „demokratischen Kräfte in der Stadt“ zu diesem Thema. „Aber wir können nicht verhindern, dass sie anreisen“, gibt er zu. Er wirkt ratlos. „Auch die Regierung in Ankara ist nervös und ratlos“, sagt er. „Genauso wie die Leute hier: Sie haben Angst, dass alles explodiert.“

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