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Die Türkei und der IS-Terror : Rückzugsort für Dschihadisten

Doch die rigorosen Dementis der Fatma Sahin klingen zweifelhaft. Die Region um Gaziantep gilt als Rückzugsgebiet und Umschlagplatz für radikale Islamisten von den syrischen Schlachtfeldern. Auch die Spuren deutscher Extremisten führen in das hügelige, ockerfarbene Grenzland. Die Stadt selbst wird in Internetforen der Szene immer wieder als Anlaufstelle genannt. Nach gemeinsamen Recherchen von ARD und dieser Zeitung wurde der Dinslakener Dschihadist Phillip B. von den deutschen Sicherheitsbehörden in einem Ort südlich von Gaziantep geortet. Er soll dort mit seinen Kumpanen ein sogenanntes sicheres Haus als Rückzugsort gehabt haben – es ist ein Anwesen, das nicht übermäßig vor den Blicken der Anwohner geschützt ist. Phillip B. soll inzwischen als Selbstmordattentäter für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak sein Leben gelassen haben.

Und auch die Berichte über das islamistische Privatlazarett im Zentrum von Gaziantep scheinen nicht ganz so aus der Luft gegriffen zu sein, wie es die Verwaltungschefin der Stadt behauptet. Aus den deutschen Sicherheitsbehörden ist zu hören, dass es solche Einrichtungen entlang der Grenze gebe. Es spreche einiges dafür, dass der frühere Gangsterrapper Denis Cuspert, der sich dem IS angeschlossen hat und inzwischen einer der Stars der deutschen Dschihadistenszene ist, nach einer Verwundung in Reyhanli behandelt worden sei, heißt es von Geheimdienstmitarbeitern.

Die Klinik in Gaziantep, deren Existenz die AKP-Verwaltungschefin bestreitet, gibt es dort nicht mehr. Aber das Bild- und Tonmaterial des türkischen Journalisten, der den Bericht vor einigen Wochen veröffentlicht hat, lassen wenig Zweifel daran, dass sie existierte. Fotos zeigen Kämpfer der Tauhid-Brigade, deren Hochburg das syrische Aleppo ist. Sie ist eine der moderateren Islamistenmilizen in der unter saudischer Regie gegründeten „Islamischen Front“, der sich aber auch Al-Qaida-nahe Gruppen angeschlossen haben. Ein Mitarbeiter der islamistischen Hilfsorganisation Imkander, die auch im Visier deutscher Terrorfahnder ist, preist nach dem Bericht die „Unterstützung“ und „Toleranz“ der türkischen Regierung und sagt, er hoffe, dass Gott sie dafür segnen werde.

„Die haben mit Al Qaida nichts zu tun“

Inzwischen ist der Mann zugeknöpfter. Interviewanfragen lehnt er ab und dementiert, solche Aussagen getätigt zu haben. Doch es gibt eine Tonbandaufnahme mit seiner Stimme, auf der er freimütig sagt, dass Imkander in Gaziantep ein Rehabilitationszentrum für 75 Patienten betreibe. „Das sind alles Gotteskrieger der Islamischen Front, die haben mit Al Qaida nichts zu tun“, sagt die Stimme, die so etwas nicht gesagt haben will. Diese Stimme beklagt auch die Lügen interessierter Kreise über ihre wahren Absichten. „Ich war mal bei der IHH. Die haben behauptet, die IHH transportiere in ihren Krankenwagen Waffen. Das sind alles Lügen. Die setzen mit manipulierten Bildern solche Lügen in die Welt.“

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