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Die Türkei und der IS-Terror : Rückzugsort für Dschihadisten

Tamar Apis trägt seine Entschlossenheit wie einen Schild vor sich her. Er ist ein lautstarker Kritiker der Erdogan-Regierung. Ein hagerer Mann mit einem schmalen Gesicht, dem man seine kurdische Herkunft ansieht. Er ist der Vorsitzende der CHP in Reyhanli, der stärksten unter den machtlosen türkischen Oppositionsparteien. Mehrmals sei er vom Geheimdienst zum Verhör bestellt worden, man habe ihm die Steuerfahndung auf den Hals gehetzt, um ihn zu beschäftigen und mundtot zu machen, sagt er. Es sei sogar auf ihn geschossen worden. „Aber ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen.“

Waffen kann man auf dem Basar kaufen

In Reyhanli hat sich vor gut anderthalb Jahren alles verändert. Am 11. Mai 2013 detoniert eine Autobombe im Herzen der Stadt. Es werden 51 Menschen getötet, mehr als 140 weitere verletzt. Die Regulierungsbehörde für den Rundfunk verhängt eine Nachrichtensperre. Über den Vorfall soll nicht berichtet werden. Tamar Apis und seine Mitstreiter zeigen verwackelte Smartphone-Videos. Bilder von Tod, Rauch, Chaos und Angst. Das Gebäude, das durch die Bombe in Schutt und Asche gelegt wurde, ist weitgehend wieder aufgebaut. Ein paar syrische Tagelöhner hocken dort im Schatten. Die Wunden, die die Explosion gerissen hat, sind noch lange nicht verheilt. Angst und Misstrauen spiegeln sich in den argwöhnischen Blicken auf Ausländer.

Tamar Apis ist bekannt in den Straßen von Reyhanli. Der Politiker mischt sich gern unters Volk, er will nach der kommenden Parlamentswahl als Abgeordneter in die Hauptstadt ziehen. Auf dem Basar kann man noch immer Uniformteile und Waffen kaufen. Lastwagen mit syrischen Flüchtlingskindern rollen ebenso durch das Stadtzentrum wie Autos mit arabischen Kennzeichen und verdunkelten Scheiben. In dem Café an der Straße in Richtung Grenze hatte ein Kämpfer der unter dem Banner von Al Qaida kämpfenden Nusra-Front gegenüber dem ARD-Magazin Report München noch vor Monaten großzügig Auskunft über seinen Syrien-Einsatz gegeben. „Der Laden gehört einem Syrer“, sagt Tamar Apis. Da träfen sich noch immer zwielichtige Gestalten. „Es wäre schon viel gewonnen, wenn man die Grenze hier wirklich schließen würde“, sagte er.

Im modernen Sitz der Verwaltungschefin von Gaziantep, einem wichtigen Wirtschaftszentrum im Grenzgebiet, etwa zwei Stunden Autofahrt von Reyhanli entfernt, klingt das alles ganz anders. Fatma Sahin ist eine AKP-Politikerin der ersten Stunde, sie trägt kein Kopftuch, eine Brille mit wuchtigem Rahmen und ein schlichtes Kostüm. Ihr geräumiges Büro ziert ein gemeinsames Bild mit dem Ehepaar Erdogan. „Die Europäer sollten aufhören, uns zu kritisieren“, sagt sie. Es ist die in immer gleiche Phrasen gestanzte Regierungslinie, die sie verkündet. „Mehr Empathie für unsere Probleme“ verlangt sie, eine „konstruktive Herangehensweise“. Die Opfer – die das Land etwa mit Blick auf die Flüchtlinge zweifellos auf sich nimmt – sollten gewürdigt werden.

Zweifelhafte Dementis

Die Berichte über die diskrete Unterstützung islamistischer Kämpfer durch die Regierung seien alle falsch. Auch jene über eine Privatklinik für islamistische Rebellen in Gaziantep? Der Sicherheitsgouverneur habe doch umgehend klargestellt, dass es die Klinik nicht gebe – und die Fotos nicht aus Gaziantep seien, sondern Fälschungen.

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