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Türkei : 86 Tote bei Anschlag auf Demonstranten in Ankara

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Was die in Ankara getöteten Demonstranten forderten, steht auf dem Schild: „Frieden, jetzt sofort“ Bild: AP

Nach dem Terroranschlag auf eine regierungskritische Friedensdemonstration steigt die Zahl der Todesopfer weiter. Fast zweihundert sollen verletzt worden sein. Die Polizei schoss in die Luft, als ihr wütende Demonstranten Mord vorwarfen. 

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          In Ankara herrschen Trauer und Entsetzen nach den blutigen Anschlägen auf eine regierungskritische Demonstration. Nach jüngsten Meldungen des türkischen Gesundheitsministers wurden 86 Menschen getötet, 186 Personen wurden bei der Explosion verletzt. Die Sprengladung detonierte vor dem Bahnhof „Ankara Tren Gari“, dem zentral gelegenen Fernbahnhof der Hauptstadt.

          Laut Innenministerium war es um 10.04 Uhr (Ortszeit/09.04 MESZ)vor dem Hauptbahnhof in Ankara zu mindestens zwei Explosionen gekommen. Teilnehmer der Demonstration waren dazu aufgerufen gewesen, sich ab 10.00 Uhr am Bahnhof zu versammeln. Die Demonstration sollte um 12.00 Uhr beginnen. Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, es gebe erste unbestätigte Berichte, dass es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt haben könnte.

          Nach dem Anschlag ging die türkische Polizei gegen wütende Demonstranten vor. Polizisten schossen in die Luft, um protestierende Demonstranten auseinanderzutreiben, wie ein AFP-Reporter am Samstag aus der türkischen Hauptstadt berichtete. Wütende Demonstranten riefen „Polizei Mörder!“, bevor sie von der Polizei vertrieben wurden.

          Zu dem Protestmarsch hatte die linke Opposition in der Türkei aufgerufen, zu den Veranstaltern zählte auch die Kurdenpartei HDP. Das Unglück ereignete sich nur wenige Wochen vor den geplanten Parlamentswahlen im November, bei denen die Partei von Staatschef Erdogan wieder stärkste Kraft und die HDP aus dem Parlament drängen will. Wenige Stunden nach dem Anschlag ließ ein Sprecher der verbotenen kurdische Arbeiterpartei PKK verlauten, dass sie weitere Angriffe bis zur Parlamentswahl aussetzen wolle. Bedingung sei, „dass keine Angriffe gegen die kurdische Bewegung, das Volk und Guerillakräfte ausgeführt werden“, hieß es in einer am Samstag über kurdische Nachrichtenagenturen verbreiteten Erklärung der PKK-Führung.

          In der Türkei war in den vergangenen Monaten der Konflikt zwischen Regierung und den kurdischen Rebellen wieder eskaliert. Bei PKK-Anschlägen wurden zahlreiche türkische Polizisten und Soldaten getötet. Die türkische Armee wiederum bombardierte Stellungen der PKK im Nordirak. Die islamisch-konservative Regierung wirft der Kurdenpartei HDP vor, die PKK zu unterstützen.

          Der Ko-Vorsitzende der Kurdenpartei HDP hat den Anschlag in Ankara in eine Reihe mit Anschlägen auf ähnliche Veranstaltungen in diesem Jahr gestellt. "Das ist eine Fortsetzung der Art von Anschlägen wie in Diyarbakir und Suruc", sagte Demirtas am Samstag in Ankara. Er bezog sich auf den Anschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung seiner Partei vor der Parlamentswahl am 7. Juni, bei dem in der südosttürkischen Stadt Diyarbakir vier Menschen getötet wurden, sowie auf den Selbstmordanschlag im südtürkischen Suruc, bei  dem im Juli 32 prokurdische Aktivisten getötet wurden. Mutmaßlich soll der Islamische Staat (IS) Drahtzieher jener Anschläge sein.

          Demirtas äußerte Zweifel, dass die türkische Regierung von dem Anschlag in Ankara überrascht wurde. "Ist es möglich, dass ein Staat mit so einem starken Geheimdienstnetzwerk im Vorfeld keine Informationen über den Anschlag hatte?", fragte er und  äußerte sich entsprechend über die Attentate von Diyarbakir und Suruc.

          Anadolu berichtete, Präsident Recep Tayyip Erdogan sei mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und anderen Kabinettsmitgliedern zu einem Krisentreffen zusammengekommen. Davutoglu kündigte an, den Wahlkampf für drei Tage auszusetzen. In der Türkei sind für den 1. November Neuwahlen für das Parlament angesetzt.

          Claudia Roth (Bündis 90/Grüne), Vizepräsidentin des Bundestages, drückte ihre Anteilnahme aus. „Wir trauern um die Opfer in Ankara“, heißt es in einer von ihr verbreiteten Erklärung. Die indirekte Schuld an dem Unglück weist sie dem türkischen Präsidenten Erdogan zu, der ein „Klima des Hasses, der Stimmungsmache, der Entrechtung der Bürger und der Einschränkung der Pressefreiheit“ geschaffen habe.

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