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Krieg in Syrien : Türkei meldet weitere Luftraumverletzung 

  • Aktualisiert am

Russische Kampfflugzeuge vom Typ Su-27 waren schon im Juni Nato-Luftraum über der Ostsee nahe gekommen. Bild: Reuters

Moskau hat eingeräumt, dass ein russisches Kampfflugzeug am Wochenende in den Luftraum des Nato-Partners Türkei eingedrungen ist. Ankara zufolge hat es einen weiteren Vorfall gegeben. 

          Die Türkei hat eine weitere Verletzung des heimischen Luftraums durch ein russisches Kampfflugzeug gemeldet. Ein Vertreter des türkischen Außenministeriums sagte am Montag, der Vorfall habe sich bereits am Sonntag ereignet. Deswegen sei erneut der russische Botschafter einbestellt worden.

          Nach früheren Angaben des Nato-Mitglieds Türkei war bereits am Samstag ein russischer Kampfjet an der Grenze zu Syrien über türkisches Gebiet geflogen. Am Montagabend hatte die Regierung in Moskau eingeräumt, dass ein russisches Kampfflugzeug am Wochenende in den türkischen Luftraum eingedrungen ist. Der SU-30-Jet habe sich lediglich wenige Sekunden über türkischem Gebiet befunden, erklärte das Verteidigungsministerium am Montag. Die russische Luftwaffe fliegt seit der vergangenen Woche Luftangriffe, um der Armee von Syriens Machthaber Baschar al-Assad „im Kampf gegen Terroristen sowie radikale Organisationen“ zu helfen.

          Bevor die russische Regierung das Eindringen eingestand, hatte die Nato ihren „starken Protest“ gegen Moskau zum Ausdruck gebracht. „Die Verbündeten rufen die russische Seite dazu auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit solche Verletzungen künftig nicht mehr vorkommen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Botschafter der 28 Nato-Staaten. Mit der Verletzung des türkischen Luftraums am Samstag und Sonntag hätte die russischen militärischen Aktionen ein „gefährlicheres Niveau“ erreicht. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, Russlands Verhalten trage nicht zur Sicherheit und Stabilität in der Region bei. Er sprach von einer „unannehmbaren Verletzung des türkischen Luftraums“ und warnte vor zunehmenden Spannungen mit der Nato. Russland sei aufgefordert, im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS) nicht von der gemeinsamen Linie der internationalen Gemeinschaft abzuweichen.

          Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk bezeichnete nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Verletzung des türkischen Luftraums durch Russland als „beunruhigende Nachricht.“ Die Regierung in Ankara zeigte sich empört über das Eindringen russischer Kampfflugzeuge am Wochenende. Nach türkischen Angaben hatten zwei türkische Jagdflugzeuge ein aus Syrien kommendes russisches Kampfflugzeug abgedrängt. Das russische Flugzeug sei daraufhin abgedreht. Zudem seien türkische Kampfflugzeuge auf Patrouillenflug am Sonntag von einem russischen Flugzeug bedrängt worden.

          Das türkische Außenministerium bestellte am Montag den russischen Botschafter ein und übergab ihm eine Protestnote. Ein Sprecher des Kreml äußerte, man wolle den Vorfall prüfen. In einer ersten Reaktion sprach Moskau von einem Navigationsfehler. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu äußerte die Drohung, die türkische Luftwaffe werde bei weiteren derartigen Zwischenfällen gegebenenfalls das Feuer eröffnen. Russland werde die Verantwortung für „ungewollte Ereignisse“ tragen müssen. Die Türkei, die den Sturz des syrischen Diktators Baschar al Assad betreibt, hat das Eingreifen der russischen Luftwaffe in den Syrien-Konflikt als „schweren Fehler“ kritisiert.

          Unterdessen betreiben Moskau und Damaskus offenbar auch eine Spaltung der bewaffneten Opposition. Westliche Diplomaten weisen auf Äußerungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow hin, der sich offen für Kontakte mit der „Freien Syrischen Armee“ zeigte. „Wir machen daraus kein Geheimnis“, sagte Lawrow. Ähnlich äußerte sich Assad im iranischen Fernsehen. Ein Dialog sei auch mit terroristischen Gruppen möglich, sollte dies dazu führen, dass diese die Waffen niederlegen und sich ergeben, sagte Assad in dem Interview, in dem er das entschlossene Handeln seiner Verbündeten lobte und den Westen als „verwirrt“ bezeichnete.

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