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Türkei : Erdogans Pyramiden

Im Leitstand: Staatspräsident Gül und Ministerpräsident Erdogan lenken die U-Bahn zur Eröffnung des Bosporustunnels. Bild: dpa

Der Bosporustunnel ist eines von zahllosen Megaprojekten, die in der Türkei entstehen. Der Regierungschef will so seinen Ruhm mehren – und die Wirtschaft des Landes ankurbeln. Istanbul erinnert zunehmend an das neureiche Dubai.

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          Für ihren 100. Geburtstag hat die Türkei eine große Vision: Bis zum 29. Oktober 2023 soll sie unter die zehn größten Volkswirtschaften der Welt aufgestiegen sein, mit einem Einkommen pro Einwohner, das dem heutigen Lebensstandard der Tschechen oder Portugiesen entspricht. Und natürlich sieht sich die Türkei dann auch als Mitglied der EU. Der 90. Geburtstag ist auf diesem Weg ein wichtiger Zwischenschritt, und so versteht es sich, dass sich eine Türkei, die groß denkt, nicht mit kleinlichen Projekten abgibt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, berauscht von den politischen und wirtschaftlichen Erfolgen vor allem seiner ersten Jahre als Ministerpräsident, hat daher die Megaprojekte für die großen Geburtstage zur Chefsache erklärt. Einige werden seinen Namen tragen, auf dass er als großer Staatsmann in alle Ewigkeit fortwirke. Erdogan lässt keine Pyramiden, Mausoleen oder Tempel bauen, sondern der Welt größten Flughafen, einen Kanal parallel zum Bosporus, eine dritte Brücke über den Bosporus, einen Tunnel unter dem Bosporus, Atomkraftwerke und vieles mehr, was viel Geld kosten wird und ihm und der Republik Ruhm einbringen soll. Parallel dazu wird Istanbul zunehmend zu einer Stadt, die – als Folge der Gentrifizierung – in viel zu vielen Teilen immer mehr dem neureichen Dubai gleicht als der geschichtsträchtigen und lebendigen Hauptstadt der Osmanen am Bosporus.

          Am Dienstag wurde zum 90. Geburtstag der türkischen Republik der 13, 6 Kilometer lange Unterwassertunnel in Betrieb genommen, der den europäischen Teil Istanbuls mit dem asiatischen Teil verbindet und der den notorischen Verkehrskollaps etwas mindern soll. Über das Wasser soll zehn Jahre später noch eine dritte Brücke über den Bosporus führen.

          Bild: F.A.Z.

          Ein weiterer wichtiger Tag auf dem Weg zum 100. Geburtstag der Türkei war der 3. Mai 2013. Am Morgen unterzeichnete Erdogan erst mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe ein Abkommen über den Bau eines Atomkraftwerks mit 5000 Megawatt Leistung; entstehen soll es in Sinop am Schwarzen Meer. Am Nachmittag gab sein Verkehrsminister Binali Yildirim den Zuschlag für den Bau und Betrieb eines Flughafens an ein Konsortium von fünf türkischen Baukonzernen bekannt. 2017 soll der weltgrößte Flughafen seinen Betrieb aufnehmen. Er soll ein Zeichen des neuen Selbstbewusstseins Istanbuls sein, des Wirtschaftszentrums der aufsteigenden Regionalmacht Türkei. Einer Stadt, die sich als Metropole vom Range New Yorks und Londons sieht.

          Eine neue Wachstumsachse

          Die Frankfurter Fraport AG, die den Flughafen gerne gebaut hätte, war in dem Auktionsverfahren bei einem Gebot von 22 Milliarden Euro ausgestiegen. Das türkische Konsortium erhielt den Zuschlag bei 22,35 Milliarden Euro – eine Summe, bei der Finanzfachleute an der Rentabilität des Projekts zweifeln. Diesen Betrag hat der Staat 25 Jahre nach Abschluss der Bauarbeiten, wenn sich der Flughafen, der nördlich von Istanbul am Schwarzen Meer als globales Drehkreuz etabliert hat, als Ablösegebühr zu zahlen. Dann sollen jedes Jahr 150 Millionen Passagiere abgefertigt werden – dreimal so viele wie heute in Frankfurt.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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