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Treffen der Rechten in Wien : Eurasische Internationale

Verspätete Gegendemonstration: Wien am Mittwoch Bild: dpa

Rechte Politiker aus Russland, Frankreich und Österreich gedenken des Wiener Kongresses. Und suchen die Nähe zu Putins Russland. Ganz vorn mit dabei: die FPÖ und der Front National.

          Das Palais Liechtenstein in Wien lockt Besucher mit prächtigen Sälen voller Kunst aus Renaissance und Barock. Wer bereit ist, ein entsprechendes Sümmchen hinzulegen, der kann das Stadtpalais auch für seine Veranstaltungen buchen. Am vergangenen Wochenende traf dort eine schillernde Gesellschaft zusammen, um, so der angegebene Anlass, des Wiener Kongresses zu gedenken, der vor 200 Jahren nach den Napoleonischen Kriegen Europa neu geordnet hat. Teilgenommen haben russische Vordenker einer „eurasischen“ Ordnung und Politiker von Rechtsparteien aus Mittel- und Westeuropa.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Ein ungewöhnlicher Aufwand an Sicherheitspersonal konnte von außen beobachtet werden – was drinnen veranstaltet wurde, war ausgesprochen nichtöffentlich. Bekannt wurde die Runde, die in Wien der 1815 geschmiedeten Heiligen Allianz des Zaren, des österreichischen Kaisers und des Preußenkönigs gedachte, erst durch einen Bericht der Schweizer Zeitung „Tagesanzeiger“. Teilgenommen haben demnach aus Russland der Publizist Alexander Dugin, der Maler Ilja Glasunow und Konstantin Malofejew, ein Mann des Geldes mit guten Verbindungen zum Kreml.

          Malofejews Stiftung „Basilius der Große“ war auch die Veranstalterin, die das Palais über eine Agentur gebucht hatte. Zu Gast waren auch Politiker mehrerer Rechtsparteien, die sich derzeit darum bemühen, im neugewählten Europaparlament eine Fraktion zu bilden: Der Vorsitzende der österreichischen Freiheitlichen (FPÖ), Heinz-Christian Strache und deren Wiener Vorsitzender Johann Gudenus sowie für den französischen Front National der Europaabgeordnete Aymeric Chauprade.

          Aleksandr Dugin ist einer der bekanntesten Ideologen der radikalen Rechten in Russland. Schon in den achtziger Jahren gehörte er in der Sowjetunion als Student zu rechtsextremen Zirkeln, die in den Perestrojka-Jahren mit antisemitischen Aktionen auf sich aufmerksam machten.

          Alexander Dugin

          Mitte der neunziger war er Mitbegründer und Ideologe der – mittlerweile verbotenen – Nationalbolschewistischen Partei, die sowohl in ihrer Symbolik als auch in ihrer Sprache Anleihen bei den deutschen Nationalsozialisten machte. Seit Ende der neunziger Jahre rückte Dugin von derart marginalen Positionen und Organisationen ab. Er vertritt die Idee des Eurasiertums, nach der Russland die Völker des eurasischen Kontinents zu einem neuen, gegen den Westen und den Liberalismus gerichteten Imperium zusammenschließen soll.

          Verwirklichen kann diese Idee laut Dugin nur Präsident Putin, dessen Gegner er als „psychisch krank“ bezeichnet. Mit seinen Ideen bekommt Dugin, der seit einigen Jahren als Professor an der Moskauer Lomonossow-Universtität lehrt, in den staatlichen russischen Medien viel Raum.

          Er gehört zum Beraterkreis des Duma-Vorsitzenden Sergej Naryschkin. Wie viel Einfluss und Zugang Dugin tatsächlich zur politischen Elite hat, ist unklar, doch finden sich ein Widerhall seines Denkens seit einiger Zeit auch in Reden Putins. Der vierzig Jahre alte Konstantin Malofejew ist mit Finanzgeschäften zum Milliardär geworden und gehört zu jenen Kreisen im Umfeld des Kremls, die für den russischen Staat eine nationalistische, auf der Orthodoxie beruhende Staatsideologie wünschen.

          Diese Strömung hat seit der Wiederwahl Putins 2012 ständig an Einfluss gewonnen – deutlich sichtbar wurde das unter anderem in der jüngsten Rede des Präsidenten zur Lage der Nation Ende vergangenen Jahres, in der Putin Russland zu einem Leuchtturm konservativer Werte in der Welt erklärte.

          Auf die Seite Russlands hat sich in der Ukraine-Krise die FPÖ wie keine andere Partei in Österreich gestellt. Strache verurteilte die Sanktionspolitik Europas und der Vereinigten Staaten gegen Russland und lobte Präsident Putin in beinahe Schröderscher Diktion als „reinen Demokraten, aber mit einem autoritärem Stil“. Die beiden FPÖ-Funktionäre Gudenus und Johannes Hübner hatten die Einladung angenommen, als „Wahlbeobachter“ auf die Krim zu reisen, um der dort inszenierten Abstimmung über einen Anschluss an Russland einen lupenrein demokratischen Ablauf zu attestieren.

          Gudenus, der einst an der Lomonossow-Universität Sommerkurse absolvierte, gilt als politischer Ziehsohn Straches und dessen Statthalter in Wien. Dass ausgerechnet die europäischen Rechtspopulisten eine solche Nähe zu Putins Russland suchen, wirkt schon deshalb merkwürdig, weil auch die Ausleger der anderen Seite des politischen Spektrums, etwa die deutsche Linkspartei, energische Verteidiger der Politik Moskaus sind.

          Gemeinsam ist linken und rechten Putin-Apologeten nicht so sehr die Hinwendung zu Russland, sondern die Abwendung vom „Westen“ und dessen Vormacht, den Vereinigten Staaten. Nicht zuletzt betrifft das auch die Ablehnung des angelsächsischen Kapitalismus oder gar – mit all den dazugehörigen Konnotationen – der „Hochfinanz“. Freilich, hier endet schon wieder die Gemeinsamkeit von Links und Rechts. Denn die Rechtsparteien lehnen darüber hinaus im Einklang mit Putin alles Libertäre ab.

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