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Terror in Paris : Frankreich schlägt zurück

Auch auf dem Triumphbogen erinnert Paris an die getöteten Redakteure der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“. Bild: AP

Der französische Staat hat sich nach drei Tagen mit Anschlägen und Geiselnahmen die Autorität zurückerkämpft, zahlt aber einen hohen Preis. Europäische Staats- und Regierungschefs, darunter Angela Merkel, demonstrieren am Sonntag in Paris ihre Solidarität.

          Der vergangene Mittwoch war mit den Anschlägen auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo der „11. September Frankreichs“, wie die Tageszeitung „Le Monde“ schrieb. Der Freitag, 9. Januar 2015, sollte demgegenüber der Tag werden, an dem der französische Staat den Terroristen das Heft der Handlung wieder entriss. Doch ohne weitere unschuldige Todesopfer ging der denkwürdige Tag nicht zu Ende. Nachdem Sicherheitskräfte die Geiselnahmen vor den Toren von Paris sowie im Osten der Stadt gewaltsam beendet hatten, waren die drei Terroristen tot, doch auch vier Geiseln. Die vergangenen drei Tage führten zu insgesamt 20 Toten, darunter die Terroristen,  zudem zu zahlreichen Verletzten. Gleichzeitig ist indes eine Reihe von Geiseln, deren Zahl noch nicht bestätigt wurde, am Freitag in Paris unverletzt frei gekommen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der französische Präsident François Hollande versuchte die erschütterten Franzosen am Freitagabend in einer kurzen Fernsehansprache wieder etwas aufzurichten. „Frankreich hat sich den Herausforderungen gestellt“, das Land habe mit „Stärke und Solidarität“ auf die Gefahren der Terroristen geantwortet. Er lobte den Mut und das Geschick der französischen Spezialeinsatzkräfte, die unter Lebensgefahr einen Supermarkt im Süden von Paris und eine Druckerei nordöstlich der Hauptstadt gestürmt hatten. „Wir sind ein freies Volk, das keine Angst hat“, sagte Hollande.

          Täter sollen sich abgestimmt haben

          Am kommenden Sonntag werden die Franzosen dies bei einer großen Kundgebung in Paris unter Beweis stellen. Hollande will daran teilnehmen – und kann auf umfangreiche Rückendeckung aus dem Ausland zählen. Bundeskanzlerin Merkel, der britische Premierminister David Cameron, die Ministerpräsidenten Italiens und Spaniens, Matteo Renzi und Mariano Rajoy, sowie der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, und der Präsident der EU-Kommisison Jean-Claude Juncker haben ihr Kommen zugesagt. Die Kundgebung in Paris ist als große parteiübergreifende Solidaritäts-Bekundung geplant. Nur der rechtsextreme Front National wurde nicht eingeladen, was innerhalb der anderen Parteien für Meinungsverschiedenheiten sorgte.

          Hollande konnte den Franzosen am Freitag allerdings keine Hoffnung auf eine rasche Entspannung an der Terrorfront machen. „Die Bedrohungen gegen Frankreich sind noch nicht beendet“, sagte er und rief die Bevölkerung zu verstärkter Wachsamkeit an öffentlichen Orten auf. Am Ende seiner Worte gab er sich jedoch zuversichtlich: „Aus dieser Prüfung wird Frankreich stärker hervorgehen als es zuvor war“.

          Die spektakulären Ereignisse des Freitags ließen den Staat zunächst jedoch machtlos wirken. Die Attentäter, welche die Redaktion von Charlie Hebdo angegriffen hatten, verschanzten sich in einer kleinen Druckerei rund 50 Kilometer nordöstlich von Paris im Departement Seine-et-Marne. Das brutale Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo war noch gar nicht verdaut, da offenbarte sich den Franzosen im Laufe des Tages, dass die Täter, das Brüderpaar Chérif und Saïd Kouachi, nicht alleine handelten. Die Schießerei des Vortages im Süden von Paris, wo ein bewaffneter Mann eine Polizistin erschoss und einen anderen schwer verletzte, stand offenbar in einem Zusammenhang mit dem Attentat auf Charlie Hebdo. Im Laufe des Freitag stellte sich heraus, dass sich die drei Terroristen kannten. Gegen Mittag trat der bisher flüchtige Todesschütze aus dem Pariser Süden („Der Schütze von Montrouge“) erneut in die Öffentlichkeit. Der 32 Jahre alte Amély Coulibaly drang an der Porte de Vincennes im Osten von Paris in einen Supermarkt für koschere Lebensmittel ein und nahm mehrere Geiseln. Sprachlos blickten die Franzosen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, die gleichzeitig beide Geiseldramen zeigten.

          Mitglieder der französischen Spezialeinheit starten den Zugriff auf den Supermarkt am Place Vincennes in Paris, in dem die Geiseln festgehalten werden. Bilderstrecke

          Die drei Terroristen hätten ihre Angriffe zu Beginn „untereinander synchronisiert“, behauptete Coulibaly am Handy gegenüber einem französischen Fernsehsender kurz vor Stürmung des Supermarktes. Der Sender berichtete davon erst nach Ende der Geiselnahme, um die Abläufe nicht zu behindern. Chérif Kouachi erzählte dem gleichen Sender am Telefon, dass er und sein Bruder von Al Qaida in Jemen „finanziert und geschickt“ wurden. Bei der Stürmung der Druckerei im Departement Seine-et-Marne kam den Sicherheitskräften zu Hilfe, dass sich ein Mitarbeiter in dem Betrieb vor den Terroristen versteckt hatte und währenddessen mit der Polizei kommunizieren konnte.

          Justiz in der Kritik

          Am Abend dieses ereignisreichen Tages bleiben freilich noch viele Fragen offen. CNN berichtete, dass die Freundin des Terroristen Coulibaly aus dem Supermarkt fliehen konnte. Diese Meldung wurde aber nicht bestätigt. Fragen stellen sich auch nach der Überwachung der Gewalttäter. Ihre Verbindungen untereinander mussten seit langem bekannt sein. Im Jahr 2010 war Coulibaly zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er den Dschihadisten Smaïn Ait Ali Belkacem aus der Haft befreien wollte. Belkacem sitzt wegen des Metro-Attentats  nahe des Musée d’Orsay von Paris im Jahr 1995, bei dem dreißig Personen verletzt wurden, lebenslänglich im Gefängnis. Der Anschlag stand mit dem Bürgerkrieg in Algerien in Verbindung, bei dem auch Frankreich zur Zielscheibe wurde. Chérif Kouachi war bei dem Befreiungsversuch ebenfalls angeklagt worden. Mangels Beweisen wurde die Anklage gegen ihn jedoch fallen gelassen.

          Coulibaly war erst seit dem vergangenen Jahr wieder auf freiem Fuß. Die Strafverfolgung von Terroristen und die Kontrollen nach ihrer Haftentlassung werden daher jetzt zum Streitgegenstand. Der frühere, auf die Terrorbekämpfung spezialisierte Richter, Jean-Louis Bruguière, kritisierte die aktuelle Justiz-Praxis: „Die Polizei fängt die Terroristen mit einem immer engmaschigeren Netz, aber sie kommen dann in einen Eimer, der lauter Löcher enthält“.

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