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Terror in Frankreich : Zwischenfälle an Schulen während Schweigeminute

Vor jüdischen Schulen in Frankreich wurden nach den Anschlägen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Bild: Reuters

Die französische Regierung hat zu einer Bildungsoffensive aufgerufen, um Schüler über die Terroranschläge aufzuklären. Anlass der Initiative sind antisemitische und terrorismusverherrlichende Vorfälle an Schulen.

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          Die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem hat am Montag zu einer großen Bildungsoffensive aufgerufen, um alle Schüler über die Terroranschläge aufzuklären und ihnen die Werte der Republik zu vermitteln. Anlass für die Initiative sind insgesamt siebzig Zwischenfälle an Schulen während der nationalen Schweigeminute für die Opfer der Terroristen am vergangenen Donnerstag. An manchen Schulen in den Vorstädten von Paris störten Schüler die Stille mit Zwischenrufen. Ein Lehrer meldete dem Rektorat, dass mehrere Schüler die Hände zum V-Zeichen erhoben hätten, um den „Sieg der Terroristen“ zu feiern. In einigen Klassen weigerten sich Schüler, an der Schweigeminute teilzunehmen. In der Presse schilderten mehrere Lehrer, wie schwierig es sei, mit ihren Schülern über die Terrorverbrechen zu diskutieren. Im „Le Figaro“ schrieb ein Lehrer, dass seine Schüler an einer Berufsschule in der Banlieue sagten, mit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen habe die Redaktion von „Charlie Hebdo“ eine Reaktion heraufbeschworen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Premierminister Manuel Valls sagte, es gebe 64.000 Schulen im ganzen Land, die siebzig Zwischenfälle dürften deshalb nicht überbewertet werden. Aber die Regierung wolle dieses Phänomen zum Anlass nehmen, in Absprache mit der Lehrerschaft die pädagogischen Bemühungen zu verstärken, um Vorurteile gegen Juden und Muslime abzubauen. Bildungsministerin Vallaud-Belkacem kam am Montag im Ministerium in Paris mit den Leitern der Schulbezirke (Académie) sowie mit Gewerkschafts- und Elternverbandsvertretern zusammen. Die Regierung verfolgt mit zunehmender Sorge den wachsenden Antisemitismus in der Jugend mit Einwanderungshintergrund. „Ich will nicht, dass in meinem Land ein Jugendlicher sagen kann: Mein Feind ist der Jude“, sagte Premierminister Valls. Es müsse verhindert werden, dass sich junge Leute aus der Banlieue mit den „barbarischen Terroristen“ identifizierten.

          Frankreichs Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem

          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte unterdessen am Montag die jüdischen Opfer der Terroranschläge vor dem jüdischen Supermarkt „Hyper Casher“ an der Porte de Vincennes in Paris. Die vier Männer Johav Hattab (21 Jahre), Johan Cohen (22 Jahre), Philippe Braham (45 Jahre) und Michel Saada (60 Jahre) werden an diesem Dienstag in Jerusalem beigesetzt. Netanjahu schwächte seinen Aufruf an die französischen Juden ab, nach Israel auszuwandern. „Sie haben das Recht, in Frankreich in Sicherheit zu leben“, sagte Netanjahu.

          Ein posthum veröffentlichtes Video des Terroristen Amedy Coulibaly legt nahe, dass er am Donnerstagmorgen eigentlich die jüdische Schule von Montrouge angreifen wollte und nur durch einen 200 Meter davon entfernten Verkehrsunfall davon abgehalten wurde. Coulibaly erschoss dann eine junge Verkehrspolizistin und verletzte einen weiteren Kommunalbeamten schwer. Er bezichtigte sich in der Videoaufzeichnung auch, ein Auto in Villejuif bei Paris in die Luft gesprengt zu haben. Nach der Ehefrau Coulibalys wird weiterhin gefahndet. Sie soll einen Tag nach dem Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ nach Syrien eingereist sein.

          Der insbesondere unter der Banlieue-Jugend beliebte „Komiker“ Dieudonné veröffentlichte nach dem Solidaritätsmarsch in Paris mit mehr als 1,5 Millionen Teilnehmern auf seiner Facebook-Seite den Spruch: „Je me sens Charlie Coulibaly“ – er fühle sich wie Charlie Coulibaly. Die Staatsanwaltschaft in Paris eröffnete daraufhin am Montag ein Strafverfahren wegen Unterstützung des Terrorismus.

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