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Ukrainer über ihr Land : Wie lässt sich der Krieg beenden?

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In den Krieg in der Ostukraine sind viele Parteien involviert. Bild: Illustration Anatoliy Belov

Seit fast einem Jahr herrscht Krieg in der Ostukraine. Wie lässt sich Frieden schaffen? Durch EU-Friedenstruppen? Mehr Druck auf Russland? Gar eine Abtretung des Donbass? Der zweite Gastbeitrag der FAZ.NET-Serie „Stereoscope Ukraine“.

          In der zweiten Folge unserer fünfteiligen Reihe „Stereoscope Ukraine“ setzen sich ukrainische Blogger, Wissenschaftler und Journalisten mit der Frage auseinander, wie der Krieg im Osten ihres Landes beendet werden könnte. Wie in allen fünf Beiträgen stellt die Künstlerin und Schriftstellerin Yevgenia Belorusets die Frage - die Gastautoren antworten.

          „Steroscope Ukraine“ ist ein Projekt von FAZ.NET in Zusammenarbeit mit dem Journalisten-Netzwerk N-Ost, dass sich einer Verbesserung der Berichterstattung über Osteuropa zum Ziel gesetzt hat. Die Beiträge sind auch bei dem Online-Magazin von „N-Ost“ „Ostpol“ sowie den internationalen Partnern „Colta.ru“ (ein russisches, spenden-finanziertes Online-Magazin), „Tygodnik Powszechny“ (eine renommierte polnische Wochenzeitung) und „Transitions online“ (ein spenden-finanziertes Online-Magazin) veröffentlicht.

          Yevgenia Belorusets

          Im Laufe des vergangenen Jahres wirkte die Ukraine zeitweise wie verstummt – so wenig nahmen manche Mitwirkende der wiederholten Friedensverhandlungen die tatsächliche Lage des Landes zur Kenntnis.

          Zeugt es vom Versagen der internationalen Diplomatie und Verständigung, wenn der Krieg nach den Abkommen von Minsk weiter andauert? Anschläge wie der in Charkiw werden in den friedlichen Städten der Ukraine Teil des Alltags. Das bedroht unsere Sicherheit und die demokratische Zukunft unserer Gesellschaft. Was sollte unbedingt unternommen werden, damit Frieden einkehrt? Sanktionen, Waffenlieferungen, Diplomatie oder der Rat, die Ukraine möge „auf die Donbass-Region verzichten“: Was kann dem Krieg in der Ostukraine endlich ein Ende setzen?

          Olena Stepova

          Wie Tausende meiner Landsleute bin ich zum Flüchtling geworden. Wir fliehen innerhalb des eigenen Landes vor dem Krieg – aber wohin? Wo verläuft die Grenze des Krieges?

          Olena Stepova ist Bloggerin und lebt im Gebiet Luhansk.

          Eine Freundin von mir floh von Donezk nach Mariupol. Sie hat ihr Hab und Gut verloren und mit 36 Jahren graue Haare bekommen. Kaum ein wenig zu Atem gekommen, geriet sie in den Beschuss von Mariupol. Ihr Kind im Arm, lief sie zusammen mit anderen barfuß über Glasscherben und rutschte im Blut von Toten aus. Sie hatten noch Glück. Direkt neben ihnen schlug ein Geschoss in ein Auto ein.

          Zur gleichen Zeit sprach die Welt stolz von den Minsker Vereinbarungen und der erreichten „Waffenruhe“. Warum ist die Weltgemeinschaft blind und taub für das Leid der Ukraine? Warum fürchtet sie nicht, dass es ihr ähnlich ergehen könnte?

          Von Anfang an wurde diesem Krieg das Etikett einer „antiterroristischen Operation“ verliehen, die der ukrainische Inlandsgeheimdienst gegen örtliche Terrorgruppen durchführe. Diese „örtlichen“ Terroristen hatten russische Papiere und russische Waffen und wussten nicht, wo in ihrer angeblichen Heimat die Bergwerke lagen. Diejenigen, die mit diesem Krieg ihre Interessen verfolgen, haben den Aggressor von außen (Russland) durch einen inneren ersetzt – die Bewohner des Donbass. Heute soll der Donbass herausgegeben werden, morgen Charkiw, übermorgen Kiew und Lwiw.

          Weder Diplomatie noch Waffen noch „Friedensstifter“ können diesen Konflikt lösen. Zu lösen ist er nur durch eine vollkommene Blockade Russlands. Sind die Konten Putins und der Duma-Abgeordneten, die die Vernichtung der Ukraine unterstützen, in Europa eigentlich eingefroren?

          Ivan Yakovina

          Kiew bleibt nichts übrig, als sich mit der realen Lage abzufinden. Dazu gehört, dass es eine vollkommene Blockade Russlands, wie Olena Stepova sie sich wünscht, nicht geben wird. Nicht einmal die Ukraine selbst ist bereit, ihre Verbindungen zu Russland abreißen zu lassen. Es wäre daher mehr als dreist, Europa und dem Rest der Welt genau das abzuverlangen.

          Ivan Yakovina ist Journalist der in Lwiw lebt und in Kiew arbeitet.

          Dergleichen ist derzeit schlicht unmöglich. Möglich ist aber dies: Kiew muss sich über die militärischen und politischen Spielregeln, die ihm von Wladimir Putin aufgezwungen werden, hinwegsetzen und den russischen Präsidenten so dazu bringen, seine Pläne spontan zu ändern und Fehler zu begehen.

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