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Tebartz-van Elst in Rom : Stimmen im Ohr des Papstes

  • -Aktualisiert am

Franziskus am Sonntag bei der Ankunft zur Messe auf dem Petersplatz Bild: Reuters

Der Vatikan ringt um eine Lösung des Falles Tebartz-van Elst. Wer berät den in deutschen Belangen unkundigen Franziskus?

          Mit möglichen Verfehlungen des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst konnte sich Papst Franziskus am Sonntag noch nicht beschäftigen. Er feierte stattdessen im Rahmen der „Marientage“ eine Messe auf dem Petersplatz zu Ehren der heiligen Jungfrau. Zudem werde über Absetzungen von Bischöfen gewiss nicht an einem Sonntag entschieden, hieß es aus dem Vatikan. Unbekannt sei auch, ob der Papst überhaupt schon von den jüngsten Vorwürfen gegen Tebartz-van Elst erfahren habe. Nach diesen soll Tebartz-van Elst die Baukosten für das Bischöfliche Haus in Limburg systematisch auch vor dem Vatikan verschleiert haben. Für Vatikanbeobachter wird in diesen Tagen aber das tiefe Unbehagen über einen Bischof spürbar, den man schon lange nicht mehr versteht. Überall, wo deutsche Geistliche dieser Tage über das Los des Bischofs reden – so jüngst bei einem Abend in der Residenz von Vatikanbotschafter Reinhard Schweppe mit dem Trierer Nachbarbischof Stephan Ackermann –, heißt es meist, Tebartz-van Elst sollte rasch seinen Rücktritt anbieten und „Klarheit schaffen“.

          Nach dem Kirchenrecht kann der Papst einen Diözesanbischof dringlich um das Angebot seines Amtsverzichts bitten, wenn er wegen Krankheit oder aus „einem schwerwiegenden Grund“ ungeeignet erscheint, die Amtsgeschäfte weiter wahrzunehmen (Canon 401, Paragraph 2). Liegt so ein Grund vor, kann ein Bischof auch gegen seinen Willen versetzt werden. Wegen überhöhter Baukosten und unklarer Budgetverhältnisse setzte Papst Benedikt XVI. einen Bischof in der Slowakei ab und Franziskus zwei in Slowenien. In der Kurie gelten diese drei Fälle als vergleichbar.

          Volksnah: Papst Franziskus nach der Messe am Sonntag in Rom

          Dennoch hatte Tebartz-van Elst zumindest am Freitag noch einen Fürsprecher. Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der einflussreichen Glaubenskongregation, sagte am Abend im Verlauf einer Lesung in der Kirche des deutschen Campo Santo über das Evangelium und die Dämonen, die Vorwürfe gegen den Limburger Bischof seien eine „Erfindung von Journalisten“ und eine „Medienkampagne“. Verantwortlich für die hohen Baukosten seien seine Mitarbeiter. Das sehen Geistliche in Rom, auch wenn sie aus der Diözese Limburg selbst kommen, anders. Vor allem stört sie, dass gerade jetzt, wo sich mit Franziskus der Klerus in Bescheidenheit, Demut und Kollegialität kleiden wolle, ein Bischof in der Heimat so baue wie einst Renaissance-Päpste. Das störe die neue Attraktivität der Kirche.

          Gleichzeitig mit Tebartz-van Elst wird an diesem Montag auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in Rom Gespräche aufnehmen. Er wolle den Papst über die Lage in Limburg unterrichten, sagte Zollitsch schon vor Tagen und rückte von seinem Limburger Kollegen ab: „Gerade wir Bischöfe müssen uns fragen, wie und wo wir wohnen und leben. Wenn neu gebaut wird, haben wir Möglichkeiten, Zeichen zu setzen“, hatte er der Zeitung „Passauer Neue Presse“ gesagt. Aber auch Zollitsch muss sich in Rom rechtfertigen. Die Handreichung seiner Diözese, die gegen die Haltung der Kurie eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion möglich macht, wird als ein „völlig unmöglicher“ Einzelschritt abgelehnt. Dass Zollitsch von einem „vorläufigen Impuls“ spreche und versichere, er habe von dem Text nichts gewusst, mache die Lage Zollitschs nicht leichter. Meist habe er im Verkehr mit Rom „taube Finger“ bewiesen, wird gesagt.

          Wer berät wohl den in deutschen Belangen unkundigen Papst aus Argentinien? In unmittelbarer Nähe ist da Erzbischof Georg Gänswein, der Präfekt des Päpstlichen Hauses, und näher als vermutet steht dem Papst auch sein Vorgänger Benedikt. Man telefoniert wohl häufiger, als angenommen wird. Dann gibt es eine Reihe von deutschen Kardinälen im Amt oder außer Diensten, die einen mehr oder weniger guten Kontakt zu Franziskus haben. Bisher hat der Papst stets viele Stimmen gehört, bis er manchmal erst nach langem Zögern eine Entscheidung traf, und dafür umging er bisher selten den „Dienstweg“ über die Dikasterien. So wird auch wichtig sein, was der Präfekt der Bischofskongregation, Marc Kardinal Ouellet, über den „Fall Limburg“ denkt. Er wurde vor kurzem noch als Fürsprecher von Tebartz-van Elst genannt.

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