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Suche nach Foleys Mörder : Drei britische Dschihadisten im Visier

Gedenkfeier für James Foley am Sonntag in Rochester, New Hampshire Bild: dpa

Seit Tagen wird in London die Identifizierung des mutmaßlichen Mörders des Journalisten Foley als unmittelbar bevorstehend angekündigt. Doch bisher gibt es nur Spekulationen. Nicht nur ein Londoner Rapper, auch zwei weitere Männer stehen unter Verdacht.

          Als Premierminister David Cameron Mitte vergangener Woche seinen Urlaub unterbrach und nach London zurückkehrte, versicherte er, man werde den Mörder des amerikanischen Journalisten James Foley rasch finden. Andere wiederholten das Versprechen an den darauffolgenden Tagen, zuletzt der britische Botschafter in Washington, der die Identifikation des schwarz vermummten Dschihadisten am Sonntag als „ganz nah” bezeichnete. So wartete man weiter.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Das Video der Enthauptung, das die Propagandaabteilung des „Islamischen Staates” (IS) ins Netz gestellt hatte, gibt allerdings nicht allzu viel preis. Weder verrät es, wo der Mord stattfand, noch ob er von dem Mann in Schwarz persönlich verübt wurde. Fachleute, die das Video ausgewertet haben, halten für möglich, dass er das Opfer nur präsentierte – der eigentliche Augenblick des Tötens wurde offenbar nicht festgehalten. Die Identifikation muss den Experten vor allem anhand der Stimme gelingen. Das Englisch, das der Dschihadist in dem Video spricht, weist einen Londoner Akzent auf, was Spekulationen angeheizt hat, dass es sich um einen Mann handelt, der in der britischen Hauptstadt aufgewachsen ist.

          Informationen einer französischen Geisel

          Laut Zeitungsrecherchen wird der Gesuchte im Dschihadisten-Milieu als „John” angesprochen. Die Information stammt von einer ehemaligen französischen Geisel, die in „John” ihren eigenen Peiniger wiedererkannt zu haben glaubt. Die Aufmerksamkeit der britischen Medien konzentriert sich derzeit auf den Londoner Abdel-Majed Abdel Bari, der vor seinem mutmaßlichen Einsatz in Syrien und Irak als „L Jinny” in der Rapper-Szene bekannt war. Dabei berufen sie sich auf unbestätigte Informationen der Ermittler. Bari, der 23 Jahre alt ist, soll unter den Einfluss des Hasspredigers Anjem Chaudary geraten sein, der in London unbehindert auftreten darf. Fotos, die offenbar aus Baris Facebook-Konto stammen, zeigen einen westlich gekleideten jungen Mann, der sich später in einen verhüllten, martialisch auftretenden Dschihadisten verwandelte. Angeblich hält sich Bari zur Zeit im syrischen Rakka auf, der Hochburg der IS.

          Die „Daily Mail” berichtete am Montag, dass Baris Vater, Adel Abdel Bari, in New York auf einen Terrorprozess warte. Er soll an den Anschlägen auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt gewesen sein. Der Ägypter hatte 1993 politisches Asyl in Großbritannien erhalten. Zwei Jahre später wurde er dann in Ägypten wegen eines geplanten Bombenanschlags zum Tode verurteilt. Bevor er, gemeinsam mit dem religiösen Fanatiker Abu Hamza al-Masri, vor knapp zwei Jahren von Großbritannien an die Vereinigten Staaten ausgeliefert worden war, hatte er in einer bürgerlichen Londoner Gegend gewohnt. Sein Haus, in dem auch sein Sohn Abdel aufgewachsen ist, soll heute mehr als 1,2 Millionen Euro wert sein.

          „Eine Bombe für den Mörder“

          Über zwei weitere Männer, deren Stimmen offenbar ebenfalls der Stimme „Johns” ähneln, sind weniger Informationen im Umlauf. Bei einem von ihnen soll es sich um einen 20 Jahre alten Computer-Hacker aus Birmingham handeln, dessen (Kampf-) Name mit Abu Hussain al-Britani angegeben wird. Der andere – Abu Abdullah al-Britani – soll in Portsmouth gelebt haben, bevor er sich dem bewaffneten Kampf der Islamisten in Syrien anschloss.

          Kritisiert laschen Umgang mit möglichen Dschihadisten: Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson setzt Premierminister David Cameron unter Druck

          Premierminister Cameron, der inzwischen wieder am Strand von Cornwall Urlaub macht, sieht sich unterdessen wachsendem Druck ausgesetzt, schärfere Maßnahmen gegen britische Dschihadisten zu ergreifen. Von mehreren Seiten wurde in den vergangenen Tagen gefordert, Briten, die im Nahen Osten in den „Heiligen Krieg” ziehen, den Pass und damit die Staatsangehörigkeit zu entziehen.

          Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson verlangte am Montag außerdem, für Dschihadisten die Unschuldsvermutung umzukehren. Nach seinem Vorschlag würde jeder Syrien- und Irakreisende als Terrorist behandelt werden, sofern er sich vor dem Aufbruch nicht bei den Behörden gemeldet hat. In seiner wöchentlichen Zeitungskolumne wünschte Johnson dem Mörder Foleys den Tod; eine Bombe möge ihn so rasch wie möglich treffen, schrieb der Bürgermeister.

          Im vergangenen Jahr wurden im Königreich siebzig Personen festgenommen, die in Syrien oder im Irak gekämpft haben. Wie viele von ihnen wieder auf freiem Fuß sind, ist unklar. Insgesamt haben sich, Schätzungen zufolge, 500 bis 1500 Briten auf den Weg in den „Heiligen Krieg” im Nahen Osten gemacht. An die 200 von ihnen sollen, zum Teil auch nur vorübergehend, zurückgekehrt sein. Bis heute sind, wiederum geschätzt, 4000 Briten in Afghanistan ausgebildet worden oder dort als Dschihadisten aktiv gewesen.

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