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Spanischer Banker Miguel Blesa : Der Herr der kranken Kasse

  • -Aktualisiert am

Amigos: Blesa (links) und Aznar bei einer Beerdigung Ende 2011 Bild: Europa Press via Getty Images

In Spanien ist Miguel Blesa in Untersuchungshaft genommen worden, ein früherer Präsident der Caja Madrid. Sein Fall steht für die enge Verquickung von Geld und Politik, bis im Jahr 2008 die große Krise einsetzte.

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          Der spanische Banker Miguel Blesa hat seine erste Nacht in dem gleichen Madrider Gefängnis verbracht, in dem sein Vorzugskunde Gerardo Díaz Ferrán, dem er zuletzt noch einen nicht gedeckten Kredit von 26 Millionen Euro gab, schon seit fünf Monaten einsitzt. Die beiden alten Partner sind sich in der Haftanstalt von Soto del Real bislang nicht begegnet. Denn Blesa hatte am Freitag alle Hände voll zu tun, die 2,5 Millionen Euro Kaution aufzubringen, die Ermittlungsrichter Elpidio José Silva festgelegt hatte, um ihn vorerst wieder auf freien Fuß zu lassen. Ganz frei wird dieser Fuß indes nicht sein, weil der Richter Blesa wegen Fluchtgefahr seinen Reisepass entzogen hat.

          Blesa und Ferrán gehörten zur Elite der spanischen Finanz- und Wirtschaftswelt - bis im Jahr 2008 die große Krise kam. Der Erstgenannte amtierte 13 Jahre lang als Präsident der Caja Madrid, einer der potentesten Sparkassen des Landes. Der andere war lange Jahre Präsident des Arbeitgeberverbandes und Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse, bis ihn der Vorwurf betrügerischen Bankrotts im Zusammenhang mit seiner Reisebürokette Marsans in Konflikt mit der Justiz brachte.

          „Irrsinnige Transaktion“

          Der Fall Blesa ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Verquickung von Geld und Politik in Spanien, für Protektion, Vetternwirtschaft und maßlose Risikobereitschaft noch, als die einheimische Immobilienblase platzte und die „Subprime“-Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten mit dem Untergang der Bank Lehmann Brothers einen Tsunami in der internationalen Finanzwelt auslöste. Der 65 Jahre alte Blesa, ein enger Freund und einstiger Kommilitone des früheren Ministerpräsidenten José María Aznar - sie legten gemeinsam ihr Examen als Steuerinspektoren ab -, wurde im Jahr 1996 von der konservativen Volkspartei (PP) auf den Chefsessel der zweitgrößten spanischen Sparkasse gebracht. Ermöglicht wurde das unter anderem durch einen Pakt mit der Gewerkschaft Comisiones Obreras (CCOO) und der grün-kommunistischen Partei Vereinigte Linke (IU). Sie alle saßen, zusammen mit einer gediegenen Auswahl von Vertretern der Sozialistischen Partei (PSOE) und der katholischen Kirche, im Verwaltungsrat der Caja Madrid. Bis zu dem erzwungenen Ausscheiden Blesas im Jahr 2010 pflegten sie auch all seine Entscheidungen einstimmig gutzuheißen.

          Zwei dieser Entscheidungen bilden nun den Kern der Beschuldigungen wegen verschiedener Betrugsdelikte, Dokumentenfälschung und rechtswidriger Selbstbereicherung eines Mannes, der es verstanden hatte, sein Gehalt im Vergleich zu dem Vorgänger um nahezu das Zwanzigfache zu erhöhen. Im einen Fall geht es um den Kauf der City National Bank of Florida durch die damals finanziell schon schmalbrüstige spanische Sparkasse zum Preis von mehr als einer Milliarde Dollar. Das amerikanische Kreditinstitut war, wie sich bald herausstellen sollte, bestenfalls die Hälfte wert, so dass Blesa seine Caja Madrid, so der Vorwurf, mit einem Verlust von schließlich einer halben Milliarde Euro leichtfertig in den Abgrund riss. Als „irrsinnig“ bezeichnete Richter Silva jetzt jene Transaktion, in der jegliches Augenmaß und Sinn für den drohenden Schaden gefehlt habe.

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